Schreierstoren: Wo Henry Hudson ablegte

Why is it significant?

Vor dir duckt sich ein runder Backsteinturm ans Wasser, gedrungen, mit kleinen Fenstern und einem spitzen Dach, als hätte er sich gegen den Wind gestemmt. Das ist der Schreierstoren, gebaut um 1480 als Teil der mittelalterlichen Stadtmauer.

Key Facts

PlaceSchreierstoren: Wo Henry Hudson ablegte
AddressPrins Hendrikkade 94-95, 1012 AE Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.37710, 4.90150
Audio Duration~3 min
Part of WalkAmsterdam und die VOC: Hafen, Handel und die Schattenseite des Goldenen Zeitalters
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Vor dir duckt sich ein runder Backsteinturm ans Wasser, gedrungen, mit kleinen Fenstern und einem spitzen Dach, als hätte er sich gegen den Wind gestemmt. Das ist der Schreierstoren, gebaut um 1480 als Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Hier endete die Stadt, und dahinter begann das offene Wasser, über das die Schiffe hinaus zur Zuiderzee und weiter in die Welt fuhren. Der Name klingt nach Tränen, und genau so erzählt ihn die Legende: Hier hätten die Frauen der Seeleute gestanden und geweint, wenn die Schiffe ablegten. Ein alter Gedenkstein am Turm zeigt tatsächlich eine trauernde Frau. Sprachforscher sind nüchterner. Das alte Wort schreye bedeutete wohl einfach scharfe Ecke, denn an dieser Stelle machte die Mauer einen spitzen Knick. Ein Eckturm also... aber die Geschichte mit den weinenden Frauen hat sich einfach besser gehalten. Am 4. April 1609 brach von hier aus ein kleines Schiff namens Halve Maen auf, der Halbmond. Kapitän war der Engländer Henry Hudson, sein Auftraggeber die Vereinigte Ostindische Kompanie, die VOC. Er sollte einen Seeweg nach Asien finden, oben um Russland herum. Das Eis machte ihm einen Strich durch die Rechnung, also drehte er eigenmächtig nach Westen und segelte in Nordamerika einen breiten Fluss hinauf, der heute seinen Namen trägt. Eine Bronzetafel am Turm erinnert daran. Ohne diese Fahrt kein Nieuw Amsterdam... und später kein New York. Wer eigentlich stand auf den Decks dieser Schiffe? Längst nicht nur Holländer. Fast eine Million Menschen fuhren im Lauf von knapp zweihundert Jahren für die VOC nach Asien, und ein großer Teil der Matrosen und vor allem der Soldaten kam aus deutschen Landen, aus Westfalen, Ostfriesland, dem Rheinland oder Hessen. Viele waren als Hollandgänger gekommen, als Saisonarbeiter für Heu und Torf, und blieben dann am Hafen hängen. Sehr viele von ihnen sahen ihre Heimat nie wieder. Wenn du die Hand auf die alten Ziegel legst, berührst du so etwas wie die letzte Haltestelle Europas für Zehntausende junger Männer. Vielleicht weint die Legende also doch nicht ganz grundlos. Geh jetzt die Prins Hendrikkade entlang nach Südosten, bis an einer Ecke ein Gebäude auftaucht, das aussieht wie der Bug eines Schiffes aus Backstein.

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