Archäologische Museen: Osman Hamdi Bey und der Alexandersarkophag
Why is it significant?
Vor dir steht ein neoklassizistischer Bau mit Säulen und Giebel, als hätte jemand einen griechischen Tempel in einen osmanischen Palastgarten gestellt. Schau genau hin: Die Fassade erinnert an die Form eines antiken Sarkophags. Das ist kein Zufall, denn für Sarkophage wurde dieses Haus gebaut.
Key Facts
| Place | Archäologische Museen: Osman Hamdi Bey und der Alexandersarkophag |
|---|---|
| Address | Cankurtaran Mahallesi, Osman Hamdi Bey Yokuşu Sokağı, 34122 Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.01170, 28.98130 |
| Part of Walk | Istanbul der Sultane: Topkapı, Gülhane und die Hohe Pforte |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein neoklassizistischer Bau mit Säulen und Giebel, als hätte jemand einen griechischen Tempel in einen osmanischen Palastgarten gestellt. Schau genau hin: Die Fassade erinnert an die Form eines antiken Sarkophags. Das ist kein Zufall, denn für Sarkophage wurde dieses Haus gebaut.
Der Mann dahinter hieß Osman Hamdi Bey. Er hatte in Paris studiert, war Maler und Beamter und ab 1881 Direktor des kaiserlichen Museums. 1887 leitete er Ausgrabungen in einer Königsnekropole bei Sidon im heutigen Libanon und stieß auf eine Reihe prachtvoller Marmorsarkophage. Um sie würdig zu zeigen, ließ er dieses Gebäude errichten. Es öffnete 1891, entworfen vom Architekten Alexandre Vallaury. Zum ersten Mal hatte das Reich ein Museum, das wie ein Museum aussah.
Der berühmteste Fund ist der Alexandersarkophag aus dem späten 4. Jahrhundert vor Christus. Auf seinen Seiten sieht man Alexander den Großen im Kampf gegen die Perser und bei der Löwenjagd, so lebendig gemeißelt, dass Pferde und Krieger aus dem Stein zu springen scheinen. An manchen Stellen haften noch Reste der ursprünglichen Farben. Und das Rätsel: Alexander liegt nicht darin. Vermutlich gehörte der Sarkophag einem König von Sidon, wahrscheinlich Abdalonymos, den Alexander selbst eingesetzt hatte.
Und hier kommt wieder Deutschland ins Spiel. In denselben Jahren grub Carl Humann in Pergamon an der Westküste Kleinasiens, und die Reliefs des Pergamonaltars gelangten mit Genehmigung der osmanischen Regierung nach Berlin, wo sie bis heute zu sehen sind. Osman Hamdi wollte solche Verluste beenden: Eine Altertümerverordnung von 1884, an der er maßgeblich mitwirkte, erklärte Funde im Reich zum Staatseigentum und schränkte ihre Ausfuhr stark ein. Ein Maler war zum Hüter eines ganzen Erbes geworden.
Gegenüber steht übrigens der Çinili Köşk, der Fliesenpavillon, um 1472 unter Mehmed II. erbaut und einer der ältesten erhaltenen osmanischen Profanbauten der Stadt. Und Osman Hamdi Bey hat auch ein berühmtes Gemälde geschaffen, den Schildkrötenerzieher, der auf der anderen Seite des Goldenen Horns hängt. Geh jetzt den Weg weiter bergauf. Er mündet in den ersten Hof des Topkapı-Palastes.