Kastanienallee: Von der Castingallee zum besetzten Haus

Why is it significant?

Du stehst auf der Kastanienallee, die schräg den Hang hinaufläuft: in der Mitte Straßenbahngleise, links und rechts breite Bürgersteige, Kastanien, kleine Läden und Leute mit Sonnenbrillen, die aussehen, als würden sie gleich gecastet.

Key Facts

PlaceKastanienallee: Von der Castingallee zum besetzten Haus
AddressKastanienallee / Schwedter Straße, 10435 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.53710, 13.40830
Part of WalkPrenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin
GeneratedGenerated

Open the walk

Du stehst auf der Kastanienallee, die schräg den Hang hinaufläuft: in der Mitte Straßenbahngleise, links und rechts breite Bürgersteige, Kastanien, kleine Läden und Leute mit Sonnenbrillen, die aussehen, als würden sie gleich gecastet. Nicht umsonst haben die Berliner der Straße in den Nullerjahren den Spitznamen Castingallee verpasst.

Dabei ist sie älter als fast alles ringsum. Als hier noch Felder und Windmühlen standen, war die Kastanienallee schon ein Weg hinaus aufs Land. Das Haus Kastanienallee 77 aus dem Jahr 1848 gilt als ältestes erhaltenes Wohnhaus im ganzen Prenzlauer Berg. Seine Fassade hat man nach der Wende absichtlich unverputzt gelassen, und Künstler haben Gesichter und Figuren daraufgesetzt.

Achte mal auf die Straßenbahn, die hier entlangrumpelt. West-Berlin hat seine Straßenbahn bis 1967 komplett abgeschafft, weil Busse und Autos als modern galten. Ost-Berlin hat sie behalten. Deshalb fahren Straßenbahnen bis heute fast nur im Osten der Stadt, und wenn du irgendwo in Berlin Gleise siehst, weißt du ziemlich sicher, auf welcher Seite der Mauer du gerade stehst. Seit der Wende sind ein paar Strecken wieder in den Westen verlängert worden, nach Moabit und zum Hauptbahnhof, aber das Muster ist geblieben.

Nach dem Mauerfall standen in Ost-Berlin Hunderte Altbauten leer, und 1990 wurden viele von ihnen besetzt, vor allem hier im Prenzlauer Berg und in Friedrichshain. Im November 1990 räumte die Polizei die besetzten Häuser in der Mainzer Straße in Friedrichshain, mit Wasserwerfern und Hubschraubern, nach regelrechten Straßenschlachten. Viele Besetzer hier im Kiez verhandelten dagegen und bekamen Verträge. An der Kastanienallee steht bis heute ein Haus, das 1990 besetzt wurde und seitdem ein selbstverwaltetes Wohnprojekt ist, mit Transparenten an der Fassade.

So hat jede Epoche ihre Spur in dieser Straße hinterlassen: das Bauernhaus von 1848, die Mietshäuser der Kaiserzeit, die Besetzer der Wende, die Cafés von heute. Und die Kastanien gibt es wirklich: Im Herbst knallen sie auf Autodächer und Fahrradsättel, und die Kinder aus dem Kiez sammeln sie tütenweise. Lauf jetzt die Kastanienallee weiter bergauf. Kurz vor der Kreuzung mit der Eberswalder Straße wartet unter alten Kastanien das letzte Ziel.

Nearby stories