Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee: Liebermanns letzte Ruhe

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Hinter der Mauer an der Schönhauser Allee wird es plötzlich still: Efeu, hohe Bäume, schiefe Grabsteine, viele mit hebräischen und deutschen Inschriften nebeneinander. Männer setzen sich am Eingang eine Kopfbedeckung auf, so ist es auf jüdischen Friedhöfen Brauch.

Key Facts

PlaceJüdischer Friedhof Schönhauser Allee: Liebermanns letzte Ruhe
AddressSchönhauser Allee 23-25, 10435 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.53500, 13.41420
Part of WalkPrenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin
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Hinter der Mauer an der Schönhauser Allee wird es plötzlich still: Efeu, hohe Bäume, schiefe Grabsteine, viele mit hebräischen und deutschen Inschriften nebeneinander. Männer setzen sich am Eingang eine Kopfbedeckung auf, so ist es auf jüdischen Friedhöfen Brauch.

Der Friedhof wurde 1827 angelegt, weil der alte jüdische Friedhof in der Großen Hamburger Straße voll war. Damals lag das hier draußen vor der Stadt, zwischen Feldern und Windmühlen. Über zwanzigtausend Menschen sind hier begraben, darunter der Komponist Giacomo Meyerbeer, der Verleger Leopold Ullstein und James Simon, der Mäzen, der den Berliner Museen unter anderem die Büste der Nofretete geschenkt hat. Als 1880 der große Friedhof in Weißensee eröffnete, wurden hier nur noch Familiengräber belegt. Die Steine erzählen nebenbei eine Geschichte der Emanzipation: Die ältesten tragen nur hebräische Schrift, spätere sind zweisprachig, und die jüngsten sehen aus wie jedes bürgerliche Grabmal in Charlottenburg, mit Säulen, Marmor und deutschen Versen.

Und dann ist da Max Liebermann, der berühmteste Maler Berlins seiner Zeit, Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Als am Abend des 30. Januar 1933 der Fackelzug der Nationalsozialisten am Brandenburger Tor vorbeizog, direkt vor seinem Haus, soll er gesagt haben: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Er starb im Februar 1935. Zu seiner Beerdigung kamen nur wenige, die Behörden beobachteten jeden. Eine der wenigen war Käthe Kollwitz. Seine Witwe Martha nahm sich 1943 das Leben, kurz bevor sie deportiert werden sollte.

Wenn du später hinten an der Kollwitzstraße vorbeikommst, wirst du einen schmalen Weg zwischen Friedhofsmauer und Hinterhöfen sehen. Er heißt Judengang. Die Legende sagt, Trauerzüge hätten diesen Hintereingang nehmen müssen, damit der König auf der Schönhauser Allee nicht von ihnen gestört werde. Belegt ist das nicht... wahrscheinlicher war es einfach ein Wirtschaftsweg. Aber die Geschichte erzählt viel darüber, was man den Preußen zutraute.

Viele Grabsteine tragen noch Einschläge aus den letzten Kriegstagen 1945, als hier gekämpft wurde. Draußen, nur ein paar Schritte die Schönhauser Allee hinunter, wartet ein Mann auf einem Sockel, dessen Namen du spiegelverkehrt lesen musst.

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