Kulturbrauerei: Die Bierburg von Schultheiss
Why is it significant?
Geh durch das Tor in den Hof, und plötzlich stehst du in einer kleinen Burg aus rotem und gelbem Backstein: Türmchen, Zinnen, Rundbögen, ein hoher Schornstein. Eine Burg, gebaut für eine einzige Sache... Bier. Das hier war die Brauerei von Schultheiss, einer der größten Biermarken Deutschlands.
Key Facts
| Place | Kulturbrauerei: Die Bierburg von Schultheiss |
|---|---|
| Address | Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.53930, 13.41400 |
| Part of Walk | Prenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin |
| Generated | Generated |
Geh durch das Tor in den Hof, und plötzlich stehst du in einer kleinen Burg aus rotem und gelbem Backstein: Türmchen, Zinnen, Rundbögen, ein hoher Schornstein. Eine Burg, gebaut für eine einzige Sache... Bier.
Das hier war die Brauerei von Schultheiss, einer der größten Biermarken Deutschlands. Ab Ende der 1880er-Jahre plante Franz Schwechten die Anlage, derselbe Architekt, der auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und den Anhalter Bahnhof entworfen hat. Dass so viele Brauereien gerade hier oben saßen, war kein Zufall: Der Prenzlauer Berg ist ein Hang, und in den Hang ließen sich tiefe, kühle Lagerkeller graben, lange bevor es Kühlmaschinen gab.
Um 1900 war Berlin eine Bierstadt durch und durch. Die Brauereien hatten eigene Ausschänke mit riesigen Sälen, in denen Tausende Platz fanden, sonntags kamen ganze Familien. Rund um den Hof hier gab es Sudhaus, Mälzerei, Ställe für die Pferde der Bierkutscher und Wohnungen für die Arbeiter. Eine Stadt in der Stadt, mit eigenem Takt und eigenem Geruch nach Malz. Schwere Pferde zogen die Fässer hinaus in die Kneipen der ganzen Stadt, und wer hier arbeitete, bekam obendrein sein Freibier, den sogenannten Haustrunk.
1967 wurde hier zum letzten Mal gebraut. Die DDR nutzte die Gebäude danach als Lager und für Betriebe, und manches verfiel. Nach der Wende gründete sich ein Verein, der daraus ein Kulturzentrum machte, und um das Jahr 2000 war das Gelände saniert. Heute gibt es hier Kino, Theater, Clubs und Konzerte, und im Winter einen Weihnachtsmarkt im Hof. Gerade die Mischung macht es aus: tagsüber Schulklassen im Museum, nachts Bässe aus den Kellern, in denen früher das Bier lagerte.
Und mittendrin, seit 2013, die Ausstellung Alltag in der DDR des Hauses der Geschichte. Da steht die Schrankwand, da hängt der Einkaufsbeutel, und da liest du, dass man auf ein eigenes Auto oft mehr als zehn Jahre warten musste. Die Brauerei, in der man im Osten früher Bier gemacht hat, erklärt heute dem Westen den Osten. Verlass den Hof an der Knaackstraße und lauf ein paar Minuten nach Südosten, in die Rykestraße.