Senefelderplatz: Ein Name in Spiegelschrift

Why is it significant?

Auf dem kleinen dreieckigen Platz steht ein weißes Marmordenkmal: oben ein Mann mit Lockenkopf, unten zwei Kinder, und eines davon schreibt seinen Namen auf den Sockel... in Spiegelschrift. Du hast richtig gelesen, das ist kein Fehler des Steinmetzes.

Key Facts

PlaceSenefelderplatz: Ein Name in Spiegelschrift
AddressSenefelderplatz, 10119 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.53240, 13.41270
Part of WalkPrenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin
GeneratedGenerated

Open the walk

Auf dem kleinen dreieckigen Platz steht ein weißes Marmordenkmal: oben ein Mann mit Lockenkopf, unten zwei Kinder, und eines davon schreibt seinen Namen auf den Sockel... in Spiegelschrift. Du hast richtig gelesen, das ist kein Fehler des Steinmetzes.

Der Mann ist Alois Senefelder, und er hat Ende des 18. Jahrhunderts in München den Steindruck erfunden, die Lithografie. Die Geschichte ist herrlich: Senefelder wollte eigentlich Theaterstücke schreiben, konnte sich aber den Druck nicht leisten. Also experimentierte er herum, mit Tinte, Säure und Kalksteinplatten aus Solnhofen in Bayern, aus demselben Gestein, in dem man später den Urvogel Archaeopteryx gefunden hat, bis er merkte, dass Fett und Wasser sich auf dem Stein nicht mischen. Auf diesem simplen Prinzip beruht ein Druckverfahren, das die Welt verändert hat.

Und jetzt verstehst du die Spiegelschrift: Wer auf den Stein schreibt, muss alles seitenverkehrt schreiben, damit es auf dem Papier richtig herum erscheint. Das Denkmal von 1892 erklärt also seine eigene Erfindung, ohne ein einziges Wort zu viel. Plakate, Landkarten, Noten, Etiketten, später auch die Werbung der Brauereien rund um diesen Platz: all das wurde lange lithografiert.

Schau dich weiter um. Unter dir fährt die U2, die hier 1913 eröffnet wurde, und ein paar Stationen weiter nördlich kommt sie ans Tageslicht und rattert als Hochbahn über die Schönhauser Allee. Die Allee selbst ist uralt, sie war der Weg hinaus nach Pankow zum Schloss Schönhausen, wo nach dem Krieg der erste und einzige Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, seinen Amtssitz hatte. Und auf der anderen Straßenseite, oben auf dem Hang, liegt mit dem Pfefferberg noch eine ehemalige Brauerei, heute ein Ort für Architektur, Kunst und Biergarten.

Kaum jemand bleibt hier stehen, alle eilen zur U-Bahn. Dabei ist das einer der witzigsten Denkmal-Tricks der Stadt. Probier es aus: Fotografier den Sockel mit dem Handy und spiegle das Bild, dann steht da plötzlich ganz ordentlich Senefelder. Jetzt geh nach Westen, durch die ruhigen Seitenstraßen vorbei am Teutoburger Platz, bis vor dir ein Kirchturm mitten auf einem runden Platz auftaucht.

Nearby stories