Mozes en Aäronkerk und der Waterlooplein

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Vor dir erhebt sich eine Kirche, die aussieht wie ein antiker Tempel: helle Säulen, ein Dreiecksgiebel, darüber zwei Türme. Und ausgerechnet diese katholische Kirche mitten im alten jüdischen Viertel trägt die Namen zweier Gestalten der hebräischen Bibel: Mozes en Aäron, Mose und Aaron.

Key Facts

PlaceMozes en Aäronkerk und der Waterlooplein
AddressWaterlooplein 205, 1011 PG Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.36830, 4.90320
Part of WalkAmsterdams Jüdisches Viertel und die Plantage: Synagogen, Widerstand und Erinnerung
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Vor dir erhebt sich eine Kirche, die aussieht wie ein antiker Tempel: helle Säulen, ein Dreiecksgiebel, darüber zwei Türme. Und ausgerechnet diese katholische Kirche mitten im alten jüdischen Viertel trägt die Namen zweier Gestalten der hebräischen Bibel: Mozes en Aäron, Mose und Aaron.

Der Name ist älter als das Gebäude. Nach der Reformation durften Katholiken in Amsterdam lange keine öffentlichen Gottesdienste feiern, also trafen sie sich in versteckten Hauskirchen. Eine davon lag in einem Haus, das an der Fassade Giebelsteine mit Mose und Aaron trug, und von dort hat die Gemeinde ihren Namen. Die heutige Kirche wurde erst 1841 fertig, als Katholiken längst wieder sichtbar beten durften.

Jetzt dreh dich zum Waterlooplein um. Bis 1882 floss hier Wasser, die Houtgracht und die Leprozengracht. Dann wurden die Kanäle zugeschüttet, und auf dem neuen Platz entstand ein Markt, der zum lautesten Ort der Jodenhoek wurde. Händler riefen Stoffe, alte Kleider, Eisenwaren und Fisch aus. Am Freitagnachmittag wurde es besonders hektisch, denn vor Sonnenuntergang und dem Beginn des Schabbat musste alles verkauft und eingepackt sein. Arm war das Viertel, eng und überfüllt, aber voller Witz, und viele Wörter von damals stecken bis heute im Amsterdamer Dialekt: mazzel für Glück, mesjogge für verrückt, und Mokum, vom hebräischen Wort für Ort, der liebevolle Spitzname der ganzen Stadt.

Im Februar 1941 ließen die deutschen Besatzer das Viertel abriegeln. Brücken wurden hochgezogen, Schilder mit der Aufschrift Joodsche Wijk aufgestellt. Schritt für Schritt drängte man jüdische Händler aus dem Wirtschaftsleben, verbot ihnen Berufe, Parks, Straßenbahnen. Als der Krieg vorbei war, gab es die Welt, die diesen Markt getragen hatte, nicht mehr. Nur wenige der früheren Händler kehrten zurück, andere übernahmen die Stände, und der Markt lebte weiter, als hätte er sein Gedächtnis verloren.

Heute ist der Waterlooplein ein Flohmarkt mit alten Schallplatten, Lederjacken und Kuriositäten... und, ohne dass es die meisten merken, ein Stück Erinnerung. Geh jetzt über den Platz nach Süden zur Nieuwe Amstelstraat, zu dem Ensemble aus Backsteinbauten, in dem einst vier Synagogen standen.

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