Plaça de la Vila de Gràcia: Die Glocke, die nicht schweigen wollte

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Mitten auf dem Platz steht ein schlanker, hoher Glockenturm, ganz allein, ohne Kirche. Am Rand sitzen Leute auf Terrassen, Kinder jagen Tauben, und auf der Fassade des alten Rathauses flattern Fahnen. Für Gràcia ist dieser Turm so etwas wie ein Herz, das man von außen sehen kann.

Key Facts

PlacePlaça de la Vila de Gràcia: Die Glocke, die nicht schweigen wollte
AddressPlaça de la Vila de Gràcia, 08012 Barcelona, Spain
Geo Coordinates41.40020, 2.15760
Part of WalkGràcia in Barcelona: Plätze, Märkte, Casa Vicens und der Park Güell
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Mitten auf dem Platz steht ein schlanker, hoher Glockenturm, ganz allein, ohne Kirche. Am Rand sitzen Leute auf Terrassen, Kinder jagen Tauben, und auf der Fassade des alten Rathauses flattern Fahnen. Für Gràcia ist dieser Turm so etwas wie ein Herz, das man von außen sehen kann. Wenn hier etwas gefeiert, betrauert oder protestiert wird, dann meistens zu seinen Füßen.

Der Campanar de Gràcia wurde in den 1860er-Jahren nach Plänen von Antoni Rovira i Trias gebaut, einem Architekten, dem du später auf diesem Spaziergang noch einmal begegnen wirst. Er sollte die Bürger an Feste erinnern, an Feuer warnen und die Stunden schlagen. Berühmt wurde er aber durch etwas ganz anderes, durch ein paar Tage, in denen seine Glocke einfach nicht mehr aufhörte.

Im April 1870 weigerten sich viele Familien in Gràcia, ihre Söhne zum Militärdienst zu schicken, denn wer kein Geld hatte, um sich freizukaufen, musste gehen. Die Bewohner errichteten Barrikaden, Regierungstruppen belagerten das Dorf und beschossen es tagelang. Und während dieser ganzen Zeit läutete die Glocke im Turm, immer weiter, als Zeichen, dass Gràcia sich nicht ergab. Am Ende siegten die Truppen, Häuser waren beschädigt, es gab Tote und Verhaftete. Aber das Läuten blieb im Gedächtnis, und bis heute erzählen die Alten im Viertel davon, als wären sie selbst dabei gewesen.

Noch im selben Jahr erschien eine satirische Wochenzeitung, die sich La Campana de Gràcia nannte, die Glocke von Gràcia. Über Jahrzehnte nahm sie Politiker, Generäle und Bischöfe aufs Korn und wurde eine der bekanntesten Zeitschriften Kataloniens. Das Rathaus am Platz stammt übrigens von Francesc Berenguer, einem engen Mitarbeiter Gaudís, dessen Spuren du im ganzen Viertel finden wirst.

Wenn du am Abend wiederkommst, ist dieser Platz einer der lebendigsten von Gràcia, und nur ein paar Schritte nördlich liegt die Plaça del Sol, wo die Nächte noch länger sind. Jetzt aber geh nach Westen, quer über die Gran de Gràcia und durch die schmalen Straßen, bis du vor einer eisernen Markthalle mit bunten Wappen stehst.

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