Deutscher Brunnen (Alman Çeşmesi)
Why is it significant?
Stell dich unter die Kuppel des achteckigen Pavillons und schau nach oben: Goldmosaik glänzt dir entgegen, dazwischen verschlungene Monogramme wie Siegel. Säulen tragen das Dach, ringsum sitzen Leute auf den Bänken und essen Simit, die Sesamkringel der Stadt.
Key Facts
| Place | Deutscher Brunnen (Alman Çeşmesi) |
|---|---|
| Address | Binbirdirek, Sultanahmet Meydanı, 34122 Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.00710, 28.97670 |
| Part of Walk | Sultanahmet und Byzanz: Von der Konstantinssäule über den Deutschen Brunnen zur Hagia Sophia in Istanbul |
| Generated | Generated |
Stell dich unter die Kuppel des achteckigen Pavillons und schau nach oben: Goldmosaik glänzt dir entgegen, dazwischen verschlungene Monogramme wie Siegel. Säulen tragen das Dach, ringsum sitzen Leute auf den Bänken und essen Simit, die Sesamkringel der Stadt. Für viele ist das einfach ein hübscher Brunnen. In Wahrheit ist er ein diplomatisches Telegramm aus Stein.
Im Herbst 1898 kam Kaiser Wilhelm II. zum zweiten Mal nach Konstantinopel, mit seiner Jacht Hohenzollern und großem Gefolge. Schon 1889 war er hier gewesen. Diesmal ging es um mehr als Höflichkeit. Deutschland wollte Einfluss im Orient, deutsche Banken und Ingenieure träumten von einer Bahn bis Bagdad, und Sultan Abdülhamid II. suchte einen Partner, der nicht wie Briten und Franzosen nach seinen Provinzen griff. Kaiserin Auguste Viktoria reiste mit, und die Stadt empfing das Paar mit Fahnen, Paraden und Feuerwerk.
Als Dank für die Gastfreundschaft schenkte Wilhelm diesen Brunnen. Entworfen wurde er in Deutschland, vom Architekten Max Spitta. Die Teile wurden dort gefertigt, per Schiff hergebracht und auf dem Platz zusammengesetzt. Eingeweiht wurde er am 27. Januar 1901, an Wilhelms Geburtstag, und das war kein Zufall. Schau dir die Mosaiken genau an: Das Monogramm des Kaisers und das Zeichen des Sultans wechseln sich ab, zwei Herrscher Schulter an Schulter, in Gold.
Der Stil ist neobyzantinisch, also eine deutsche Vorstellung davon, wie Byzanz ausgesehen haben könnte, aufgestellt mitten in der echten byzantinischen Rennbahn. Das hat seine eigene Ironie. Und die Freundschaft, die hier gefeiert wurde, führte keine zwanzig Jahre später beide Reiche gemeinsam in den Ersten Weltkrieg. An dessen Ende waren das Deutsche Kaiserreich und das Osmanische Reich Geschichte.
Übrigens reiste Wilhelm 1898 weiter nach Jerusalem und Damaskus und erklärte sich dort öffentlich zum Freund der Muslime in aller Welt. In Europa hörte man sehr genau hin. Jetzt dreh dich um und geh den Platz entlang nach Südwesten. Dieser Platz war das Hippodrom von Konstantinopel, und die Monumente in seiner Mitte sind älter als alles, was du heute noch sehen wirst.