Graefekiez: Die Berliner Eckkneipe
Why is it significant?
Bleib an einer Straßenecke der Graefestraße stehen und schau dir die Erdgeschosse an: hier ein Spätkauf, dort ein Café, und an mancher Ecke noch eine Kneipe mit Gardinen bis zur halben Fensterhöhe, Bierreklame über der Tür und einem Tresen, an dem Stammgäste seit Jahrzehnten auf ihren Plätzen…
Key Facts
| Place | Graefekiez: Die Berliner Eckkneipe |
|---|---|
| Address | Graefestraße, 10967 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.49070, 13.41580 |
| Part of Walk | Kreuzberger Küche: Currywurst, Döner und Markthallen in Berlin |
| Generated | Generated |
Bleib an einer Straßenecke der Graefestraße stehen und schau dir die Erdgeschosse an: hier ein Spätkauf, dort ein Café, und an mancher Ecke noch eine Kneipe mit Gardinen bis zur halben Fensterhöhe, Bierreklame über der Tür und einem Tresen, an dem Stammgäste seit Jahrzehnten auf ihren Plätzen sitzen.
Die Graefestraße heißt nach Albrecht von Graefe, einem Berliner Arzt, der im 19. Jahrhundert die moderne Augenheilkunde mitbegründete. Der Kiez entstand in der Gründerzeit, und mit ihm die Berliner Eckkneipe, gern in der abgeschrägten Ecke eines Hauses, mit Türen zu zwei Straßen. Für Arbeiterfamilien in engen Wohnungen war sie Wohnzimmer, Nachrichtenbörse und Kantine zugleich.
Und was gab es am Tresen? Zur Molle, so heißt in Berlin ein Glas Bier, und zum Korn gab es kleine Sachen. Soleier, hartgekochte Eier, die in einem großen Glas in Salzlake lagen. Rollmops, ein Heringsfilet, um eine Gurke gerollt. Und natürlich die Bulette, Berlins Frikadelle. Ihr Name kommt vom französischen boulette, Kügelchen, und erinnert an die Hugenotten, die nach 1685 zu Tausenden nach Berlin kamen. Um 1700 soll fast jeder fünfte Berliner Franzose gewesen sein.
Die Hugenotten haben die Berliner Küche stärker geprägt, als man denkt. Sie legten Gärten an, brachten feinere Gemüsesorten und eine Vorliebe für gutes Weißbrot mit. Angeblich auch manches Wort: Wenn eine Berliner Oma sagt, mach keine Fisimatenten, soll das vom französischen visite ma tente kommen, besuch mein Zelt, angeblich die Einladung französischer Soldaten an Berliner Mädchen. Sprachforscher halten das allerdings für eine hübsche Legende.
Die klassische Eckkneipe stirbt langsam aus, aber wenn du eine findest, trau dich hinein. Bestell eine Molle, setz dich an den Tresen und hör einfach zu, du lernst mehr über Berlin als in jedem Museum. Danach geh die Graefestraße hinauf bis zum Landwehrkanal, halte dich rechts und geh über die Kottbusser Brücke ans andere Ufer. An Markttagen hörst du es schon von Weitem: Rufen, Feilschen, Lachen.