Praça do Martim Moniz
Why is it significant?
Vor dir liegt ein langer, offener Platz, an dessen Rand die gelben Straßenbahnen der Linie 28 quietschend ihre Kurve nehmen. Hör kurz hin: Bengali, Mandarin, Hindi, Kreolisch und Portugiesisch mischen sich hier in einem einzigen Satz, und über allem thront oben auf dem Hügel die Burg.
Key Facts
| Place | Praça do Martim Moniz |
|---|---|
| Address | Praça do Martim Moniz, 1100 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.71750, -9.13660 |
| Part of Walk | Wo der Fado geboren wurde: Mouraria, Graça und die Stimmen Lissabons |
| Generated | Generated |
Vor dir liegt ein langer, offener Platz, an dessen Rand die gelben Straßenbahnen der Linie 28 quietschend ihre Kurve nehmen. Hör kurz hin: Bengali, Mandarin, Hindi, Kreolisch und Portugiesisch mischen sich hier in einem einzigen Satz, und über allem thront oben auf dem Hügel die Burg.
Der Platz trägt den Namen eines Mannes, der vielleicht nie gelebt hat. 1147 belagerte Afonso Henriques, der erste König Portugals, mit Kreuzfahrern aus Nordeuropa das muslimische Lissabon. Die Legende erzählt, dass der Ritter Martim Moniz sah, wie sich ein Burgtor kurz öffnete, und sich mit seinem eigenen Körper in den Spalt warf. Er wurde erschlagen, aber das Tor blieb offen, und die Christen stürmten hinein. Oben an der Burg heißt eine Pforte bis heute nach ihm. Historiker zweifeln, ob es ihn je gab, aber in Lissabon ist eine gute Legende oft stärker als jede Urkunde.
Nach der Eroberung mussten die Muslime, die in der Stadt blieben, außerhalb der Mauern leben, genau hier, am Hang unterhalb der Burg. So entstand die Mouraria, das Viertel der Mauren. Jahrhunderte später, als sie längst vertrieben oder zwangsgetauft waren, blieb der Name, und mit ihm der Ruf: ein Viertel der Armen, der Seeleute, der Tavernen. Genau in solchen Tavernen, sagt man, wurde im 19. Jahrhundert der Fado zum ersten Mal gesungen.
Was du heute als weiten Platz siehst, war bis ins 20. Jahrhundert ein dichtes Gewirr aus Gassen, Kirchen und Häusern. Das Estado-Novo-Regime ließ ab den 1940er-Jahren große Teile der unteren Mouraria abreißen, um Platz für Verkehr und moderne Bauten zu schaffen. Viele Fadosänger haben diesem verlorenen Viertel später Lieder gewidmet, voller Wehmut über eine Straße, die es nicht mehr gibt.
Und doch ist der Platz heute lebendiger als je zuvor. Einwanderer aus Bangladesch, China, Indien und Nepal haben die Mouraria wieder zu dem gemacht, was sie im Mittelalter war: ein Viertel der Fremden mitten in der Stadt. An manchen Abenden riecht es hier nach Curry, Teigtaschen und gegrilltem Fisch zugleich. Geh jetzt zum südlichen Ende des Platzes, dorthin, wo die Rua da Mouraria beginnt und eine kleine weiße Kapelle steht.