Riehmers Hofgarten: Wie Kreuzberg in der Kaiserzeit aß

Why is it significant?

Geh durch das hohe Tor an der Yorckstraße und bleib gleich dahinter stehen: Plötzlich ist der Verkehr weg. Vor dir liegt eine stille, baumbestandene Privatstraße, gesäumt von Gründerzeitfassaden mit Erkern, Balkonen und Stuck.

Key Facts

PlaceRiehmers Hofgarten: Wie Kreuzberg in der Kaiserzeit aß
AddressYorckstraße 83-86, 10965 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.49250, 13.38430
Audio Duration~2 min
Part of WalkKreuzberger Küche: Currywurst, Döner und Markthallen in Berlin
GeneratedGenerated

Geh durch das hohe Tor an der Yorckstraße und bleib gleich dahinter stehen: Plötzlich ist der Verkehr weg. Vor dir liegt eine stille, baumbestandene Privatstraße, gesäumt von Gründerzeitfassaden mit Erkern, Balkonen und Stuck. Willkommen in Riehmers Hofgarten, dem vielleicht schönsten Wohnblock Kreuzbergs. Gebaut hat ihn ein Maurermeister namens Wilhelm Riehmer, zwischen 1881 und 1892. Sein Trick: Statt der dunklen Hinterhöfe, die in Berlin üblich waren, legte er eine grüne Straße mitten durch den Block, sodass auch die hinteren Wohnungen Licht und Luft bekamen. Hier wohnten Beamte und Offiziere, denn gleich um die Ecke am heutigen Mehringdamm lagen die Kasernen der Gardetruppen. Kreuzberg war damals Garnisonsviertel, kein Partykiez. Wie hat man in so einem Haus gegessen? Die Herrschaften saßen im Speisezimmer, gekocht wurde hinten in der Küche, oft von einem Dienstmädchen, das in einer Kammer daneben schlief. Die Milch kam frisch vors Haus, mit den Wagen der Meierei Bolle, die seit 1879 Berlin belieferte. Die Milchkutscher läuteten mit einer Glocke, und die Berliner nannten sie deshalb Bimmel-Bolle. Fleisch, Gemüse und Fisch holte man auf dem Markt, und genau in diesen Jahren baute die Stadt dafür ihre großen Markthallen. In den Hinterhäusern der gewöhnlichen Mietskasernen sah es ganz anders aus: Dort kochte eine Arbeiterfamilie oft auf einem einzigen Herd in dem Raum, in dem sie auch schlief. Nur ein paar hundert Meter südlich erhebt sich der Hügel, der dem ganzen Bezirk seinen Namen gab. Oben steht Schinkels Nationaldenkmal mit dem Eisernen Kreuz auf der Spitze, daher Kreuzberg. Und an den Hängen standen Brauereien, denn das Berliner Lagerbier musste kühl reifen, und tiefe Keller grub man am besten in einen Berg. Kreuzberg ist also, ganz wörtlich, auf Bier gebaut. Bevor wir losgehen, ein Geständnis: Dieser Spaziergang wird dich hungrig machen. Iss also nicht alles an der ersten Station. Geh jetzt zurück zur Yorckstraße und nach Osten bis zum Mehringdamm. An der Ecke zur U-Bahn riechst du unser nächstes Thema, bevor du es siehst.

Nearby stories