Mehringdamm: Die Currywurst und ihre Erfinderin

Why is it significant?

Folg einfach der Nase: Hier am Mehringdamm, gleich am U-Bahnhof, riecht es nach Bratfett, Tomate und Curry, und vor den Imbissbuden steht eine Schlange, egal ob mittags oder um drei Uhr nachts. Anzugträger, Studentinnen, Taxifahrer, Touristen, alle mit Pappschale und kleiner Holzgabel.

Key Facts

PlaceMehringdamm: Die Currywurst und ihre Erfinderin
AddressMehringdamm, 10961 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.49350, 13.38770
Part of WalkKreuzberger Küche: Currywurst, Döner und Markthallen in Berlin
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Folg einfach der Nase: Hier am Mehringdamm, gleich am U-Bahnhof, riecht es nach Bratfett, Tomate und Curry, und vor den Imbissbuden steht eine Schlange, egal ob mittags oder um drei Uhr nachts. Anzugträger, Studentinnen, Taxifahrer, Touristen, alle mit Pappschale und kleiner Holzgabel.

Die Currywurst ist ein Kind des Nachkriegsberlin, und sie hat eine Mutter: Herta Heuwer. Am 4. September 1949 mischte sie an ihrem Imbissstand in Charlottenburg, an der Ecke Kantstraße und Kaiser-Friedrich-Straße, Tomatenmark, Gewürze und Currypulver zu einer Soße. Woher das Curry kam? Die Geschichte erzählt, von britischen Soldaten, bei denen man damals so einiges eintauschen konnte. 1959 ließ Herta Heuwer ihre Soße sogar als Marke eintragen, unter dem herrlichen Namen Chillup.

Natürlich wäre Berlin nicht Berlin ohne Streit. Hamburg behauptet, die Currywurst sei an der Elbe erfunden worden, aber der berühmteste Beleg dafür ist eine Novelle von Uwe Timm, Die Entdeckung der Currywurst, und die ist, wie es sich für Literatur gehört, erfunden. Dann gibt es noch die Ost-West-Frage: Im Osten aß man die Wurst oft ohne Darm, weil Darm Mangelware war, so erzählt man es jedenfalls. Mit oder ohne, darüber können Berliner bis heute ernsthaft streiten. Einig sind sie sich nur darin, dass an Herta Heuwers altem Standort in Charlottenburg zu Recht eine Gedenktafel hängt.

Und warum gerade hier? Der Mehringdamm hieß früher Belle-Alliance-Straße, nach dem preußischen Namen für die Schlacht bei Waterloo, und wurde 1947 nach dem Publizisten Franz Mehring umbenannt. Hier kreuzen sich zwei U-Bahn-Linien, Nachtschwärmer und Taxis, und so ein Knotenpunkt braucht eine Imbissbude, die nie schläft. Die Currywurst war immer Arbeiteressen: schnell, heiß, billig, im Stehen gegessen. Daran hat sich hier wenig geändert.

Mein Rat unter Freunden: Bestell nicht zu scharf, wenn du noch reden willst. Dann geh den Mehringdamm ein kleines Stück nach Süden und biege links in die Bergmannstraße. Nach ein paar Querstraßen gehst du rechts hinunter zum Chamissoplatz und hältst Ausschau nach einem kleinen grünen Häuschen aus Gusseisen.

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