Gülhane-Park: Rosengarten und das Edikt von 1839

Why is it significant?

Geh langsam unter den alten Platanen entlang und hör hin: Kinder, Tauben, irgendwo ein Teeverkäufer, im Frühling ganze Wellen von Tulpen in den Beeten. Kaum zu glauben, dass dieser Park jahrhundertelang hinter Mauern verborgen lag.

Key Facts

PlaceGülhane-Park: Rosengarten und das Edikt von 1839
AddressGülhane Parkı, Cankurtaran Mahallesi, 34122 Fatih/İstanbul, Türkiye
Geo Coordinates41.01380, 28.98150
Part of WalkIstanbul der Sultane: Topkapı, Gülhane und die Hohe Pforte
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Geh langsam unter den alten Platanen entlang und hör hin: Kinder, Tauben, irgendwo ein Teeverkäufer, im Frühling ganze Wellen von Tulpen in den Beeten. Kaum zu glauben, dass dieser Park jahrhundertelang hinter Mauern verborgen lag. Gülhane heißt Rosenhaus, und hier war der äußere Garten des Sultanspalastes.

Am 3. November 1839 versammelten sich hier Würdenträger, Geistliche, Vertreter der christlichen und jüdischen Gemeinden und ausländische Diplomaten. Der Außenminister Mustafa Reşid Pascha verlas im Namen des jungen Sultans Abdülmecid, gerade sechzehn Jahre alt, ein feierliches Edikt, das Hatt-ı Şerif von Gülhane. Es versprach allen Untertanen, gleich welcher Religion, Sicherheit für Leben, Ehre und Eigentum, eine geordnete Besteuerung und eine geregelte Wehrpflicht. Für ein Reich, in dem vieles von der Gnade Einzelner abhing, waren das unerhörte Worte.

Damit begann die Epoche der Tanzimat, der Neuordnung. Das Reich, militärisch geschwächt und von den europäischen Mächten bedrängt, wollte sich modernisieren, ohne sich selbst aufzugeben. Was folgte, waren Jahrzehnte voller Widersprüche: neue Schulen, Gerichte und Ministerien, aber auch Widerstand, Staatsbankrott und wachsender ausländischer Einfluss. Und doch: Hier, in einem Rosengarten, sprach ein osmanischer Herrscher öffentlich von Rechten, die für alle gelten sollten.

Öffentlich zugänglich wurde der Garten erst 1912. Der Bürgermeister Cemil Topuzlu, im Hauptberuf ein angesehener Chirurg, ließ ihn als Park für die Istanbuler öffnen. Plötzlich spazierten ganz normale Familien dort, wo früher nur Gärtner, Pagen und Höflinge den Weg kannten. Wenn du nach rechts schaust, siehst du über den Bäumen die Mauern und Dächer des Palastes; der Park liegt ihm buchstäblich zu Füßen, am Hang hinunter zum Wasser.

Achte auf die Tulpen, wenn du im April hier bist. Die Tulpe war ein osmanisches Lieblingsmotiv, lange bevor sie in Holland zur Spekulationsblase wurde, und eine ganze Epoche des frühen 18. Jahrhunderts trägt ihren Namen, die Tulpenzeit. Von ihr hörst du später noch. Folge jetzt der Allee weiter nach Norden, Richtung Meer. Am oberen Ende des Parks steht eine Säule, die womöglich schon stand, bevor die Stadt Konstantinopel hieß.

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