Piazza San Pier Maggiore: Das Revier der Donati
Why is it significant?
Auf diesem kleinen Platz steht ein Bogen mitten im Nichts, ein Portikus mit drei Öffnungen, hinter dem keine Kirche mehr kommt, sondern Häuser und eine Gasse. Am Rand des Platzes ragt ein gekappter Turm auf, die Torre dei Corbizzi. Dieser Platz ist ein Rest von etwas, das verschwunden ist.
Key Facts
| Place | Piazza San Pier Maggiore: Das Revier der Donati |
|---|---|
| Address | Piazza di San Pier Maggiore, 50122 Firenze FI, Italy |
| Geo Coordinates | 43.77140, 11.26140 |
| Part of Walk | Dantes Florenz: Geschlechtertürme, Blutfehden und die Göttliche Komödie |
| Generated | Generated |
Auf diesem kleinen Platz steht ein Bogen mitten im Nichts, ein Portikus mit drei Öffnungen, hinter dem keine Kirche mehr kommt, sondern Häuser und eine Gasse. Am Rand des Platzes ragt ein gekappter Turm auf, die Torre dei Corbizzi. Dieser Platz ist ein Rest von etwas, das verschwunden ist.
Hinter dem Bogen stand die Kirche San Pier Maggiore, eine der wichtigsten der Stadt. Hierher kam jeder neue Bischof von Florenz, bevor er sein Amt antrat, und vollzog einen seltsamen Brauch: eine symbolische Hochzeit mit der Äbtissin des Klosters, mit Ring. 1784 war die Kirche baufällig und wurde abgerissen. Nur der Säulengang der Fassade blieb stehen.
Im Mittelalter war das hier das Revier der Donati, einer der stolzesten Familien von Florenz. Ihr Anführer Corso Donati war der Kopf der Schwarzen Guelfen. Gegen sie standen die Weißen, angeführt von den Cerchi, neureichen Bankiers, deren Häuser du vorhin bei Santa Margherita gesehen hast. Und Dante? Er hielt zu den Weißen. Als die Schwarzen 1301 mit Hilfe des Papstes und eines französischen Prinzen die Macht übernahmen, war sein Schicksal besiegelt: Anfang 1302 wurde er verbannt und später zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, falls er je zurückkehrte.
Das Verrückte ist: Dantes eigene Frau war eine Donati. Gemma, Corsos Verwandte. Und in der Komödie tauchen die Donati gleich mehrfach auf. Seinen Freund Forese Donati trifft er im Purgatorium, ausgemergelt unter den Schlemmern. Foreses Schwester Piccarda begegnet ihm im Paradies, sanft und leuchtend. Und Corso, den mächtigen Bruder, lässt Dante in einer Prophezeiung von einem Pferd zu Tode geschleift werden. Corso starb tatsächlich 1308 auf der Flucht.
Eine Familie, drei Schicksale: Hölle für den Politiker, Läuterung für den Freund, Paradies für die Schwester. So rechnet ein Dichter ab, der keine Armee hat. Geh nun nach Süden, über die Via Giuseppe Verdi und an der Flanke von Santa Croce vorbei, fast bis an den Arno. Dort wartet ein großer Bau aus dem frühen 20. Jahrhundert.