Bundeskanzleramt und Band des Bundes
Why is it significant?
Vor dir steht ein weißer Würfel mit einem riesigen runden Loch in der Fassade, eingerahmt von zwei langen, niedrigen Flügeln.
Key Facts
| Place | Bundeskanzleramt und Band des Bundes |
|---|---|
| Address | Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.52020, 13.36910 |
| Part of Walk | Kuppel, Kanzlerwaschmaschine und Goldelse: Berlins Regierungsviertel und der Tiergarten |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein weißer Würfel mit einem riesigen runden Loch in der Fassade, eingerahmt von zwei langen, niedrigen Flügeln. Wenn du von hier nach Osten blickst, merkst du, dass er nicht allein ist: Kanzleramt, Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus liegen wie Perlen auf einer Schnur, quer durch den Spreebogen.
Die Berliner haben natürlich sofort einen Spitznamen gefunden: Waschmaschine. Schau dir das Bullauge an, dann weißt du, warum. Andere sagten Kohllosseum, weil Helmut Kohl den Bau bestellt hatte, eingezogen ist 2001 dann aber Gerhard Schröder. Entworfen haben das Haus Axel Schultes und Charlotte Frank, und die Hauptstadtpresse rechnet bis heute genüsslich vor, um ein Vielfaches größer es ist als das Weiße Haus in Washington.
Das Konzept dahinter heißt Band des Bundes. Schultes und Frank gewannen 1993 den Wettbewerb mit einem Riegel aus Regierungsbauten, der von West nach Ost verläuft und die Spree zweimal überquert. Das ist kein Zufall. Gleich östlich des Reichstags verlief bis 1989 die Grenze, und das Spreeufer, an dem heute das Lüders-Haus steht, gehörte zu Ost-Berlin. Ein Band von Häusern quer über die alte Trennlinie, das war Architektur als Geste der Einheit. Zwischen Paul-Löbe-Haus und Lüders-Haus spannen sich heute Brücken über den Fluss, auf denen Abgeordnete vom ehemaligen Westen in den ehemaligen Osten laufen, ohne es überhaupt zu merken.
Und jetzt das Detail, das fast alle übersehen. Such mal das einzige alte Haus weit und breit, einen grauen Bau aus der Kaiserzeit direkt neben dem Kanzleramt. Das ist die Schweizer Botschaft. Hier lag früher das Alsenviertel, ein vornehmes Wohnquartier. Für Hitlers Germania-Pläne wurde es großteils abgerissen, an dieser Stelle sollte die Große Halle entstehen, mit einer Kuppel, unter der der Reichstag gleich mehrfach Platz gehabt hätte. Den Rest erledigte der Krieg. Nur die Schweizer blieben stehen, neutral eben, bis heute.
Hinter dem Kanzleramt liegt auf der anderen Spreeseite sogar ein eigener Kanzlergarten, verbunden durch eine Brücke. Der Weg in den Garten führt also buchstäblich über die Spree, das hat nicht jeder Regierungschef der Welt. Für uns geht es weiter nach Westen. Folge der John-Foster-Dulles-Allee am Rand des Tiergartens, bis rechts am Wasser ein Dach auftaucht, das aussieht wie eine aufgeklappte Muschel.