Cemitério dos Ingleses

Why is it significant?

Hinter der Mauer und dem Tor wird es plötzlich sehr still. Hohe, dunkle Zypressen stehen in Reihen, dazwischen moosbedeckte Grabsteine mit englischen Inschriften, und mitten im Grün eine kleine Kirche, die aussieht, als hätte man sie aus einem Dorf in Kent hierher versetzt.

Key Facts

PlaceCemitério dos Ingleses
AddressRua de São Jorge, 1200 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.71640, -9.16040
Part of WalkGrünes Lissabon: Wasser, Gärten und Bäume von Amoreiras bis Estrela
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Hinter der Mauer und dem Tor wird es plötzlich sehr still. Hohe, dunkle Zypressen stehen in Reihen, dazwischen moosbedeckte Grabsteine mit englischen Inschriften, und mitten im Grün eine kleine Kirche, die aussieht, als hätte man sie aus einem Dorf in Kent hierher versetzt.

Das ist der Cemitério dos Ingleses, der britische Friedhof von Lissabon. Jahrhundertelang durften Protestanten im katholischen Portugal nicht in geweihter Erde begraben werden. Man erzählt, dass Engländer ihre Toten oft nachts am Strand begruben oder im Fluss versenkten. In einem Land, in dem die Inquisition bis 1821 bestand, war ein protestantischer Friedhof eine bemerkenswerte Ausnahme. Ein Vertrag zwischen England und Portugal aus dem 17. Jahrhundert sah einen eigenen Friedhof vor, und 1717 wurde dieser hier endlich angelegt.

Der berühmteste Bewohner ist Henry Fielding, der Autor von Tom Jones, einem der ersten großen Romane der englischen Literatur. Schwer krank kam er 1754 nach Lissabon, in der Hoffnung, das milde Klima würde ihn heilen. Zwei Monate später, am 8. Oktober 1754, starb er hier. Sein Grabmal wurde erst 1830 errichtet, weil man lange gar nicht mehr genau wusste, wo er lag.

Die Portugiesen nennen diesen Ort auch einfach Os Ciprestes, die Zypressen. Zypressen wachsen schmal und hoch, sie werfen kaum Schatten auf die Gräber und bleiben das ganze Jahr grün, deshalb pflanzt man sie in Südeuropa seit der Antike auf Friedhöfen. Hier stehen sie wie Wächter, und in ihrem Schatten haben Kaufleute, Seeleute, Diplomaten und Weinhändler aus Porto ihre letzte Ruhe gefunden, Menschen, die Portugal und Großbritannien über Jahrhunderte verbanden. Auch der englische Theologe und Liederdichter Philip Doddridge liegt hier, der 1751 in Lissabon starb.

Es ist ein Ort der Fremden, die blieben, und der sanfteste Friedhof der Stadt. Geh nach dem Besuch weiter nach Westen, über die Rua Saraiva de Carvalho in das Viertel Campo de Ourique, nur etwa zweihundert Meter, bis zu einem schlichten Wohnhaus, in dem ein Dichter lebte, der Bäume besser verstand als Menschen.

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