Galleria dell'Accademia: Der David und die Gefangenen
Why is it significant?
Stell dich in die Schlange vor dieser schmucklosen Tür an der Via Ricasoli und schau dir die Gesichter an: Leute aus aller Welt, die alle wegen eines einzigen Mannes hier sind. Er ist nackt, über fünf Meter groß, und er wartet seit über fünfhundert Jahren auf einen Gegner, der nie kommt.
Key Facts
| Place | Galleria dell'Accademia: Der David und die Gefangenen |
|---|---|
| Address | Via Ricasoli 58/60, 50129 Firenze FI, Italy |
| Geo Coordinates | 43.77690, 11.25880 |
| Part of Walk | Michelangelo in Florenz: Vom Skulpturengarten zum David bis nach Santa Croce |
| Generated | Generated |
Stell dich in die Schlange vor dieser schmucklosen Tür an der Via Ricasoli und schau dir die Gesichter an: Leute aus aller Welt, die alle wegen eines einzigen Mannes hier sind. Er ist nackt, über fünf Meter groß, und er wartet seit über fünfhundert Jahren auf einen Gegner, der nie kommt.
Der Marmorblock für den David war ein Problemfall. Schon 1464 hatte Agostino di Duccio damit angefangen und aufgegeben, später versuchte sich Antonio Rossellino daran. Jahrzehntelang lag der verhauene Block im Hof der Domwerkstatt, und die Florentiner nannten ihn nur den Riesen. 1501 bekam ihn der sechsundzwanzigjährige Michelangelo, und drei Jahre später war daraus das berühmteste Standbild der Welt geworden.
Achte auf die Hände. Die rechte Hand ist auffallend groß, die Adern treten hervor, der Blick unter den zusammengezogenen Brauen ist gespannt. Michelangelo zeigt nicht den Sieger mit Goliaths Kopf, wie Donatello und Verrocchio vor ihm, sondern den Moment davor, die Sekunde der Entscheidung. Für die Republik Florenz war das ein politisches Bild: der Kleine, der sich gegen die Großen behauptet. Deshalb stellte man ihn 1504 vor den Palazzo Vecchio, und nicht hoch oben auf den Dom, wie ursprünglich geplant.
Dort stand er fast vier Jahrhunderte unter freiem Himmel. Bei einem Aufruhr 1527 flog eine Bank aus einem Fenster des Palazzo Vecchio und brach seinen linken Arm in drei Teile, die zwei junge Künstler auflasen und aufbewahrten, einer davon Giorgio Vasari. 1873 holte man ihn schließlich hierher, in die eigens für ihn gebaute Tribuna.
Und vergiss auf dem Weg zum David nicht die Gefangenen im langen Saal davor. Michelangelo hatte sie für das Grabmal von Papst Julius II. begonnen und nie vollendet. Die Körper winden sich aus dem rohen Stein, als wollten sie sich selbst befreien... vielleicht ehrlicher als jedes fertige Werk. Wenn du wieder draußen bist, geh zurück Richtung Piazza San Marco und biege rechts in die Via Cesare Battisti, bis sich vor dir der schönste Platz von Florenz öffnet.