Haus der Kulturen der Welt: die Schwangere Auster

Why is it significant?

Da liegt sie, direkt an der Spree, mit ihrem weit geschwungenen Dach, das aussieht, als würde gleich jemand den Deckel einer Auster aufklappen. Davor ein flaches Wasserbecken, und darin eine große Bronzeskulptur von Henry Moore: zwei geschwungene Hälften, die sich fast berühren, aber eben nur fast.

Key Facts

PlaceHaus der Kulturen der Welt: die Schwangere Auster
AddressJohn-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.51880, 13.36480
Part of WalkKuppel, Kanzlerwaschmaschine und Goldelse: Berlins Regierungsviertel und der Tiergarten
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Da liegt sie, direkt an der Spree, mit ihrem weit geschwungenen Dach, das aussieht, als würde gleich jemand den Deckel einer Auster aufklappen. Davor ein flaches Wasserbecken, und darin eine große Bronzeskulptur von Henry Moore: zwei geschwungene Hälften, die sich fast berühren, aber eben nur fast.

Die Berliner haben dieses Haus nie anders genannt als die Schwangere Auster. Offiziell war es die Kongresshalle, ein Geschenk der Vereinigten Staaten zur internationalen Bauausstellung Interbau 1957. Der amerikanische Architekt Hugh Stubbins sollte zeigen, was eine freie Gesellschaft bauen kann: offen, leicht, mutig. Und das mitten in einer Stadt, die gerade erst aus Trümmern wieder aufstand, keinen Kilometer von der Sektorengrenze entfernt. Die Kongresshalle war ein Schaufenster des Westens, und jeder wusste das.

Am 21. Mai 1980 stürzte ein großer Teil des Daches ein. Ein Mensch starb, mehrere wurden verletzt. Die Ursache war banal und tückisch: Feuchtigkeit hatte über die Jahre die Stahlspannglieder im Beton rosten lassen, und die kühn auskragende Dachkante war schlicht nicht für das Berliner Wetter gemacht. Man stritt lange, ob man das Haus überhaupt retten sollte, und baute die Auster schließlich wieder auf, rechtzeitig zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987.

Seit 1989 heißt das Haus Haus der Kulturen der Welt. Hier laufen Konzerte, Lesungen, Debatten und Ausstellungen mit Künstlerinnen und Denkern aus Lagos, Jakarta oder Bogotá, und im Sommer sitzen die Leute auf der Terrasse am Wasser und schauen den Ausflugsdampfern zu. Und wenn du Glück hast, hörst du gerade Glocken: Gleich nebenan steht der Carillon, ein schwarzer Turm mit 68 Glocken, ebenfalls zur 750-Jahr-Feier errichtet. Gespielt wird er von Hand, mit Fäusten und Füßen, an einer Art riesiger Holzklaviatur.

Die Skulptur im Becken heißt übrigens Butterfly, Schmetterling. Wer genauer hinschaut, sieht darin aber vor allem zwei Hälften, die zusammengehören und sich nicht ganz erreichen... In einer geteilten Stadt hat jeder darin gesehen, was er sehen wollte. Jetzt geht es quer durch den Tiergarten nach Südosten, bis zur breiten Straße des 17. Juni. Dort stehen zwei Panzer, und das ist kein Scherz.

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