Wasserturm: Der Dicke Hermann und das Jahr 1933
Why is it significant?
Über dir thront ein dicker, runder Backsteinturm auf einem kleinen Hügel, umgeben von Bäumen, Wiesen und Bänken. Die Berliner nennen ihn liebevoll den Dicken Hermann, und er ist so etwas wie das Wahrzeichen des Prenzlauer Bergs.
Key Facts
| Place | Wasserturm: Der Dicke Hermann und das Jahr 1933 |
|---|---|
| Address | Knaackstraße / Belforter Straße, 10405 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.53420, 13.41860 |
| Part of Walk | Prenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin |
| Generated | Generated |
Über dir thront ein dicker, runder Backsteinturm auf einem kleinen Hügel, umgeben von Bäumen, Wiesen und Bänken. Die Berliner nennen ihn liebevoll den Dicken Hermann, und er ist so etwas wie das Wahrzeichen des Prenzlauer Bergs.
Bevor hier Wasser gespeichert wurde, drehten sich auf diesem Hügel Windmühlen, und in der ganzen Gegend klapperten noch etliche mehr. Der Hügel ist einer der höchsten Punkte in der Innenstadt, und genau deshalb baute man in den 1870er-Jahren hier oben Berlins ersten Wasserturm. Englische Ingenieure waren damals an der Berliner Wasserversorgung beteiligt, und von hier floss das Wasser mit eigenem Druck in die neuen Mietshäuser ringsum. Das Schönste daran: Im Turm wurde von Anfang an gewohnt, ursprünglich vom Personal des Wasserwerks. Die Wohnungen sind rund geschnitten wie Tortenstücke, und es gibt sie bis heute.
Doch dieser idyllische Hügel hat auch eine dunkle Seite. Im Frühjahr 1933, wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, richtete die SA im damaligen Maschinenhaus neben dem Turm eines der frühen, sogenannten wilden Konzentrationslager ein. Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Gegner des Regimes wurden hierher verschleppt, verhört und gequält, mitten in einem dicht bewohnten Viertel. Das Maschinenhaus steht nicht mehr, aber ein Gedenkstein erinnert an die Opfer.
Bleib einen Moment stehen und schau dir die Szene heute an: Kinder rennen den Hang hinunter, im Winter wird hier gerodelt, Leute liegen mit einem Buch im Gras. Unter deinen Füßen liegen alte unterirdische Wasserspeicher, große gemauerte Gewölbe, die gelegentlich für Kunst und Konzerte geöffnet werden. Ein Ort, an dem Berlin gleichzeitig seine schönste und seine schlimmste Seite zeigt, wenige Meter voneinander entfernt. Und die Wohnungen im Turm? Halb Prenzlauer Berg träumt davon, einmal in so einem Tortenstück mit Blick über die Dächer zu wohnen. Frei wird dort so gut wie nie etwas.
Und jetzt zu einer Frau, die in dieser Gegend über fünfzig Jahre gelebt und gezeichnet hat. Lauf die Knaackstraße ein Stück nach Norden, bis sich rechts ein grüner Platz mit einer Bronzefigur öffnet.