Chafariz do Rato

Why is it significant?

Mitten im Verkehr des Largo do Rato steht ein steinerner Brunnen, an dem heute kaum jemand stehen bleibt. Busse fahren im Kreis, Autos hupen, und der alte Chafariz wirkt wie ein Gast, der sich in die falsche Epoche verirrt hat.

Key Facts

PlaceChafariz do Rato
AddressLargo do Rato, 1250 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.71990, -9.15410
Part of WalkGrünes Lissabon: Wasser, Gärten und Bäume von Amoreiras bis Estrela
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Mitten im Verkehr des Largo do Rato steht ein steinerner Brunnen, an dem heute kaum jemand stehen bleibt. Busse fahren im Kreis, Autos hupen, und der alte Chafariz wirkt wie ein Gast, der sich in die falsche Epoche verirrt hat.

Dabei war genau so ein Brunnen jahrhundertelang der wichtigste Ort jedes Viertels. Das Wasser aus der Mãe d'Água floss durch unterirdische Galerien zu Brunnen wie diesem, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts in vielen Teilen der Stadt entstanden. Wasser im eigenen Haus hatte fast niemand. Man holte es am Chafariz, und dort traf man sich, stritt, flirtete und tauschte Neuigkeiten aus. Oft gab es eigene Tröge, an denen Pferde und Maultiere trinken konnten.

Das Wasser in die Häuser trugen die Aguadeiros, die Wasserträger, mit Fässern auf den Schultern. Viele von ihnen kamen aus Galicien im Norden Spaniens, und sie hatten ihre eigene Bruderschaft und feste Plätze an den Brunnen. Wer sich vordrängelte, bekam Ärger. Bei Bränden waren sie verpflichtet, mit ihren Fässern zum Löschen zu kommen... eine Art Feuerwehr, lange bevor es eine gab.

Und der Platz selbst? Hier stand im 18. Jahrhundert die königliche Seidenmanufaktur, die Real Fábrica das Sedas. Die Raupen fraßen die Blätter der Maulbeerbäume von den Amoreiras, die du gerade gesehen hast, und in den Hallen am Rato wurde daraus Stoff für Kirchen, Adel und Hof. Rund um die Manufaktur siedelten sich weitere Werkstätten an... ein kleines Industrieviertel, lange bevor es in Portugal überhaupt Dampfmaschinen gab.

Heute fließt das Wasser von Lissabon aus ganz anderen Quellen, vor allem aus dem großen Stausee von Castelo do Bode, und das Aquädukt ist seit Langem außer Betrieb. Aber die Brunnen sind geblieben, als Erinnerung an eine Stadt, die einmal um jeden Eimer kämpfen musste. Die großen Bögen über dem Tal von Alcântara kannst du übrigens bis heute begehen, als Teil des Wassermuseums. Geh jetzt die Rua da Escola Politécnica entlang bergab, gut 450 Meter, bis zu einem Tor, hinter dem ein ganz anderer Wald beginnt.

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