Lloyd Hotel: Das Hotel der Auswanderer

Why is it significant?

Vor dir steht ein großes, ernstes Gebäude aus Backstein, streng gegliedert, mit regelmäßigen Fensterreihen. Es sieht eher nach Behörde aus als nach Urlaub. Und doch war es von Anfang an ein Hotel... nur eines, in dem die Gäste nicht ankommen, sondern fortwollten.

Key Facts

PlaceLloyd Hotel: Das Hotel der Auswanderer
AddressOostelijke Handelskade 34, 1019 BN Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.37420, 4.93480
Part of WalkAmsterdam am Wasser: Östliche Hafeninseln, NEMO und die Python-Brücke
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Vor dir steht ein großes, ernstes Gebäude aus Backstein, streng gegliedert, mit regelmäßigen Fensterreihen. Es sieht eher nach Behörde aus als nach Urlaub. Und doch war es von Anfang an ein Hotel... nur eines, in dem die Gäste nicht ankommen, sondern fortwollten.

Die Reederei Koninklijke Hollandsche Lloyd ließ das Haus als Unterkunft für Auswanderer bauen, die mit ihren Schiffen nach Südamerika fahren wollten, vor allem nach Brasilien und Argentinien. 1921 wurde es eröffnet. Viele der Gäste kamen aus Mittel- und Osteuropa, darunter zahlreiche jüdische Familien, die Armut und Verfolgung hinter sich lassen wollten. Hier warteten sie auf ihr Schiff, wurden untersucht, registriert, und schliefen in großen Sälen, oft zum ersten Mal in ihrem Leben in einem fremden Land.

Doch das Geschäft mit den Auswanderern brach bald ein, und die Reederei geriet in Schwierigkeiten. Was danach kam, ist eine düstere Abfolge. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die deutschen Besatzer das Haus als Gefängnis. Nach dem Krieg blieb es ein Ort hinter Gittern, jahrzehntelang eine Strafanstalt für Jugendliche. Wo einmal Menschen auf ein neues Leben gewartet hatten, warteten nun junge Häftlinge auf ihre Entlassung.

Ende der 1980er-Jahre zogen die Gefangenen aus und Künstler ein, die die alten Zellen als Ateliers nutzten. Und dann kam eine Idee, so kühn wie typisch für Amsterdam: Das Gebäude sollte wieder werden, was es einmal war. 2004 eröffnete es erneut als Hotel, umgebaut unter anderem vom Rotterdamer Büro MVRDV, mit Zimmern von ganz schlicht bis luxuriös, jedes anders, für jeden Geldbeutel. Gerade diese Mischung war Programm: ein Haus für alle, wie damals.

Denk daran, wenn du einen Blick in die Halle wirfst: Vor gut hundert Jahren saßen hier Menschen mit allem, was sie besaßen, in ein paar Koffern und warteten auf ein Schiff über den Ozean. Viele von ihnen sahen Europa nie wieder. Geh jetzt nach Osten auf die schmale Halbinsel Sporenburg, bis du vor einem riesigen, schrägen Block mit einer Haut aus grauem Metall stehst.

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