Bahnhof Sirkeci: Endstation Orient-Express
Why is it significant?
Stell dich vor die Fassade aus hellem Stein und rotem Backstein und schau auf die großen Rundfenster, die Hufeisenbögen, die kleinen Türmchen an den Ecken. Das sieht aus wie ein orientalischer Palast, den sich jemand in Preußen ausgedacht hat... und genau das ist es.
Key Facts
| Place | Bahnhof Sirkeci: Endstation Orient-Express |
|---|---|
| Address | Hocapaşa Mahallesi, Ankara Caddesi, 34110 Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.01520, 28.97640 |
| Part of Walk | Istanbul der Sultane: Topkapı, Gülhane und die Hohe Pforte |
| Generated | Generated |
Stell dich vor die Fassade aus hellem Stein und rotem Backstein und schau auf die großen Rundfenster, die Hufeisenbögen, die kleinen Türmchen an den Ecken. Das sieht aus wie ein orientalischer Palast, den sich jemand in Preußen ausgedacht hat... und genau das ist es. Willkommen in Sirkeci, dem Bahnhof, an dem Europa zu Ende war.
Gebaut wurde der Bahnhof zwischen 1888 und 1890, und sein Architekt war ein Preuße: August Jasmund, der damals in Istanbul arbeitete. Er mischte, was Europäer für orientalisch hielten, also Hufeisenbögen, Ornamente und farbige Fenster, mit der Technik eines modernen Kopfbahnhofs. Seit 1889 fuhr der Orient-Express ohne Umsteigen von Paris bis nach Konstantinopel, und hier stiegen die Reisenden aus, mit Schrankkoffern, Hutschachteln und großen Erwartungen. Für viele von ihnen war das der erste Schritt in eine Welt, die sie nur aus Romanen kannten.
Und jetzt der deutsche Faden dieser Geschichte. Während hier die Luxuszüge einfuhren, bauten deutsche Ingenieure auf der anderen Seite des Bosporus an einem viel größeren Traum: an der Anatolischen Bahn und später an der Bagdadbahn, finanziert von der Deutschen Bank, die das Reich bis nach Bagdad erschließen sollte. Ihr Ausgangspunkt war der Bahnhof Haydarpaşa auf der asiatischen Seite, ein wuchtiger Bau, den deutsche Architekten Anfang des 20. Jahrhunderts entwarfen. Zwei Bahnhöfe, zwei Kontinente, und beide tragen eine deutsche Handschrift.
Natürlich darf Agatha Christie nicht fehlen. Ihr Roman Mord im Orient-Express erschien 1934 und beginnt in Istanbul, mit einem Zug, der von hier aus nach Westen fährt. Christie kannte die Strecke aus eigener Erfahrung. Und die Wirklichkeit lieferte ihr die Vorlage: Im Winter 1929 blieb ein Orient-Express in Ostthrakien tagelang im Schnee stecken... ein Stoff, wie gemacht für einen Kriminalroman, in dem niemand den Zug verlassen kann.
Heute ist Sirkeci kein Endbahnhof für Fernzüge mehr. Seit 2013 fährt die Marmaray-Bahn tief unter dem Bahnhof durch einen Tunnel unter dem Bosporus hinüber nach Asien, und das alte Gebäude ist zu einem Denkmal seiner selbst geworden. Geh jetzt bergauf in Richtung Cağaloğlu... ja, es geht steil nach oben, Istanbul ist eine Stadt der Hügel. Oben wartet ein Bad, das ein Sultan bauen ließ, um eine Bibliothek zu bezahlen.