Sophienfriedhof an der Bergstraße

Why is it significant?

Hinter dem Tor an der Bergstraße wird es mit einem Schlag grün und leise: alte Grabsteine, Efeu, hohe Bäume, Vogelgezwitscher. Ein paar Schritte weiter, wo der Friedhof an die Bernauer Straße stößt, beginnt der Teil der Stadt, um den es auf diesem Spaziergang geht.

Key Facts

PlaceSophienfriedhof an der Bergstraße
AddressBergstraße 29, 10115 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.53300, 13.39250
Audio Duration~2 min
Part of WalkFenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark
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Hinter dem Tor an der Bergstraße wird es mit einem Schlag grün und leise: alte Grabsteine, Efeu, hohe Bäume, Vogelgezwitscher. Ein paar Schritte weiter, wo der Friedhof an die Bernauer Straße stößt, beginnt der Teil der Stadt, um den es auf diesem Spaziergang geht. Aber bleib erst einmal hier, zwischen den Toten, die schon lange vor der Mauer da waren. Das ist der Friedhof II der Sophiengemeinde, angelegt im 19. Jahrhundert, als hier noch der Stadtrand war. Und hier liegen Leute, deren Namen du kennst: der Opernkomponist Albert Lortzing, der Klavierbauer Carl Bechstein, und Wilhelm Friedrich Ernst Bach, ein Enkel von Johann Sebastian Bach. Ein Bach an der Bernauer Straße... das hätte man in dieser Gegend eher nicht vermutet. Dann kam der 13. August 1961. Die Grenze zwischen dem sowjetischen und dem französischen Sektor verlief entlang der Bernauer Straße, und dieser Friedhof lag auf der Ostseite, direkt an der Linie. Ein Streifen des Geländes wurde Teil der Grenzanlagen, Gräber mussten verlegt werden, und wer die Gräber seiner Angehörigen nahe der Mauer besuchen wollte, brauchte zeitweise eine besondere Genehmigung. Trauern nur mit Passierschein, so absurd war das. Friedhöfe an der Grenze waren für die DDR ein echtes Problem. Grabsteine, Grüfte und alte Bäume boten Deckung, und von hier aus waren es nur ein paar Dutzend Meter bis in den Westen. Deshalb wurde an der Grenzseite abgeräumt, gerodet und eingeebnet, bis das Gelände übersichtlich war. Die Toten durften bleiben, aber zu nah an die Mauer durften auch sie nicht. Heute ist der Friedhof ein Ort voller Leben, mit Bänken, Kastanienlaub im Herbst und Leuten aus dem Kiez, die hier in der Mittagspause ein Buch lesen. Viele Berliner kennen ihn gar nicht, obwohl sie täglich an seiner Mauer vorbeiradeln. Geh jetzt nach Norden, hinüber zur Bernauer Straße. Dort, auf dem ehemaligen Grenzstreifen, steht eine rostrote Wand voller Gesichter.

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