Casa Calvet: der bravste Gaudí
Why is it significant?
Auf den ersten Blick wirkt dieses Haus fast brav: eine symmetrische Fassade aus hellem Sandstein vom Montjuïc, Balkone mit geschwungenen Eisengittern, oben zwei barock anmutende Giebel. Kein Drache, keine Wellen, keine bunten Scherben. Und doch stehst du vor einem Gaudí.
Key Facts
| Place | Casa Calvet: der bravste Gaudí |
|---|---|
| Address | Carrer de Casp 48, 08010 Barcelona, Spain |
| Geo Coordinates | 41.39080, 2.17320 |
| Part of Walk | Gaudí und der Modernisme in Barcelona: vom Passeig de Gràcia zur Sagrada Família |
| Generated | Generated |
Auf den ersten Blick wirkt dieses Haus fast brav: eine symmetrische Fassade aus hellem Sandstein vom Montjuïc, Balkone mit geschwungenen Eisengittern, oben zwei barock anmutende Giebel. Kein Drache, keine Wellen, keine bunten Scherben. Und doch stehst du vor einem Gaudí. Die Casa Calvet, gebaut von 1898 bis 1900, gilt als sein konventionellstes Werk... und genau das macht sie so spannend.
Bauherren waren die Erben des Textilfabrikanten Pere Màrtir Calvet. Unten lagen die Büros und Lager der Firma, darüber die Wohnung der Familie, ganz oben Mietwohnungen. Gaudí musste sich an Bauvorschriften und an die Nachbarhäuser halten, also tobte er sich in den Details aus. Schau hinauf zu den Giebeln: Dort thronen drei Heiligenbüsten, Petrus Märtyrer, der Namenspatron des verstorbenen Hausherrn, und zwei Heilige namens Genesius, die Schutzpatrone seines Heimatortes Vilassar.
Und dann der Erker über dem Eingang. Zwischen Ranken und Wappen wachsen dort steinerne Pilze, denn in der Familie Calvet gab es, so wird erzählt, einen leidenschaftlichen Pilzkundler. Darüber prangt das Initial C des Hausherrn. Am Eingangstor findest du einen Türklopfer, bei dem ein Kreuz auf eine Wanze niederfährt: Jedes Klopfen erschlägt symbolisch das Böse... oder zumindest das Ungeziefer.
Ausgerechnet dieses zurückhaltende Haus brachte Gaudí die einzige offizielle Auszeichnung zu Lebzeiten ein: 1900 gewann es den ersten Preis des neuen städtischen Wettbewerbs für das schönste Gebäude des Jahres. Für die Casa Batlló, die Casa Milà oder die Sagrada Família bekam er nie einen Preis. Die Stadt prämierte den Gaudí, den sie verstand, und wunderte sich über den Rest.
Gaudí entwarf hier sogar die Möbel für die Büros, Stühle und Bänke aus Eichenholz, deren Formen sich dem Körper anschmiegen, wie modelliert statt gezimmert. Designhistoriker sehen darin frühe Beispiele für ergonomische Möbel, Jahrzehnte bevor es das Wort dafür gab. Geh jetzt zurück Richtung Westen, am besten entlang der Gran Via de les Corts Catalanes, bis zum Passeig de Gràcia. Achte unterwegs auf das Pflaster und auf die Laternen.