Ida Siekmann und die Fenstersprünge an der Brunnenstraße
Why is it significant?
An der Kreuzung mit der Brunnenstraße stehst du an einer Stelle, an der sich der Irrsinn der Teilung bis ins Kleinste zeigt. Die Häuser auf der Südseite der Bernauer Straße gehörten zu Ost-Berlin, der Gehweg direkt davor aber schon zum Westen. Wer aus der Haustür trat, stand in einem anderen Staat.
Key Facts
| Place | Ida Siekmann und die Fenstersprünge an der Brunnenstraße |
|---|---|
| Address | Bernauer Straße / Brunnenstraße, 10115 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.53740, 13.39660 |
| Part of Walk | Fenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark |
| Generated | Generated |
An der Kreuzung mit der Brunnenstraße stehst du an einer Stelle, an der sich der Irrsinn der Teilung bis ins Kleinste zeigt. Die Häuser auf der Südseite der Bernauer Straße gehörten zu Ost-Berlin, der Gehweg direkt davor aber schon zum Westen. Wer aus der Haustür trat, stand in einem anderen Staat.
In den Tagen nach dem 13. August 1961 merkten die Bewohner schnell, dass sich die Falle schloss. Die Hauseingänge wurden zugemauert, Polizisten bewachten die Treppenhäuser. Also flohen die Menschen durch die Fenster. Sie seilten sich an Bettlaken ab, sprangen aus dem ersten, zweiten, dritten Stock, und unten hielten West-Berliner Feuerwehrleute Sprungtücher auf. Fotografen standen daneben, und die Bilder gingen um die Welt.
Ida Siekmann wohnte in der Bernauer Straße 48. Sie war Krankenschwester, 58 Jahre alt, und ihre Schwester lebte nur ein paar Straßen weiter im Westen. Am 22. August 1961 warf sie Bettzeug und ein paar Habseligkeiten aus dem Fenster und sprang hinterher. Sie verletzte sich schwer und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ida Siekmann gilt als das erste Todesopfer an der Berliner Mauer. Am nächsten Tag wäre sie 59 Jahre alt geworden.
Nach ihr starben an dieser Straße weitere Menschen bei Sprüngen aus Fenstern und von Dächern, darunter ein junger Mann, der das Sprungtuch verfehlte. Ab Herbst 1961 räumte die DDR die Häuser, die Bewohner wurden umgesiedelt, oft mit kaum Vorwarnung, und Jahre später fielen die Gebäude. An Ida Siekmann erinnert heute ein Gedenkstein an der Bernauer Straße, und die Gedenkstätte macht entlang der Straße sichtbar, wo die verschwundenen Häuser einmal standen.
Und unter deinen Füßen fährt die U8. Während der Teilung rollten ihre West-Berliner Züge von hier aus weiter nach Süden, unter Ost-Berlin hindurch, ohne anzuhalten, durch dunkle, bewachte Geisterbahnhöfe. Die Brunnenstraße selbst hat ihren Namen von einer Heilquelle weiter nördlich, dem Gesundbrunnen, nach dem ein ganzer Ortsteil heißt. Für den nächsten Halt biegst du in eine der kleinen Straßen nach Süden ab, zu einem Platz mit hohen Bäumen, Spielplatz und Kinderlärm.