Gethsemanekirche: Kerzen gegen den Staat

Why is it significant?

Vor dir steht eine dunkelrote Backsteinkirche mit spitzem Turm, eingeklemmt zwischen Altbauten, Spielplatz und Fahrradständern. Sieht aus wie hundert andere Kirchen in Berlin... aber im Herbst 1989 war das hier der lauteste stille Ort der ganzen DDR.

Key Facts

PlaceGethsemanekirche: Kerzen gegen den Staat
AddressStargarder Straße 77, 10437 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.54770, 13.41620
Part of WalkPrenzlauer Berg und die Wende: Kerzen, Kiez und Kastanien in Berlin
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Vor dir steht eine dunkelrote Backsteinkirche mit spitzem Turm, eingeklemmt zwischen Altbauten, Spielplatz und Fahrradständern. Sieht aus wie hundert andere Kirchen in Berlin... aber im Herbst 1989 war das hier der lauteste stille Ort der ganzen DDR.

Gebaut wurde die Gethsemanekirche Anfang der 1890er-Jahre nach Plänen von August Orth, für einen Arbeiterbezirk, der schneller wuchs, als die Gemeinden Kirchen hochziehen konnten. Knapp hundert Jahre später, Anfang Oktober 1989, öffnete die Gemeinde ihre Türen Tag und Nacht. Drinnen hielten Menschen Mahnwache für die, die bei Protesten verhaftet worden waren. Draußen auf den Stufen brannten Kerzen, erst Dutzende, dann Hunderte, dann so viele, dass der Bürgersteig glühte.

Stell dir den Abend des 7. Oktober vor. Drüben in Mitte feiert die Staatsführung im Palast der Republik den 40. Jahrestag der DDR, Michail Gorbatschow ist Ehrengast. Und hier, in der Stargarder Straße, stehen Leute aus dem Kiez mit Kerzen in der Hand. In dieser Nacht und in der folgenden riegeln Polizei und Stasi die Straßen ab, knüppeln los und laden Menschen auf Lastwagen. Viele, die damals festgenommen wurden, erzählten später, wie sie stundenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen mussten.

Warum ausgerechnet eine Kirche? Weil sie in der DDR fast der einzige Raum war, den der Staat nicht ganz im Griff hatte. Hier trafen sich Friedensgruppen, Umweltleute, Punks und ganz normale Nachbarn, die einfach die Nase voll hatten. Gebetet haben längst nicht alle... zugehört haben alle. Und wer eine Kerze hält, hat keine Hand frei für einen Stein. Ein hoher SED-Funktionär soll später gesagt haben, man sei auf alles vorbereitet gewesen, nur nicht auf Kerzen und Gebete.

Dann ging alles rasend schnell. Einen Monat später, am Abend des 9. November, öffnete sich der Grenzübergang Bornholmer Straße, knapp anderthalb Kilometer nördlich von hier, als erster in der ganzen Stadt. Manche aus diesem Kiez sind, so erzählt man sich, fast direkt von der Mahnwache in den Westen spaziert. Geh jetzt ein paar Blocks nach Südosten, zu dem Platz, den hier alle nur Helmi nennen.

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