Dokumentationszentrum und Blick auf den Grenzstreifen

Why is it significant?

Steig auf den Turm des Dokumentationszentrums und schau hinunter auf die andere Straßenseite. Zwischen zwei hohen, rostigen Stahlwänden liegt ein Stück Grenze wie eingefroren: eine Mauer, ein heller Sandstreifen, ein Plattenweg für Patrouillen, Lampenmasten und ein Wachturm.

Key Facts

PlaceDokumentationszentrum und Blick auf den Grenzstreifen
AddressBernauer Straße 111, 13355 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.53530, 13.38960
Part of WalkFenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark
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Steig auf den Turm des Dokumentationszentrums und schau hinunter auf die andere Straßenseite. Zwischen zwei hohen, rostigen Stahlwänden liegt ein Stück Grenze wie eingefroren: eine Mauer, ein heller Sandstreifen, ein Plattenweg für Patrouillen, Lampenmasten und ein Wachturm. So sah es hier bis 1989 aus, nur ohne die Touristen.

Von oben verstehst du sofort, dass die Berliner Mauer nie nur eine Mauer war. Es war ein ganzes System, an vielen Stellen Dutzende Meter tief. Ganz hinten, zur Ostseite, die sogenannte Hinterlandmauer. Dann ein Signalzaun, der bei Berührung Alarm auslöste. Dann der Kolonnenweg für die Fahrzeuge der Grenztruppen, die Lichttrasse und ein Kontrollstreifen aus geharktem Sand, in dem man jeden Fußabdruck sah. Und ganz vorn, zum Westen hin, die eigentliche Grenzmauer, die du von Postkarten kennst.

Hier an der Bernauer Straße war alles enger als anderswo, weil die Häuser auf der Ostseite direkt an der Grenze standen. Erst wurden Türen und Fenster zugemauert, dann die Bewohner zwangsweise umgesiedelt, und in den Sechzigerjahren wurden die Häuser abgerissen. Eine Zeit lang bildeten die stehengelassenen Fassaden selbst die Mauer, Fensterhöhlen voller Ziegel. Ende der Siebziger verschwanden auch sie.

Das Dokumentationszentrum selbst ist das ehemalige Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde. Die Gemeinde hatte ihre Kirche drüben im Grenzstreifen verloren und ihr Gemeindehaus hier, auf der Weddinger Seite, behalten. 1999 wurde daraus ein Ort der Dokumentation, mit Ausstellung, Archiv und diesem Turm. Das Denkmal unter dir, die beiden Stahlwände der Architekten Kohlhoff und Kohlhoff, wurde schon 1998 eingeweiht, und darüber wurde damals heftig gestritten: zu glatt, zu kunstvoll, zu wenig echte Mauer, sagten die einen.

Das Verrückte ist: Fast überall in Berlin wollte man die Mauer nach 1989 so schnell wie möglich loswerden. Mauerspechte hämmerten Souvenirs heraus, Bagger räumten auf, und nach ein paar Jahren suchten Besucher vergeblich nach ihr. Dass hier überhaupt etwas stehen blieb, verdankt die Stadt Menschen, die früh darauf bestanden, dass man sich erinnern muss. Geh jetzt wieder hinunter und über die Straße. Ein Stück weiter östlich steht ein runder Bau aus Lehm und Holz, an der Stelle einer Kirche, die gesprengt wurde.

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