Die Hohe Pforte: Ein Tor als Name eines Weltreichs
Why is it significant?
Vor dir steht ein Tor mit einem weit ausladenden, geschwungenen Dach, davor Wachposten, dahinter ein Verwaltungsgebäude. Heute residiert hier der Gouverneur der Provinz Istanbul. Aber wenn europäische Diplomaten im 18. und 19.
Key Facts
| Place | Die Hohe Pforte: Ein Tor als Name eines Weltreichs |
|---|---|
| Address | Alemdar Mahallesi, Alemdar Caddesi, 34110 Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.01150, 28.97710 |
| Part of Walk | Istanbul der Sultane: Topkapı, Gülhane und die Hohe Pforte |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein Tor mit einem weit ausladenden, geschwungenen Dach, davor Wachposten, dahinter ein Verwaltungsgebäude. Heute residiert hier der Gouverneur der Provinz Istanbul. Aber wenn europäische Diplomaten im 18. und 19. Jahrhundert schrieben, sie hätten mit der Hohen Pforte verhandelt, dann meinten sie genau diesen Ort.
Bab-ı Âli heißt wörtlich das Hohe Tor. Hier, gegenüber dem Palast, lag seit dem 17. Jahrhundert der Amtssitz des Großwesirs, des Mannes, der im Namen des Sultans das Reich regierte. Mit der Zeit wurde der Name des Tores zum Namen der Regierung selbst, so wie man heute Downing Street oder Weißes Haus sagt und eine ganze Regierung meint. Diplomaten in Wien, Paris oder Berlin verhandelten nicht einfach mit dem Osmanischen Reich. Sie verhandelten mit der Pforte.
Das Tor hat dramatische Tage gesehen. Am 23. Januar 1913, mitten in den Balkankriegen, stürmte eine Gruppe von Offizieren des Komitees für Einheit und Fortschritt unter Enver Bey die Hohe Pforte. Der Kriegsminister Nazım Pascha wurde erschossen, die Regierung zum Rücktritt gezwungen. Dieser Staatsstreich ebnete den Weg zur Herrschaft der Jungtürken, die das Reich im Herbst 1914 an der Seite Deutschlands in den Ersten Weltkrieg führten. Was hier an einem Wintertag geschah, veränderte am Ende die Landkarte eines ganzen Kontinents.
Die Gebäude dahinter brannten im Lauf der Zeit mehrmals ab und wurden neu errichtet; das Tor mit seinem geschwungenen Dach stammt aus dem 19. Jahrhundert. Und die Straße, die hier vorbeiführt, wurde im 20. Jahrhundert zu einem Begriff ganz eigener Art. Babıali, das stand in der Türkei für die Presse, so wie Fleet Street in London. Die Journalisten saßen buchstäblich dem Regierungssitz gegenüber und schrieben über ihn.
Und jetzt dreh dich um und schau schräg gegenüber auf die hohe Mauer des Palastgartens. Siehst du den kleinen, vieleckigen Pavillon, der wie ein Erker auf der Mauer sitzt? Von dort aus konnte der Sultan genau auf dieses Tor blicken. Der Großwesir regierte, aber er wurde beobachtet. Geh die paar Schritte hinüber, dort schauen wir uns dieses Verhältnis genauer an.