Casa Fernando Pessoa

Why is it significant?

Du stehst vor einem schlichten Wohnhaus in einer ruhigen Straße von Campo de Ourique, mit Balkonen, Fensterläden und einer Haustür wie hundert andere. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass hier einer der größten Dichter des 20.

Key Facts

PlaceCasa Fernando Pessoa
AddressRua Coelho da Rocha 16, 1250-088 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.71670, -9.16250
Part of WalkGrünes Lissabon: Wasser, Gärten und Bäume von Amoreiras bis Estrela
GeneratedGenerated

Open the walk

Du stehst vor einem schlichten Wohnhaus in einer ruhigen Straße von Campo de Ourique, mit Balkonen, Fensterläden und einer Haustür wie hundert andere. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass hier einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts gelebt hat, und das hätte ihm wahrscheinlich sehr gefallen.

Fernando Pessoa wohnte hier von 1920 bis zu seinem Tod 1935, in einer Wohnung im ersten Stock. Er war in Lissabon unzählige Male umgezogen, aber hier blieb er. Tagsüber übersetzte er Handelsbriefe für Lissabonner Firmen, zwischendurch saß er in Cafés und Tavernen, und nachts schrieb er. Zu Lebzeiten veröffentlichte er nur ein einziges Buch auf Portugiesisch. Nach seinem Tod fand man eine Truhe mit über 25.000 Blättern, an denen Forscher bis heute arbeiten.

Pessoa war nicht ein Dichter, sondern viele. Er erfand Heteronyme, erfundene Dichter mit eigener Biografie, eigenem Stil und eigener Weltsicht. Ricardo Reis war der strenge Klassizist, Álvaro de Campos der rastlose Ingenieur und Futurist. Und einer von ihnen passt perfekt an das Ende dieses Spaziergangs: Alberto Caeiro, der Dichter der Natur, ein einfacher Mann vom Land, der die Dinge einfach anschauen wollte, ohne über sie nachzudenken. Ein Baum ist für Caeiro ein Baum, nicht mehr und nicht weniger... und das ist schwerer, als es klingt.

Seinen letzten Satz schrieb Pessoa am 29. November 1935 im Krankenhaus, auf Englisch: I know not what tomorrow will bring. Am nächsten Tag starb er, 47 Jahre alt. Seit 1993 ist das Haus ein Kulturzentrum, in dem seine private Bibliothek aufbewahrt wird, mit Randnotizen in seiner winzigen Handschrift.

Heute bist du dem Wasser des Aquädukts gefolgt, durch einen subtropischen Wald, unter eine Zypresse, die ein ganzes Dach trägt, und an Gräbern unter Zypressen vorbei. Lissabon ist eine Stadt aus Stein, aber sie atmet durch ihre Gärten. Geh zum Abschluss noch ein paar Schritte durch Campo de Ourique und schau dir einen Baum an, irgendeinen, so wie Caeiro es getan hätte... einfach so.

Nearby stories