Konstantinssäule (Çemberlitaş)
Why is it significant?
Bleib kurz an der Straßenbahnhaltestelle stehen und leg den Kopf in den Nacken: Vor dir ragt eine rußschwarze Säule in den Himmel, umklammert von Eisenringen wie ein Fass, das man vor dem Platzen bewahren will. Die Tram rattert vorbei, Händler rufen, kaum jemand schaut hin.
Key Facts
| Place | Konstantinssäule (Çemberlitaş) |
|---|---|
| Address | Molla Fenari, Vezirhanı Cd., Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.00860, 28.97130 |
| Part of Walk | Sultanahmet und Byzanz: Von der Konstantinssäule über den Deutschen Brunnen zur Hagia Sophia in Istanbul |
| Generated | Generated |
Bleib kurz an der Straßenbahnhaltestelle stehen und leg den Kopf in den Nacken: Vor dir ragt eine rußschwarze Säule in den Himmel, umklammert von Eisenringen wie ein Fass, das man vor dem Platzen bewahren will. Die Tram rattert vorbei, Händler rufen, kaum jemand schaut hin. Dabei stehst du vor dem Geburtsmoment einer Stadt, die tausend Jahre lang das Zentrum der Welt sein wollte.
Im Jahr 330 weihte Kaiser Konstantin seine neue Hauptstadt am Bosporus ein, und genau diese Säule stand in der Mitte seines Forums, eines ovalen Platzes mit Säulenhallen. Die Trommeln sind aus Porphyr, dem purpurroten Stein der Kaiser. Ganz oben stand, so berichten spätere Quellen, eine Statue des Herrschers mit Strahlenkranz, ein Konstantin im Kostüm des Sonnengottes. Christlicher Kaiser und Sonnenkönig zugleich, so wollte er gesehen werden. Heute misst die Säule noch rund fünfunddreißig Meter, mit der Statue war sie einst deutlich höher, ein steinernes Ausrufezeichen für jeden, der über die Prachtstraße in die Stadt kam.
Und dann die Legende. Unter dem Sockel, heißt es, ließ Konstantin die kostbarsten Reliquien vergraben: Körbe von der Speisung der Fünftausend, das Beil, mit dem Noah die Arche gezimmert haben soll, sogar das Palladion, das alte Schutzbild Trojas, das über Rom hierher gewandert sei. Nachgewiesen ist davon nichts. Aber jede Hauptstadt braucht eine Geschichte, die stärker ist als ihre Mauern.
Die Statue überlebte nicht. Im Jahr 1106 riss ein Sturm sie herunter, später setzte man ein Kreuz auf die Säule, und nach der osmanischen Eroberung verschwand auch das. Die Eisenringe kamen, weil der Stein bröckelte, daher der türkische Name Çemberlitaş, der Stein mit den Reifen. Ein Großbrand im Jahr 1779 schwärzte die Säule so sehr, dass Reisende sie seitdem die Verbrannte Säule nennen.
Damit hast du den Anfangspunkt von Konstantinopel gesehen. Auf diesem Spaziergang folgen wir den Kaisern von Byzanz, aber auch einem deutschen Kaiser, der 1898 hier zu Gast war und ein Geschenk hinterließ, das du gleich sehen wirst. Geh jetzt die Divanyolu Caddesi entlang nach Osten, immer den Tramschienen nach, Richtung Sultanahmet. Diese Straße folgt der alten Prachtstraße Mese, und sie führt dich direkt zum Nullpunkt des Reiches.