Museo di San Marco: Fra Angelicos Zellen und Savonarolas Kloster
Why is it significant?
Vor dir liegt eine schlichte Klosterfassade an einem Platz voller Busse, Studenten und Tauben, und nichts daran verrät, dass dahinter eines der stillsten Kunstwerke Europas wartet.
Key Facts
| Place | Museo di San Marco: Fra Angelicos Zellen und Savonarolas Kloster |
|---|---|
| Address | Piazza San Marco 3, 50121 Firenze FI, Italy |
| Geo Coordinates | 43.77850, 11.25940 |
| Part of Walk | Michelangelo in Florenz: Vom Skulpturengarten zum David bis nach Santa Croce |
| Generated | Generated |
Vor dir liegt eine schlichte Klosterfassade an einem Platz voller Busse, Studenten und Tauben, und nichts daran verrät, dass dahinter eines der stillsten Kunstwerke Europas wartet. Geh durch den Kreuzgang, steig die Treppe hinauf, und oben hält dich ein Engel an: die Verkündigung von Fra Angelico, so zart, als hätte jemand Licht auf die Wand gehaucht.
Cosimo de' Medici, der Alte, ließ das Kloster ab 1437 von seinem Architekten Michelozzo neu errichten, und die Dominikaner bekamen dafür mehr als nur Mauern. Ein Mönch aus ihren eigenen Reihen, Fra Angelico, malte in den folgenden Jahren in jede der kleinen Zellen ein Fresko. Keine Prunkbilder für Besucher, sondern Bilder zum Beten, für einen einzigen Mann und eine Pritsche. Cosimo hatte hier sogar eine eigene Doppelzelle, um sich zurückzuziehen... der reichste Bankier der Stadt als Teilzeitmönch.
Ein halbes Jahrhundert später wurde dieses friedliche Haus zum Zentrum eines Sturms. 1491 wurde der Ferrareser Girolamo Savonarola hier Prior. Er predigte gegen Luxus, Bankiers und die Medici selbst, und unter seinem Einfluss brannten auf der Piazza della Signoria die berühmten Scheiterhaufen der Eitelkeiten: Spiegel, Spielkarten, Schminke, Bücher, Bilder. Am 23. Mai 1498 wurde er auf derselben Piazza gehängt und verbrannt. Seine Zelle kannst du heute noch sehen, mit seinem Porträt von der Hand Fra Bartolomeos.
Und unter den Zuhörern in den vollen Kirchen saß ein junger Bildhauer namens Michelangelo Buonarroti. Sein Biograf Ascanio Condivi berichtet, Michelangelo habe Savonarolas Schriften sein Leben lang gelesen und die Stimme des Predigers noch im Alter im Ohr gehabt. Wer später vor seinen düsteren, ringenden Figuren steht, ahnt, dass diese Stimme nie ganz verklungen ist.
Noch ein Detail, das kaum jemand bemerkt: Im Obergeschoss liegt die Bibliothek, die Michelozzo für Cosimo baute, eine helle Halle mit zwei Säulenreihen. Cosimo machte die Büchersammlung für Gelehrte zugänglich, für damalige Verhältnisse eine kleine Revolution. Jetzt geh über den Platz zur Via Cavour und ein kleines Stück nach Norden, und such die Stelle, an der ein vierzehnjähriger Junge zum ersten Mal Marmor bearbeitet hat.