Chamissoplatz: Kopfsteinpflaster und Café Achteck
Why is it significant?
Schau dich um: Kopfsteinpflaster, Gaslaternen, hohe Gründerzeithäuser mit Stuck, in der Mitte große Bäume und ein Spielplatz. Wenn du das Gefühl hast, in einem Film über das Berlin um 1900 zu stehen, liegst du nicht falsch... Filmteams lieben diesen Platz genau dafür.
Key Facts
| Place | Chamissoplatz: Kopfsteinpflaster und Café Achteck |
|---|---|
| Address | Chamissoplatz, 10965 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.48820, 13.39100 |
| Part of Walk | Kreuzberger Küche: Currywurst, Döner und Markthallen in Berlin |
| Generated | Generated |
Schau dich um: Kopfsteinpflaster, Gaslaternen, hohe Gründerzeithäuser mit Stuck, in der Mitte große Bäume und ein Spielplatz. Wenn du das Gefühl hast, in einem Film über das Berlin um 1900 zu stehen, liegst du nicht falsch... Filmteams lieben diesen Platz genau dafür.
Der Kiez um den Chamissoplatz hat den Zweiten Weltkrieg erstaunlich unbeschädigt überstanden, und das macht ihn in Berlin so selten. Der Platz trägt den Namen von Adelbert von Chamisso, einem französischen Adligen, dessen Familie vor der Revolution floh. Er kam als Jugendlicher nach Berlin, wurde ein deutscher Dichter und schrieb die Geschichte von Peter Schlemihl, dem Mann, der seinen Schatten verkaufte. Nebenbei segelte er als Naturforscher einmal um die Welt und arbeitete später am Botanischen Garten in Berlin. Ein Dichter, der Pflanzen sammelte, als Pate für einen Platz voller Bäume: passt.
Und jetzt das grüne Häuschen. Das achteckige Ding aus Gusseisen ist eine öffentliche Toilette für Männer aus dem 19. Jahrhundert, und die Berliner nennen diesen Typ mit typischem Humor Café Achteck. Früher standen in der Stadt weit über hundert davon. Heute sind nur noch wenige Dutzend übrig, und die meisten stehen unter Denkmalschutz. Ein Klo als Baudenkmal: Auch das ist Berlin.
Fast wäre das alles verschwunden. In den Siebzigerjahren plante West-Berlin für große Teile Kreuzbergs die Kahlschlagsanierung: alte Häuser abreißen, Neubauten hochziehen. Bewohner wehrten sich, Häuser wurden besetzt, und am Ende setzte sich ein neues Prinzip durch, die behutsame Stadterneuerung. Man reparierte, statt abzureißen. Dass du hier noch Stuck und Kopfsteinpflaster siehst, ist also auch das Ergebnis von Protest.
Und was hat das mit Essen zu tun? In solchen Kiezen lebte die Berliner Alltagsküche: Stullen, Buletten, Kartoffeln in jeder Form, Eisbein am Sonntag. Im Erdgeschoss fast jedes Eckhauses gab es einen Kolonialwarenladen, einen Bäcker oder eine Kneipe, und man kaufte ein, ohne die Straße zu verlassen. Geh jetzt hinauf zur Bergmannstraße und nach rechts zum Marheinekeplatz. Dort wartet eine Halle, in der seit 1892 eingekauft wird.