Zionskirche: Bonhoeffer und die Umweltbibliothek
Why is it significant?
Die Kirche steht auf einem kleinen Hügel mitten im Platz, wie eine Figur auf einer Torte, und alle Straßen ringsum laufen sternförmig auf sie zu. Rundherum Bäume, Bänke, ein paar Cafés, und abends sitzen hier Leute auf den Stufen und schauen in den Himmel.
Key Facts
| Place | Zionskirche: Bonhoeffer und die Umweltbibliothek |
|---|---|
| Address | Zionskirchplatz, 10119 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.53460, 13.40370 |
| Part of Walk | Prenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin |
| Generated | Generated |
Die Kirche steht auf einem kleinen Hügel mitten im Platz, wie eine Figur auf einer Torte, und alle Straßen ringsum laufen sternförmig auf sie zu. Rundherum Bäume, Bänke, ein paar Cafés, und abends sitzen hier Leute auf den Stufen und schauen in den Himmel.
Entstanden ist die Zionskirche aus einem Dank. 1861 überlebte König Wilhelm von Preußen in Baden-Baden ein Attentat, und als Dank dafür wurde hier eine Kirche gebaut, geweiht 1873. Der Architekt war August Orth, derselbe, der zwanzig Jahre später die Gethsemanekirche entwarf, an der du heute gestartet bist. Der Hang hier war damals noch ziemlich leer, und an seinem Fuß wurde früher sogar Wein angebaut, daher heißt die Straße nebenan bis heute Weinbergsweg. Ja, Berliner Wein. Er soll ungefähr so sauer gewesen sein wie die Laune der Berliner im Februar.
1931 und 1932 kam ein junger Pfarrer hierher, Dietrich Bonhoeffer. Er sollte eine Konfirmandenklasse übernehmen, rund fünfzig Jungen aus dem Arbeiterkiez, die als unbändig galten und ihren vorherigen Pfarrer angeblich aufgerieben hatten. Bonhoeffer gewann sie, indem er ihnen Geschichten aus Harlem erzählte, wo er gerade ein Jahr in New York verbracht hatte. Für eine Weile zog er sogar in die Oderberger Straße, um in ihrer Nähe zu sein. Später ging er in den Widerstand gegen Hitler und wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet.
Und dann, mehr als fünfzig Jahre später: Im Keller des Gemeindehauses gegenüber richteten junge Oppositionelle 1986 die Umweltbibliothek ein. Sie sammelten verbotene Bücher und druckten heimlich ihre Umweltblätter. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 1987 stürmte die Stasi die Räume, beschlagnahmte die Druckmaschine und nahm Leute fest. Doch statt Ruhe gab es Mahnwachen, Kerzen, Solidarität aus dem ganzen Land, und nach wenigen Tagen kamen die Festgenommenen frei. Ein Staat, der zurückweicht, das hatte es so noch nicht gegeben. Wenige Wochen vorher hatten Neonazis hier ein Punkkonzert überfallen.
Von dieser Kirche führt also ein roter Faden zur Gethsemanekirche und zum Herbst 1989. Jetzt nimm die Kastanienallee, die vom Platz aus schräg den Hang hinauf nach Nordosten führt.