Mauerpark und Hinterlandmauer
Why is it significant?
Du stehst am Hang des Mauerparks, und vor dir zieht sich ein langes Stück Betonmauer den Hügel entlang, über und über besprüht, Farbe auf Farbe auf Farbe. Irgendwo zischt gerade eine Spraydose, irgendwo spielt jemand Gitarre, und unten auf der großen Wiese liegen Leute in der Sonne.
Key Facts
| Place | Mauerpark und Hinterlandmauer |
|---|---|
| Address | Mauerpark, Gleimstraße 55, 10437 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.54280, 13.40350 |
| Part of Walk | Fenster, Tunnel, Todesstreifen: Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße und im Mauerpark |
| Generated | Generated |
Du stehst am Hang des Mauerparks, und vor dir zieht sich ein langes Stück Betonmauer den Hügel entlang, über und über besprüht, Farbe auf Farbe auf Farbe. Irgendwo zischt gerade eine Spraydose, irgendwo spielt jemand Gitarre, und unten auf der großen Wiese liegen Leute in der Sonne. Ein friedlicheres Bild an einem gefährlicheren Ort kann man sich kaum vorstellen.
Das hier ist keine Grenzmauer, sondern ein Rest der Hinterlandmauer, also der Mauer, die den Todesstreifen nach Osten abschloss. Die eigentliche Grenze lag weiter westlich, dort, wo heute die große Wiese ist. Das Gelände war früher ein Güterbahnhof, und mit der Teilung wurde aus dem Bahngelände ein breiter, leerer Grenzstreifen zwischen Prenzlauer Berg im Osten und dem Wedding im Westen.
Nach 1990 setzten sich Anwohner dafür ein, dass hier ein Park entsteht und keine Bürohäuser. Mit Geld unter anderem von einer Umweltstiftung wurde 1994 der Mauerpark eröffnet, entworfen vom Landschaftsarchitekten Gustav Lange. Und dann passierte, was in Berlin immer passiert: Die Leute machten etwas daraus, was kein Planer vorgesehen hatte. Flohmarkt, Trommler, Jongleure, Grillrauch, und im kleinen Amphitheater singen beim Karaoke wildfremde Menschen vor einem riesigen, gnadenlos jubelnden Publikum.
Dieses Stück Mauer ist heute eine der bekanntesten Wände Berlins, an denen Sprayer legal arbeiten dürfen. Ein Bauwerk, das Menschen einsperren sollte, ist zur Leinwand geworden, die ständig neu bemalt wird. Die Farbschichten sind inzwischen so dick, dass manche Berliner witzeln, die Mauer werde langsam wieder breiter... nur dass diesmal niemand etwas dagegen hat.
Von oben auf dem Hügel siehst du über die Dächer von Wedding und Prenzlauer Berg, zwei Stadtteile, die fast drei Jahrzehnte lang nicht zueinander konnten und heute einen gemeinsamen Park teilen. Auf der anderen Seite der Mauer liegt der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, wo zu DDR-Zeiten Fußball gespielt wurde, quasi mit Grenzblick. Geh jetzt am oberen Rand des Parks entlang nach Norden, bis zur Gleimstraße. Dort verschwindet die Straße in einem merkwürdigen, dunklen Tunnel.