Tünel-Platz, İstiklal Caddesi und Nostalgie-Tram
Why is it significant?
Schau auf den kleinen runden Platz vor der oberen Tünel-Station: Eine rote Straßenbahn wartet an der Wendeschleife, der Fahrer lehnt in der Tür, und vor dir öffnet sich eine lange Fußgängerstraße, die bis zum Taksim-Platz reicht. Das ist die İstiklal Caddesi, die Straße der Unabhängigkeit. Im 19.
Key Facts
| Place | Tünel-Platz, İstiklal Caddesi und Nostalgie-Tram |
|---|---|
| Address | Asmalı Mescit, Tünel Meydanı, 34433 Beyoğlu/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.02870, 28.97390 |
| Part of Walk | Galata und Pera: Verborgene Treppen, Derwische und deutsche Exilanten in Istanbul |
| Generated | Generated |
Schau auf den kleinen runden Platz vor der oberen Tünel-Station: Eine rote Straßenbahn wartet an der Wendeschleife, der Fahrer lehnt in der Tür, und vor dir öffnet sich eine lange Fußgängerstraße, die bis zum Taksim-Platz reicht. Das ist die İstiklal Caddesi, die Straße der Unabhängigkeit.
Im 19. Jahrhundert hieß sie Grande Rue de Péra. Hier lagen die Gesandtschaften der europäischen Mächte, Theater, Konditoreien, Hotels und Buchhandlungen, mit Schildern auf Französisch, Griechisch und Armenisch. Den heutigen Namen bekam sie nach der Gründung der Republik. Elektrische Straßenbahnen fuhren hier ab 1914, bis sie in den 1960er-Jahren verschwanden. 1990 kehrte die Tram als Nostalgie-Bahn zurück.
Und hier beginnt ein deutsches Kapitel, das in Deutschland kaum jemand kennt. 1933, als die Nationalsozialisten jüdische und politisch unliebsame Professoren aus den Universitäten jagten, baute die Türkei gerade die Universität Istanbul neu auf. Die Regierung holte Dutzende vertriebene deutsche Wissenschaftler ins Land: Juristen, Mediziner, Ökonomen, Philologen. Ihre Verträge sahen vor, dass sie nach einigen Jahren auf Türkisch unterrichten sollten. Zu ihnen gehörten der Ökonom Wilhelm Röpke und der Jurist Ernst Hirsch, der die türkische Rechtswissenschaft über Jahrzehnte mitprägte. Für manche von ihnen wurde Pera mit seinen europäischen Buchhandlungen und Cafés ein Stück Zuhause in der Fremde.
Der Romanist Erich Auerbach schrieb in Istanbul, fern der großen Fachbibliotheken, sein berühmtes Buch Mimesis. Und ein Name verbindet sich bis heute mit diesem Exil: Ernst Reuter, der spätere Bürgermeister von Berlin. Er lebte allerdings nicht hier, sondern in Ankara, wo er als Berater arbeitete und Stadtplanung lehrte. 1946 kehrte er zurück, und 1948 rief er die Völker der Welt auf, auf seine Stadt zu schauen.
Achte auf die Kinder, die sich manchmal hinten an die Tram hängen, eine alte Istanbuler Mutprobe. Wir folgen der Straßenbahn aber noch nicht, sondern halten uns links, in die Meşrutiyet Caddesi, die parallel zur İstiklal nach Norden führt. Dort steht ein Hotel, das für die Reisenden des Orient-Express gebaut wurde.