Milion und Basilika-Zisterne

Why is it significant?

Schau auf den unscheinbaren Marmorstumpf an der Ecke, gegenüber vom Eingang der Zisterne: ein Stück Pfeiler, kaum hüfthoch, hinter einem Gitter. Die meisten laufen vorbei und stellen sich gleich in die Schlange vor dem flachen Bau auf der anderen Straßenseite.

Key Facts

PlaceMilion und Basilika-Zisterne
AddressAlemdar, Yerebatan Cd. 1/3, 34110 Fatih/İstanbul, Türkiye
Geo Coordinates41.00850, 28.97840
Part of WalkSultanahmet und Byzanz: Von der Konstantinssäule über den Deutschen Brunnen zur Hagia Sophia in Istanbul
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Schau auf den unscheinbaren Marmorstumpf an der Ecke, gegenüber vom Eingang der Zisterne: ein Stück Pfeiler, kaum hüfthoch, hinter einem Gitter. Die meisten laufen vorbei und stellen sich gleich in die Schlange vor dem flachen Bau auf der anderen Straßenseite. Dabei ist dieser Stumpf vielleicht der wichtigste Stein des ganzen Byzantinischen Reiches.

Das ist das Milion, der Meilenstein Null. Von hier aus wurden die Entfernungen zu den Städten des Reiches gemessen, nach Rom, nach Antiochia, nach Alexandria. Über dem Stein erhob sich einst ein überkuppelter Torbau mit Statuen und Bildern der Kaiser. Übrig blieb nur dieses Fragment, und auch das war verschwunden, bis Ausgräber es in den 1960er-Jahren wieder freilegten. Ein Nullpunkt, der selbst verloren gegangen war.

Jetzt steig hinab in die Zisterne. Unten wird es plötzlich kühl und dunkel, Wasser tropft, und vor dir stehen Säulen in Reihen, so weit das Licht reicht. Kaiser Justinian ließ diesen Wasserspeicher um 532 unter einer alten Säulenhalle anlegen, der Basilika, daher der Name. 336 Säulen tragen die Gewölbe, viele davon aus älteren Bauten zusammengesucht. Die Türken nennen ihn Yerebatan Sarnıcı oder auch Yerebatan Sarayı, den versunkenen Palast.

Ganz hinten in der Ecke findest du zwei Medusenköpfe als Säulenbasen. Einer liegt auf der Seite, der andere steht auf dem Kopf. Warum? Niemand weiß es sicher. Vielleicht war es reiner Pragmatismus, vielleicht wollte man den bösen Blick bannen. Vergessen war die Zisterne trotzdem: In den 1540er-Jahren bemerkte der französische Gelehrte Pierre Gilles, dass Anwohner durch Löcher im Kellerboden Wasser schöpften und sogar Fische angelten. So entdeckte er sie für Europa neu. Rund achtzigtausend Kubikmeter Wasser konnte der Speicher fassen, genug, um den Kaiserpalast auch während einer Belagerung zu versorgen.

1963 ruderte hier ein Boot durch die Szene von James Bond 007, Liebesgrüße aus Moskau, zwischen genau diesen Säulen. Wenn du wieder oben bist, überquere die Tramschienen und geh nach Süden, auf den langen, schmalen Platz mit den Obelisken. Gleich an seinem Anfang steht ein achteckiger Pavillon mit grüner Kuppel. Der ist unser deutsches Kapitel.

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