Gerard Douplein: Borrel und Bitterballen

Why is it significant?

Bleib am Rand dieses kleinen Platzes stehen und schau den Terrassen zu: Bistrotische dicht an dicht, Leute mit Jacke und Sonnenbrille, vor ihnen kleine Gläser Bier und ein Teller mit goldbraunen Kugeln. Was du da siehst, hat einen Namen, und für Niederländer ist es beinahe heilig.

Key Facts

PlaceGerard Douplein: Borrel und Bitterballen
AddressGerard Douplein, 1072 Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.35600, 4.89320
Part of WalkAmsterdam De Pijp: Bier, Hering und Stroopwafel am Albert-Cuyp-Markt
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Bleib am Rand dieses kleinen Platzes stehen und schau den Terrassen zu: Bistrotische dicht an dicht, Leute mit Jacke und Sonnenbrille, vor ihnen kleine Gläser Bier und ein Teller mit goldbraunen Kugeln. Was du da siehst, hat einen Namen, und für Niederländer ist es beinahe heilig. Das ist der Borrel.

Ein Borrel ist kein Abendessen und keine Party. Es ist die Stunde nach der Arbeit, in der man zusammen etwas trinkt und dazu Kleinigkeiten knabbert: Käsewürfel mit Senf, Scheiben von trockener Wurst und vor allem Bitterballen. Das sind kleine panierte Kugeln aus dickem Ragout, meist mit Rindfleisch, frittiert, außen knusprig und innen so heiß, dass sich fast jeder Besucher beim ersten Biss die Zunge verbrennt. Der Trick unter Einheimischen: kurz warten, in Senf tunken, dann vorsichtig abbeißen.

Bitter sind sie übrigens überhaupt nicht. Der Name stammt aus der Zeit, als man zum Borrel einen Bitter trank, einen Schnaps mit Kräutern, und die Kugeln eben dazu aß. Auch das Wort Borrel bedeutete ursprünglich nichts anderes als ein Gläschen Genever. Aus dem Gläschen wurde mit der Zeit ein ganzes Ritual, das Kollegen, Nachbarn und Freunde zusammenbringt, und kaum eine Firmenfeier im Land kommt ohne ihn aus.

Und der Mann, nach dem der Platz heißt? Gerard Dou kam 1628 als Vierzehnjähriger in Leiden in die Lehre bei einem jungen, noch unbekannten Maler namens Rembrandt. Er wurde dessen erster Schüler und später einer der teuersten Maler seiner Zeit, berühmt für winzige, unglaublich feine Szenen bei Kerzenlicht. Man erzählt sich, er habe so pingelig gearbeitet, dass er vor jedem Pinselstrich still dasaß, bis sich der Staub in seinem Atelier gelegt hatte.

Ein Viertel voller Genuss hätte ihm wohl gefallen. Ab den 1960er- und 70er-Jahren zogen Studenten, Künstler und Einwanderer in die billigen Wohnungen von De Pijp, und das Viertel bekam den Spitznamen Quartier Latin von Amsterdam. Billig ist hier heute nichts mehr, aber der Borrel ist geblieben. Geh nun zurück auf den Markt, wende dich nach links und halte nach den Fischständen Ausschau, an denen Leute einen Fisch am Schwanz in die Höhe halten.

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