Adalbertkirche und der Beginn der Grodzka-Straße
Why is it significant?
Betrachte das kleine romanische Kalksteinkirchlein, das merkwürdig schräg an der südlichen Ecke des weitläufigen Hauptmarktes steht: die St.-Adalbert-Kirche.
Key Facts
| Place | Adalbertkirche und der Beginn der Grodzka-Straße |
|---|---|
| Address | Rynek Główny 2, 31-042 Kraków, Poland |
| Geo Coordinates | 50.06070, 19.93800 |
| Part of Walk | Der Königsweg von Krakau: Vom Barbakan zum Wawelschloss |
| Generated | Generated |
Betrachte das kleine romanische Kalksteinkirchlein, das merkwürdig schräg an der südlichen Ecke des weitläufigen Hauptmarktes steht: die St.-Adalbert-Kirche. Ihre ungewöhnliche Ausrichtung und ihr Boden, der mehr als zwei Meter unter dem heutigen Pflaster liegt, belegen ihr hohes Alter aus dem frühen 11. Jahrhundert. Sie folgt dem uralten vorstädtischen Handelsweg, der von Ungarn an die Ostsee führte, lange bevor der Markt 1257 geometrisch eingemessen wurde. Im Lauf der Jahrhunderte hob sich das Straßenniveau Krakaus durch Schutt und Pflasterungen um über zweieinhalb Meter an. Archäologen fanden im feuchten Untergrund Eichenbohlen uralter Marktbuden aus vorchristlicher Zeit.
Der Überlieferung nach predigte hier im Jahr 997 der heilige Adalbert von Prag, einer der Hauptpatrone Polens, vor den heidnischen Bewohnern, ehe er zur Missionsreise nach Preußen aufbrach. Das Bauwerk verbindet trutzige romanische Feldsteinmauern mit einer anmutigen barocken Kuppel samt Laterne aus dem 17. Jahrhundert. Im Kellergewölbe der Kirche zeigt das Archäologische Museum eine Ausstellung mit slawischen Keramikfunden und frühen christlichen Bestattungen. Die dicken Steinblöcke der Apsis lassen die asketische Strenge der frühen Kirchenbauten der Piastenzeit greifbar werden.
Von diesem Platzwinkel zweigt die Grodzka-Straße ab, eine der ältesten Straßenachsen Krakaus und Kernstück des Königswegs. Der Name Grodzka leitet sich vom slawischen Wort gród ab, der befestigten Fürstenburg auf dem Wawelhügel. Über diese Trasse zogen einst sämtliche Krönungszüge, kaiserliche Gesandtschaften und fürstliche Trauerparaden zum Wawel. Kaufleute aus Nürnberg, Prag und Venedig schlugen hier ihre Quartiere auf und boten Seide, Samt und Weine feil.
Das kleine Gotteshaus überstand den tatarischen Sturmangriff von 1241 und alle folgenden Kriege der Stadtgeschichte unbeschadet. Seine intime Schlichtheit inmitten der opulenten Patrizierpaläste erinnert an die frühmittelalterlichen Anfänge Krakaus. Es ist ein Ort stiller Einkehr, an dem sich Jahrtausende berühren. Selbst in der Hektik des Markttreibens bewahrt die kleine Schwelle eine tiefe innere Ruhe.
Folge der Grodzka-Straße südwärts in Richtung der Weichsel. Nach wenigen Minuten erblickst du die lebensgroßen Apostelstatuen vor der barocken Jesuitenkirche St. Peter und Paul.