Schwedter Steg und Ringbahn
Why is it significant?
Von dieser schmalen Fußgängerbrücke schaust du hinunter auf ein breites Bündel aus Gleisen. S-Bahnen gleiten in beide Richtungen, ab und zu schiebt sich ein langer Güterzug vorbei, und in der Ferne ragt der Fernsehturm in den Himmel. Unter dir läuft die Ringbahn, Berlins große Schleife.
Key Facts
| Place | Schwedter Steg und Ringbahn |
|---|---|
| Address | Schwedter Steg, 10437 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.54960, 13.40010 |
| Part of Walk | Fenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark |
| Generated | Generated |
Von dieser schmalen Fußgängerbrücke schaust du hinunter auf ein breites Bündel aus Gleisen. S-Bahnen gleiten in beide Richtungen, ab und zu schiebt sich ein langer Güterzug vorbei, und in der Ferne ragt der Fernsehturm in den Himmel. Unter dir läuft die Ringbahn, Berlins große Schleife. Und genau unter dieser Brücke war sie fast drei Jahrzehnte lang kaputt.
Die Ringbahn ist so etwas wie der Gürtel der Innenstadt: Sie umrundet das Zentrum in einer großen Schleife, die wegen ihrer Form auf dem Plan Hundekopf genannt wird. Fertig war der Ring 1877. Wer innerhalb des Rings wohnt, sagen manche Berliner nicht ganz ohne Arroganz, wohnt in Berlin. Wer außerhalb wohnt, wohnt natürlich auch in Berlin... aber das sagt man hier drinnen nicht so gern laut.
Mit der Teilung zerbrach auch der Ring. Genau hier, zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee, lief die Grenze, und die Gleise wurden gekappt. Jahrzehntelang war der Ring kein Ring mehr, sondern ein Bogen, dessen Enden an der Mauer stumpf aufhörten. Und nach dem großen Streik der Eisenbahner im Jahr 1980 legte die Ost-Berliner Reichsbahn, die auch die S-Bahn im Westen betrieb, den Westteil des Rings fast ganz still.
Erst am 16. Juni 2002 war der Ring wieder geschlossen. Seitdem fahren die Züge der Linien S41 und S42 wieder in beide Richtungen im Kreis, rund eine Stunde braucht eine Runde. Berliner nutzen das gern, auch ohne Ziel: einsteigen, Kopfhörer auf, einmal ganz herum, und die Stadt zieht vorbei wie ein Film, Hinterhöfe, Kleingärten, Brandwände, Kräne. Die Ringbahn ist das billigste Kino der Stadt, und das Programm wechselt mit jeder Jahreszeit.
Und damit endet dein Spaziergang an der ehemaligen Grenze. Du hast eine Kirche gesehen, die gesprengt wurde, Fenster, aus denen Menschen sprangen, einen Tunnel unter dem Asphalt und eine Mauer, die zur Leinwand wurde. Hier oben, wo die Grenze einst die Gleise zerschnitt, rollen die Züge heute einfach durch, als wäre nie etwas gewesen... und genau deshalb lohnt es sich, sich zu erinnern.