Hippodrom: Theodosius-Obelisk, Schlangensäule und gemauerter Obelisk
Why is it significant?
Stell dich vor den rosafarbenen Granitobelisken und lies die Hieroglyphen von unten nach oben: Falken, Schlangen, Königsnamen in Kartuschen, so scharf geschnitten, als wären sie gestern fertig geworden. Sie sind rund dreieinhalbtausend Jahre alt.
Key Facts
| Place | Hippodrom: Theodosius-Obelisk, Schlangensäule und gemauerter Obelisk |
|---|---|
| Address | Binbirdirek, Sultanahmet Meydanı, 34122 Fatih/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.00590, 28.97540 |
| Part of Walk | Sultanahmet und Byzanz: Von der Konstantinssäule über den Deutschen Brunnen zur Hagia Sophia in Istanbul |
| Generated | Generated |
Stell dich vor den rosafarbenen Granitobelisken und lies die Hieroglyphen von unten nach oben: Falken, Schlangen, Königsnamen in Kartuschen, so scharf geschnitten, als wären sie gestern fertig geworden. Sie sind rund dreieinhalbtausend Jahre alt. Um dich herum liegt ein langer Platz, aber eigentlich stehst du auf der Spina, der Mittelinsel einer Rennbahn, um die einst die Wagen donnerten. Die Bahn war fast vierhundertfünfzig Meter lang, und die Osmanen nannten den Platz später Atmeydanı, den Pferdeplatz.
Pharao Thutmosis III. ließ den Obelisken in Karnak aufstellen. Kaiser Theodosius holte ihn im Jahr 390 hierher, allerdings nur das obere Stück. Der Rest ging vermutlich beim Transport oder beim Aufrichten zu Bruch. Schau dir den Marmorsockel an: Da sitzt Theodosius in seiner Loge mit Familie und Hofstaat, und auf einer Seite siehst du, wie der Obelisk selbst aufgerichtet wird. Die Byzantiner waren sichtlich stolz auf ihre Ingenieure.
Daneben, tiefer im Boden, windet sich eine Bronzesäule aus drei ineinander gedrehten Schlangenleibern. Sie stand ursprünglich in Delphi und erinnerte an den Sieg der Griechen über die Perser bei Plataiai im Jahr 479 vor Christus. Konstantin ließ sie in seine neue Hauptstadt bringen. Die Köpfe sind längst abgebrochen, wahrscheinlich um 1700. Ein Stück von einem Kiefer liegt heute im Archäologischen Museum, nicht weit von hier.
Und dann die dunkle Seite der Spiele. Die Zuschauer waren in Parteien organisiert, die Blauen und die Grünen, halb Fanclub, halb politische Bewegung. Im Jahr 532 verbündeten sie sich gegen Justinian, und der Nika-Aufstand legte halb die Stadt in Schutt und Asche. Justinian ließ die Menge im Hippodrom einschließen, und nach dem Bericht des Historikers Prokop starben rund dreißigtausend Menschen. Auf den Trümmern dieses Aufstands baute er dann die neue Hagia Sophia.
Weiter südlich steht der dritte Gefährte, der gemauerte Obelisk, gut dreißig Meter hoch, aus grob behauenen Steinen. Im 10. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin VII. ihn mit vergoldeten Bronzeplatten verkleiden, die Kreuzfahrer rissen sie 1204 ab und schmolzen sie ein. Die Löcher der Halterungen siehst du bis heute. Geh an ihm vorbei und dann bergab nach Südwesten, durch die steile Gasse Şehit Mehmet Paşa Yokuşu. Achte auf deine Knie.