Gleimtunnel

Why is it significant?

Vor dir verschwindet die Gleimstraße in einem langen, halbdunklen Tunnel. Reihen von alten Eisensäulen tragen die Decke, an der der Ruß von Jahrzehnten klebt, und über dir rumpeln ab und zu Züge.

Key Facts

PlaceGleimtunnel
AddressGleimstraße, 10437 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.54650, 13.40030
Part of WalkFenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark
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Vor dir verschwindet die Gleimstraße in einem langen, halbdunklen Tunnel. Reihen von alten Eisensäulen tragen die Decke, an der der Ruß von Jahrzehnten klebt, und über dir rumpeln ab und zu Züge. Selbst an einem hellen Mittag fühlt es sich an, als würdest du in einen alten Schwarz-Weiß-Film hineinlaufen. Hör mal genau hin: Jeder Schritt hallt hier ein bisschen nach.

Eigentlich ist der Gleimtunnel gar kein richtiger Tunnel, sondern eine lange Unterführung unter einem breiten Bahngelände hindurch. Gebaut wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts, damit die Gleimstraße die Gleise unterqueren konnte, die hier in einem dichten Bündel liegen. Er verbindet Prenzlauer Berg mit Gesundbrunnen im Wedding, zwei Arbeiterviertel, die damals einfach nebeneinander lagen und miteinander lebten. Man ging hindurch zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Verwandten, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden.

Mit dem Mauerbau wurde der Tunnel zur Sackgasse. Die Grenze verlief genau hier, und der Durchgang wurde abgeriegelt. Fast drei Jahrzehnte lang endete die Gleimstraße für die einen und für die anderen an einer Sperre, mitten im Halbdunkel. Erst nach dem Mauerfall wurde der Weg wieder frei, und die Leute aus beiden Vierteln konnten einfach wieder hindurchgehen, als wäre nichts gewesen.

Und dann ist da noch der Name. Die Gleimstraße heißt nach Johann Wilhelm Ludwig Gleim, einem Dichter des 18. Jahrhunderts aus Halberstadt. Berühmt war er vor allem für seine Freundschaften: Er schrieb unzählige Briefe an andere Dichter und sammelte ihre Porträts in seinem Haus. Ein Dichter der Freundschaft als Namensgeber für einen Tunnel, der jahrzehntelang zwei Hälften einer Stadt voneinander trennte... die Geschichte hat manchmal einen bitteren Humor.

Weil er so düster und eigenartig ist, lieben Fotografen und Filmteams den Gleimtunnel, und Anwohner haben sich lange dafür eingesetzt, dass er rau und alt bleiben darf, statt glattsaniert zu werden. Für das letzte Stück gehst du wieder hinauf an den Rand des Mauerparks und ein kleines Stück nach Norden. Dort führt eine schmale Fußgängerbrücke über die Gleise, mit einem der besten Blicke auf Berlins Ringbahn.

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