Cağaloğlu Hamamı: Das Bad, das eine Bibliothek bezahlte

Why is it significant?

Vor dir liegt ein niedriger Bau mit flachen Kuppeln, in denen kleine Glasaugen sitzen, und ein Eingang, der kaum verrät, wie groß es dahinter ist. Riechst du es? Feuchte Wärme, Seife, ein Hauch von nassem Marmor... selbst hier draußen.

Key Facts

PlaceCağaloğlu Hamamı: Das Bad, das eine Bibliothek bezahlte
AddressAlemdar Mahallesi, Prof. Kazım İsmail Gürkan Caddesi, 34110 Fatih/İstanbul, Türkiye
Geo Coordinates41.01070, 28.97560
Part of WalkIstanbul der Sultane: Topkapı, Gülhane und die Hohe Pforte
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Vor dir liegt ein niedriger Bau mit flachen Kuppeln, in denen kleine Glasaugen sitzen, und ein Eingang, der kaum verrät, wie groß es dahinter ist. Riechst du es? Feuchte Wärme, Seife, ein Hauch von nassem Marmor... selbst hier draußen. Das ist der Cağaloğlu Hamamı, ein Bad, in dem seit 1741 geschwitzt wird.

Gestiftet hat ihn Sultan Mahmud I., und zwar aus einem sehr praktischen Grund. Er hatte in der Hagia Sophia eine Bibliothek eingerichtet, und eine Bibliothek braucht Geld: für Bücher, für Bibliothekare, für Reparaturen. Also ließ er ein Bad bauen, dessen Einnahmen die Bibliothek finanzierten. So funktionierte das osmanische Stiftungswesen: Ein Bad, eine Ladenzeile oder ein Markt bezahlte eine Moschee, eine Schule oder eine Armenküche. Wer hier schwitzte, finanzierte also ganz nebenbei das Lesen.

Es ist ein Doppelbad, mit getrennten Eingängen und Hallen für Männer und Frauen. Drinnen öffnet sich der heiße Raum unter einer großen Kuppel, durchbrochen von sternförmigen Lichtöffnungen, und in der Mitte liegt der Nabelstein, der Göbektaşı, eine erhitzte Marmorplatte, auf der man liegt, bis man glaubt zu schmelzen. Der Hamam gilt als eines der letzten großen Bäder, die in der osmanischen Hauptstadt entstanden, in einer Zeit, in der europäische Barockformen schon langsam in die Architektur einsickerten.

Man wird dir hier eine lange Liste berühmter Badegäste aufzählen, von Filmstars bis zu gekrönten Häuptern, und manchmal fällt sogar der Name Kaiser Wilhelms II. Nicht jede dieser Geschichten ist belegt, und manche ist wohl eher in der Werbung gewachsen als im Dampf. Wahr ist aber, dass der Hamam für die Stadt viel mehr war als ein Ort zum Waschen. Hier wurde verhandelt, getratscht und vor Hochzeiten gefeiert, und für Frauen war er einer der wenigen Orte, an denen sie sich ganz unter sich treffen konnten.

Übrigens schlug rund um diesen Hügel im 20. Jahrhundert das Herz der türkischen Presse. Die großen Zeitungen hatten hier ihre Redaktionen und Druckereien, bis sie in den 1980er- und 1990er-Jahren an den Stadtrand zogen. Geh jetzt die Straße ein Stück nach Osten, in Richtung des Gülhane-Parks. Nach wenigen Minuten stehst du vor einem Tor mit einem geschwungenen Dach, das einem ganzen Weltreich seinen Namen gab.

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