Kollwitzplatz: Käthe, Schrippen und Spätzle
Why is it significant?
Mitten auf dem Platz sitzt eine Frau aus Bronze, schwer und nachdenklich, die Hände im Schoß. Und auf diesem Schoß sitzt mit ziemlicher Sicherheit gerade ein Kind, das sich von ihr fotografieren lässt. Das ist Käthe Kollwitz.
Key Facts
| Place | Kollwitzplatz: Käthe, Schrippen und Spätzle |
|---|---|
| Address | Kollwitzplatz, 10405 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.53610, 13.41700 |
| Part of Walk | Prenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin |
| Generated | Generated |
Mitten auf dem Platz sitzt eine Frau aus Bronze, schwer und nachdenklich, die Hände im Schoß. Und auf diesem Schoß sitzt mit ziemlicher Sicherheit gerade ein Kind, das sich von ihr fotografieren lässt.
Das ist Käthe Kollwitz. Von 1891 bis 1943 wohnte sie an der Ecke gegenüber, damals Weißenburger Straße, zusammen mit ihrem Mann Karl, einem Arzt. Er behandelte die Arbeiterfamilien des Viertels, und im Wartezimmer seiner Praxis fand sie ihre Modelle: erschöpfte Mütter, hungrige Kinder, alte Gesichter. Aus diesen Begegnungen wurden Radierungen und Zeichnungen, die heute in Museen auf der ganzen Welt hängen. 1919 wurde sie als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und bekam den Professorentitel. 1933 zwangen die Nationalsozialisten sie, die Akademie zu verlassen, und bald durfte sie kaum noch ausstellen.
1914 fiel ihr jüngerer Sohn Peter, achtzehn Jahre alt, in den ersten Kriegswochen in Flandern. Den Schmerz darüber hat sie ihr Leben lang verarbeitet, in Zeichnungen, Plastiken, Tagebüchern. Eine vergrößerte Fassung ihrer Skulptur Mutter mit totem Sohn steht seit 1993 in der Neuen Wache Unter den Linden. Das Haus hier am Platz wurde 1943 von Bomben zerstört, und Käthe Kollwitz starb im April 1945 in Moritzburg bei Dresden, wenige Tage vor Kriegsende. 1947 bekam der Platz ihren Namen, 1958 kam die Figur von Gustav Seitz dazu.
Nach der Wende wurde der Kollwitzplatz dann zum Schauplatz eines ganz anderen Kampfes, nämlich um Brötchen. Ende 2012 beschwerte sich ein bekannter Politiker, der selbst hier wohnte, dass die zugezogenen Schwaben beim Bäcker Wecken sagen statt Schrippe. Halb Deutschland diskutierte mit. Und Anfang 2013 bewarfen Unbekannte die Bronzefigur von Käthe Kollwitz mit Spätzle, als Protest gegen die Schwabenschelte, so jedenfalls lasen es alle.
Das ist der Prenzlauer Berg in einer Nussschale: eine Künstlerin, die das Elend der Arbeiter gezeichnet hat, umgeben von sanierten Altbauten, in denen sich kaum noch ein Arbeiter die Miete leisten kann. Lauf jetzt die Wörther Straße nach Westen bis zur Schönhauser Allee und halte dich dort links, zum alten jüdischen Friedhof.