Groß Sankt Martin und Martinsviertel

Why is it significant?

Lassen Sie Ihren Blick ehrfürchtig an dem gewaltigen Vierungsturm von Groß Sankt Martin emporwandern, der wie eine wehrhafte Festung über den Dächern des Martinsviertels thront.

Key Facts

PlaceGroß Sankt Martin und Martinsviertel
AddressAn Groß St. Martin 9, 50667 Köln, Deutschland
Geo Coordinates50.93920, 6.96080
Part of WalkAltstadt, Kölner Dom, Rathaus und Rheinufer: Zweitausend Jahre zwischen Gotik, Römern und Kölsch
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Lassen Sie Ihren Blick ehrfürchtig an dem gewaltigen Vierungsturm von Groß Sankt Martin emporwandern, der wie eine wehrhafte Festung über den Dächern des Martinsviertels thront. Mit ihren vier zierlichen Ecktürmchen und der meisterhaften Kleeblattchoranlage prägt diese ehemalige Benediktinerabtei die Silhouette der Altstadt ebenso unverwechselbar wie der benachbarte Dom. Sie gilt als einer der vollkommensten Höhepunkte staufischer Sakralbaukunst im gesamten Heiligen Römischen Reich. Die wuchtigen Mauern aus rheinischem Tuffstein strahlen zeitlose Würde aus.

Der Boden, auf dem Sie stehen, war vor zweitausend Jahren eine römische Rheininsel außerhalb der Stadtmauer. Bei archäologischen Grabungen unter dem Kirchenschiff entdeckten Forscher eine römische Sport- und Lagerhalle, die Piscina, in der römische Soldaten trainierten und Waren für den Flusshafen gelagert wurden. Sie können diese antiken Mauern bei einer Führung durch die Ausgrabungen unter dem Kirchenboden unmittelbar berühren und die Jahrtausende greifbar spüren.

Die Benediktinermönche führten hier über Jahrhunderte ein strenges Regiment und verwalteten die reichen Stiftungen einflussreicher Kölner Patriziergeschlechter. Ein verheerender Großbrand im Jahr 1150 zerstörte den hölzernen Vorgängerbau fast vollständig, woraufhin die Mönche beschlossen, ein monumentales Gotteshaus ganz aus massivem Tuffstein zu errichten, das jedem künftigen irdischen Feuer trotzen sollte und den Ruhm des Ordens mehrte.

Nach den schweren Bombardements des Zweiten Weltkriegs war Groß Sankt Martin eine ausgebrannte Ruine ohne Dach und Chorgewölbe. Viele Stimmen forderten damals, die Ruine als ewiges Mahnmal stehen zu lassen, doch die Kölner Bürger setzten den vollständigen Wiederaufbau durch, der erst im Jahr 1985 nach vier Jahrzehnten Feinarbeit feierlich vollendet werden konnte und die Wunden der Stadt heilte.

Treten Sie nun durch den malerischen Schwibbogen auf das weite Pflaster des Alten Marktes hinaus, wo der Kölner Karneval und die bürgerliche Stadtpolitik seit Jahrhunderten zu Hause sind. Lassen Sie den Blick über die historischen Zunftwappen an den Torbögen schweifen, die von der stolzen Handwerkertradition der freien Reichsstadt zeugen.

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