Kapelle der Versöhnung

Why is it significant?

Vor dir steht ein ovaler Bau mit einer Hülle aus senkrechten Holzlatten, und dahinter schimmert eine Wand aus gestampftem Lehm. Daneben hängen in einem schlichten Holzgestell alte Kirchenglocken.

Key Facts

PlaceKapelle der Versöhnung
AddressBernauer Straße 4, 10115 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.53580, 13.39190
Part of WalkFenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark
GeneratedGenerated

Open the walk

Vor dir steht ein ovaler Bau mit einer Hülle aus senkrechten Holzlatten, und dahinter schimmert eine Wand aus gestampftem Lehm. Daneben hängen in einem schlichten Holzgestell alte Kirchenglocken. Das ist die Kapelle der Versöhnung, und sie steht genau dort, wo bis 1985 eine große Backsteinkirche mit hohem Turm stand.

Die Versöhnungskirche wurde 1894 geweiht, gebaut für die Arbeiterfamilien in den neuen Mietshäusern ringsum. Ihre Gemeinde reichte über die Bernauer Straße hinweg bis in den Wedding. Als 1961 die Mauer kam, stand die Kirche plötzlich auf der Ostseite, mitten im Sperrgebiet. Die Gemeindemitglieder im Westen kamen nicht mehr hinein, und bald durften auch die im Osten nicht mehr hin. Eine Kirche, die niemand betreten konnte, mitten im Todesstreifen.

Über zwanzig Jahre stand sie so da, leer, verriegelt, bewacht, ein Bau, den man aus dem Westen jeden Tag sah und nie erreichen konnte. Im Januar 1985 ließ die DDR die Kirche sprengen, zuerst das Kirchenschiff und einige Tage später den Turm. Die Bilder des fallenden Turms gingen um die Welt, und für viele war das ein Zeichen, dass dieser Staat nicht einmal vor einem Gotteshaus haltmachte.

Und dann die Geschichte der neuen Kapelle. Die Architekten Rudolf Reitermann und Peter Sassenroth bauten sie aus Stampflehm, und in diesen Lehm mischten sie zerkleinerte Ziegel aus den Trümmern der alten Kirche. Die alte Kirche steckt also buchstäblich in den Wänden der neuen. Geweiht wurde die Kapelle am 9. November 2000, auf den Tag genau elf Jahre nach dem Mauerfall. Ein Lehmbau mitten in der Hauptstadt, das war damals eine kleine Sensation.

In der Kapelle wird regelmäßig an Menschen erinnert, die an der Mauer gestorben sind, jedes Mal wird eine Lebensgeschichte vorgelesen. Und rund um die Kapelle wächst in manchen Jahren sogar Roggen, ein kleines Feld auf dem ehemaligen Todesstreifen. Geh jetzt weiter an der Bernauer Straße entlang nach Osten, bis zur Strelitzer Straße. Dort, in einem Hinterhof, endete einer der erfolgreichsten Fluchttunnel Berlins.

Nearby stories