Der Garten von San Marco: Wo Michelangelo Bildhauer wurde
Why is it significant?
Bleib vor dem langen, strengen Palast an der Via Cavour stehen, mit seinen vergitterten Fenstern und dem Portal, das eher nach Behörde als nach Kunst aussieht. Das ist das Casino Mediceo, gegen Ende des 16. Jahrhunderts von Bernardo Buontalenti gebaut.
Key Facts
| Place | Der Garten von San Marco: Wo Michelangelo Bildhauer wurde |
|---|---|
| Address | Via Camillo Cavour 57, 50129 Firenze FI, Italy |
| Geo Coordinates | 43.77960, 11.25880 |
| Part of Walk | Michelangelo in Florenz: Vom Skulpturengarten zum David bis nach Santa Croce |
| Generated | Generated |
Bleib vor dem langen, strengen Palast an der Via Cavour stehen, mit seinen vergitterten Fenstern und dem Portal, das eher nach Behörde als nach Kunst aussieht. Das ist das Casino Mediceo, gegen Ende des 16. Jahrhunderts von Bernardo Buontalenti gebaut. Aber was dich hier interessiert, ist das, was davor an dieser Stelle lag: ein Garten.
Lorenzo de' Medici, den man den Prächtigen nannte, besaß hier in der Nähe von San Marco einen Garten, in dem antike Statuen und Fragmente aufgestellt waren. Ein alter Bildhauer namens Bertoldo di Giovanni, einst Schüler Donatellos, soll sich um die Sammlung gekümmert haben. So jedenfalls erzählen es Giorgio Vasari und Ascanio Condivi, und sie machen daraus beinahe eine Kunstakademie. Historiker sind heute vorsichtiger: Den Garten gab es, aber wie viel Unterricht dort wirklich stattfand, ist umstritten.
Die schönste Geschichte gehört trotzdem hierher. Um 1490 soll der junge Michelangelo, gerade aus der Werkstatt des Malers Ghirlandaio gekommen, in diesem Garten den Kopf eines alten Fauns aus Marmor gemeißelt haben, mit lachendem Mund und allen Zähnen. Lorenzo blieb stehen und meinte scherzhaft, ein so alter Faun hätte doch nicht mehr alle Zähne. Kaum war er weg, schlug Michelangelo einen Zahn heraus und vertiefte sogar das Zahnfleisch. Lorenzo war so begeistert, dass er den Jungen in seinen Palast aufnahm und an seinem Tisch essen ließ.
Den Faunskopf gibt es nicht mehr, oder niemand weiß, wo er ist. Aber was danach kam, ist belegt: Michelangelo wuchs zwischen Dichtern und Philosophen auf, neben Lorenzos Sohn Giovanni und seinem Neffen Giulio, die beide später Päpste wurden. Hier lernte ein Steinmetzsohn aus der Provinz, dass Marmor eine Sprache der Mächtigen sein kann.
Und der Palast, der den Garten verschluckt hat, passt seltsam gut dazu: Großherzog Francesco de' Medici richtete im Casino Werkstätten ein, in denen man um 1575 versuchte, chinesisches Porzellan nachzumachen. Geh jetzt die Via Ricasoli hinunter, nach Süden. Nach ein paar Minuten siehst du eine Schlange vor einer unscheinbaren Tür. Dahinter wartet der Riese.