Königliche Presqu'île von Lyon: Monumentale Plätze, Soufflots Kuppel und der Bartholdi-Brunnen

Vom weitläufigen Place Bellecour und dem Grand Hôtel-Dieu zum Place des Terreaux und Rathaus

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  1. 1. Place Bellecour und das Reiterstandbild Ludwigs XIV.

    Place Bellecour 1, 69002 Lyon, France

    Betreten Sie die weitläufige, rotbraune Schotterfläche des Place Bellecour, das monumentale bürgerliche Herz und den geografischen Mittelpunkt der Presqu'île von Lyon. Mit über zweiundsechzigtausend Quadratmetern Fläche gilt dieser gigantische Platz als die größte unbebaute Fußgängerzone Europas, die ohne Baumpflanzungen oder Rasenflächen den Blick ungehindert zur weithin sichtbaren Basilika Fourvière auf dem westlichen Höhenzug freigibt. Im geometrischen Zentrum ragt das bronzene Reiterstandbild von König Ludwig XIV. empor, 1825 von Bildhauer François-Frédéric Lemot als Ersatz für das in der Revolution von 1793 zerstörte königliche Originaldenkmal geschaffen. Der Sonnenkönig reitet majestätisch im antiken römischen Gewand ohne Steigbügel, ein Zeichen herrscherlicher Würde und des königlichen Schutzes für die Lyoner Seidenmanufakturen. Den Platz säumen elegante klassizistische Pavillonbauten, die unter Napoleon Bonaparte nach den Verwüstungen der Belagerung von 1793 neu errichtet wurden. Von hier aus zweigen die vornehmsten Einkaufsstraßen der Stadt nach Norden ab, belebt von Fußgängern, Straßenmusikanten und Familien beim Wochenendspaziergang. Die Einheimischen verabreden sich seit Generationen unter dem Pferdeschwanz, bevor sie die Geschäftsstraßen erkunden. Der weite Himmel über der Halbinsel taucht das Areal in klares Licht. In den umliegenden Straßen laden traditionelle Cafés und elegante Boutiquen zum Verweilen ein, während der Platz selbst als weitläufige Oase der Ruhe inmitten der Großstadt dient.

    Betrachten Sie den Sockel des Monuments: die beiden bronzenen Flussallegorien von Guillaume Coustou verkörpern die beiden Lebensadern Lyons, die ungestüme Rhône als kraftvollen Greis und die sanfte Saône als anmutige Liegende.

    In der südwestlichen Ecke des Platzes erinnert eine Bronzeskulptur an den 1900 unweit hier geborenen Schriftsteller und Flugpionier Antoine de Saint-Exupéry, der gemeinsam mit seinem kleinen Prinzen in die Sterne blickt.

    Achten Sie auf den rötlichen Bodenbelag: der feine Porphyrsplitt stammt aus den nahegelegenen Hügeln des Beaujolais und verleiht dem Platz im Sonnenlicht seinen warmen terrakottafarbenen Glanz.

    Gehen Sie nun nach Südosten über die freie Fläche zum markanten Turm des Clocher de la Charité.

  2. 2. Clocher de la Charité und Place Antonin Poncet

    Place Antonin Poncet 1, 69002 Lyon, France

    Verweilen Sie auf dem ruhigen, mit Platanen bepflanzten Place Antonin Poncet vor dem freistehenden Steinturm des Clocher de la Charité, der sich nobel gegen den Stadthimmel abhebt. Entworfen im Jahr 1667 vom städtischen Architekten Jacques Mimerel, ist dieser barocke Kirchturm das einzige erhaltene Bauzeugnis des monumentalen Hôpital de la Charité, das 1614 gegründet worden war, um den Ärmsten, verwaisten Kindern und schutzlosen Pilgern Zuflucht zu bieten. Als die Stadtverwaltung die weitläufigen Spitalgebäude 1933 abriss, um eine Sichtachse zum Flussufer der Rhône zu öffnen, erstritten engagierte Bürger den Erhalt dieses Glockenturms als Denkmal dreier Jahrhunderte städtischer Nächstenliebe und Medizingeschichte. Der Platz wurde neu gestaltet und nach Antonin Poncet benannt, einem wegweisenden Lyoner Chirurgieprofessor, der moderne antiseptische Behandlungsmethoden in den Operationssälen einführte. Die sorgfältig behauenen Werksteinquader aus goldenem Kalkstein strahlen im Sonnenlicht Wärme aus, während die umstehenden Bänke unter den Baumkronen zu beschaulicher Betrachtung der Flussnähe einladen. Das Rauschen der flachen Wasserbecken und die schattenspendenden Bäume laden zum Innehalten ein. Das warme Mauerwerk aus edlem Werkstein atmet historische Würde. Das gleichmäßige Plätschern der Wasserbecken und die ruhige Atmosphäre der Alleen machen diesen Ort zu einem beliebten Treffpunkt für Schachspieler und Spaziergänger aller Generationen. Im Schatten der Bäume finden Berufstätige in der Mittagspause wohltuende Erholung.

    Bewundern Sie die durchbrochene Steinbalustrade und die achteckige Kuppelbekrönung: Mimerel verband klassische Strenge mit barocker Leichtigkeit und schuf eine der harmonischsten Turmsilhouetten der Region.

    Im historischen Armenhaus existierte eine geheime Drehlade, in die verzweifelte Mütter ihre neugeborenen Kinder anonym legen konnten, damit die barmherzigen Schwestern für ihr Überleben sorgten.

    Betrachten Sie das Hauptpostgebäude an der Westseite: 1938 von Michel Roux-Spitz im Art-déco-Stil erbaut, zeigt es ein neunzig Meter langes monumentales Steinrelief zur Geschichte des Nachrichtenwesens.

    Gehen Sie nun nach Nordosten am Quai Jules Courmont entlang zur monumentalen Fassade des Grand Hôtel-Dieu.

  3. 3. Grand Hôtel-Dieu und Soufflots Monumentale Kuppel

    Quai Jules Courmont 1, 69002 Lyon, France

    Richten Sie Ihren Blick auf die fast vierhundert Meter lange Uferfront des Grand Hôtel-Dieu, die sich majestätisch entlang des Quai Jules Courmont am Ufer der Rhône hinzieht. Als eines der herausragendsten Meisterwerke des französischen Klassizismus wurde dieser monumentale Spitalkomplex ab 1741 von dem genialen Baumeister Jacques-Germain Soufflot entworfen, der später mit dem Panthéon in Paris Weltruhm erlangte. In der Mitte der streng gegliederten Werksteinfassade ragt die zweiunddreißig Meter hohe Hauptkuppel empor, bekrönt von einer steinernen Laterne und der Statue der Barmherzigkeit. Über acht Jahrhunderte lang, von den Anfängen im zwölften Jahrhundert als Pilgerhospiz bis zur Schließung des Krankenhauses im Jahr 2010, fanden hier Kranke aller Stände unentgeltliche Pflege und Heilung. Bereits 1532 wirkte der weltberühmte Humanist und Schriftsteller François Rabelais hier als leitender Spitalarzt, während er an seinem unsterblichen Werk Gargantua schrieb. Die monumentale Uferzeile mit ihren rhythmischen Pilastern und gequaderten Sockelgeschossen galt damals als revolutionäres Vorbild für moderne Hospitalbauten in ganz Europa. Nach einer preisgekrönten Restaurierung im Jahr 2018 erstrahlt der weiße Stein in altem Glanz. Die Spiegelung der Kuppel im Flusswasser begeistert jeden Betrachter. Die weitläufigen Innenhöfe des historischen Spitals dienten früher den Ärzten und Ordensschwestern als Wandelgänge, auf denen sie sich zwischen den anstrengenden Visiten erholen konnten.

    Bestaunen Sie die bautechnische Raffinesse der Soufflot-Kuppel: als doppelschalige Steinkuppel konstruiert, erzeugte sie einen natürlichen thermischen Luftzug, der verbrauchte Luft aus den Krankensälen ins Freie abführte.

    François Rabelais bezog als Spitalarzt 1532 ein Jahresgehalt von fünfzig Livres und nutzte die ruhigen Nachtdienste im Lazarett, um an seinen satirischen Riesenromanen zu feilen.

    Über ein Drittel aller Bewohner Lyons erblickte im zwanzigsten Jahrhundert in der hiesigen Geburtsklinik das Licht der Welt, was die tiefe emotionale Verbundenheit der Bürger mit dem Monument erklärt.

    Betreten Sie nun das Innere des Komplexes, um die stillen Gartenhöfe der Cour du Midi zu erkunden.

  4. 4. Cour du Midi und die Kreuzgänge des Hôtel-Dieu

    Rue Bellecordière 1, 69002 Lyon, France

    Treten Sie durch den steinernen Torbogen in die wohltuende Stille der Cour du Midi, dem klösterlichen Herzen des weitläufigen Grand Hôtel-Dieu von Lyon. Sobald Sie die mächtigen Kalksteinmauern durchqueren, verstummt der Lärm des städtischen Verkehrs völlig und weicht dem Plätschern historischer Brunnenbecken und dem Duft von Buchsbaum, Salbei und Lavendel. Dieses Ensemble aus acht miteinander verbundenen Innenhöfen und Kreuzgängen strukturierte die Spitaltrakte des achtzehnten Jahrhunderts mit aufklärerischer Klarheit, um den Kranken Licht, frische Luft und Ruhe zu sichern. Unter den hellen Rundbogenarkaden wandelten einst die Ordensschwestern der Heiligen Martha, die die Krankenpflege über Jahrhunderte hinweg mit aufopferungsvoller Hingabe versahen. Hier befand sich auch die berühmte historische Spitalapotheke, in der die Arzneien aus frischen Alpenkräutern zubereitet und in kostbaren Fayence-Gefäßen verwahrt wurden. Zwischen den Arkadenbögen laden heute moderne Cafés und Buchhandlungen zum Flanieren ein, während das Lichtspiel auf den hellen Steinplatten eine heitere Gelassenheit verbreitet. Die 2018 vollendete Restaurierung öffnete diese ehemals verschlossenen Refugien für die Öffentlichkeit. Ein kühnes Glasdach schützt den Innenhof dezent vor Witterungseinflüssen. Die Atmosphäre atmet geistige Sammlung. Durch die behutsame Restaurierung blieben historische Brunnenbecken, steinerne Waschtröge und originale Fensterbögen erhalten, die dem modernen Passanten die klösterliche Vergangenheit vor Augen führen.

    Blicken Sie nach oben zur Dachkonstruktion der Cour du Midi: ein futuristisches, rautenförmiges Glas- und Stahldach wölbt sich hoch über dem Hof, ohne die historischen Barockfassaden zu berühren.

    Die Hospitalschwestern legten ein Gelübde lebenslanger Armut ab und führten Säle mit bis zu sechzig Betten, in denen jeder Patient täglich eine Schale heiße Fleischbrühe und frisches Brot erhielt.

    Achten Sie auf die steinernen Wandbänke unter den Arkaden: hier ruhten die Rekonvaleszenten bei ihren ersten Schritten nach überstandener Krankheit an der frischen Luft.

    Verlassen Sie den Komplex nach Norden über die Rue Bellecordière zum weitläufigen Place de la République.

  5. 5. Place de la République und das Spiegelbecken

    Place de la République 1, 69002 Lyon, France

    Treten Sie hinaus auf den lebendigen, sonnenbeschienenen Place de la République, den pulsierenden städtischen Knotenpunkt im Zentrum der Presqu'île von Lyon. Zur Zeit des Zweiten Kaiserreichs unter dem tatkräftigen Präfekten Claude-Marius Vaïsse angelegt, der als Haussmann von Lyon in die Geschichte einging, entstand der Platz als Teil einer über einen Kilometer langen Prachtstraße zwischen Bellecour und der Oper. Die monumentalen großbürgerlichen Palaisfassaden aus hellem Sandstein zeigen umlaufende Schmiedeeisenbalkone, korinthische Pilaster und hohe Zinkmansarddächer im reinsten Pariser Imperialstil. Die Mitte des weiträumigen Platzes wird von einem vierhundert Quadratmeter großen, flachen Wasserbecken eingenommen, das als urbaner Spiegel den Himmel, die Baumkronen der Rosskastanien und die historischen Fassaden widerspiegelt. Elegante Modegeschäfte, traditionelle Konditoreien und belebte Schanigärten säumen die Gehwege, auf denen das geschäftige Leben der Lyoner Kaufmannselite seit über hundertfünfzig Jahren seinen Takt findet. Zahlreiche Spaziergänger und Studenten sitzen auf den grauen Graniträndern des Beckens, während rundherum elegante Passagen und Straßencafés zum Bummeln einladen. Das geschäftige Treiben der Fußgängerzone verleiht dem Ort großstädtischen Schwung. Die Wasserfläche schimmert im Tageslicht. Die breiten Trottoirs bieten reichlich Platz für Straßenmusikanten, Zeitungsleser und Familien, die das pulsierende Herz der Lyoner Einkaufsmeile in vollen Zügen genießen.

    Blicken Sie auf die glatte Wasseroberfläche des Spiegels: 1995 von Architekt Alain Sarfati neu gestaltet, sorgt ein ständiger Kreislauf dafür, dass abends die goldenen Fassadenbeleuchtungen funkelnd gespiegelt werden.

    An der Ecke zur Prachtstraße wurde am 24. Juni 1894 der französische Staatspräsident Marie François Sadi Carnot nach dem Verlassen eines Festbanketts vom italienischen Anarchisten Sante Caserio tödlich niedergestochen.

    Die Rue de la République hieß ursprünglich Rue Impériale zu Ehren Napoleons III., wurde jedoch nach dem Sturz des Kaiserreichs 1870 von den stolzen Bürgern sofort in Straße der Republik umbenannt.

    Biegen Sie nach Westen in die Rue Grenette ein, um die traditionsreiche Gastronomenmeile Rue Mercière zu betreten.

  6. 6. Rue Mercière und die Traditionellen Bouchons Lyonnais

    Rue Mercière 45, 69002 Lyon, France

    Atmen Sie die verlockenden Aromen von geschmorter Hechtklößchen-Sauce, gratinierten Kartoffeln und feiner Butter ein, wenn Sie die kopfsteingepflasterte Rue Mercière betreten. Diese schmale Gasse, eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Straßen der Presqu'île, war im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert die europäische Hauptstadt des humanistischen Buchdrucks: über hundert Druckerwerkstätten und Buchläden brachten hier Werke von Erasmus von Rotterdam und Rabelais heraus, bevor Religionskriege die Meister vertrieben. Im Jahr 1958 wurde die historische Gasse wie durch ein Wunder vor städtischen Abrissplänen gerettet, die moderne Wohnblöcke vorsahen, und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zum kulinarischen Wahrzeichen Lyons. Ihre Renaissance-Bürgerhäuser mit Rundbogenportalen, schweren Eichentüren und verborgenen Innenhöfen beherbergen heute Dutzende traditioneller Bouchons. Hinter den Butzenscheiben dampfen herzhafte Fleischterrinen, während die Kellner in schwarzen Schürzen mit geübten Handgriffen Krüge voll rubinrotem Côtes du Rhône an die Holztische bringen. An den eng gestellten Tischen mit rot-weiß karierten Tischdecken werden die deftigen Spezialitäten serviert, die Lyon den Ehrentitel der Welthauptstadt der Gastronomie einbrachten. Fröhliche Stimmen und das Klirren der Weinkaraffen erfüllen die Gasse mit ansteckender Lebensfreude. An den Wänden der kleinen Wirtsstuben hängen vergilbte Fotografien berühmter Gäste und alte Kupferstiche, die von der langen gastronomischen Tradition dieser berühmten Gasse künden.

    Achten Sie auf die Hausnummern 45 und 49: die gemeißelten Sandsteinfassaden und Fensterpfosten aus goldenem Couzon-Kalkstein bezeugen den einstigen Reichtum der hier ansässigen florentinischen Seidenhändler.

    Der Name Bouchon geht auf kleine Stroh- oder Reisigbündel zurück, die Gastwirte früher über die Tür hängten, um Fuhrleuten zu signalisieren, dass ihre Kutschpferde hier während der Rast abgerieben werden konnten.

    Den Weltruf der hiesigen Gastronomie begründeten die Mères Lyonnaises: bürgerliche Köchinnen, die eigene Lokale eröffneten und mit Gerichten wie Tablier de Sapeur und Andouillette Geschichte schrieben.

    Gehen Sie die Rue Mercière nach Süden entlang, um auf den kreisrunden Place des Jacobins zu gelangen.

  7. 7. Place des Jacobins und der Brunnen der Vier Künstler

    Place des Jacobins 1, 69002 Lyon, France

    Stellen Sie sich vor den strahlend weißen Marmorbrunnen Fontaine des Quatre Artistes im Zentrum des kreisrunden Place des Jacobins. Angelegt auf dem Gelände eines im Jahr 1218 gegründeten Klosters der Dominikanermönche, die in Frankreich wegen ihres Pariser Stammhauses Rue Saint-Jacques volkstümlich Jakobiner genannt wurden, erhielt der Platz Ende des neunzehnten Jahrhunderts seine heutige repräsentative Gestalt. Das monumentale Brunnenmonument wurde 1885 nach Plänen des berühmten Lyoner Architekten Gaspard André aus edlem weißem Carrara-Marmor errichtet. Es ehrt vier herausragende Schöpfergestalten der Kunstgeschichte, die in Lyon geboren wurden: den Renaissance-Architekten Philibert Delorme, den Barockbildhauer Guillaume Coustou, den Kupferstecher Gérard Audran und den Maler des neunzehnten Jahrhunderts Hippolyte Flandrin. Unter einem von korinthischen Säulen getragenen Rundtempel blicken die vier Statuen in die Himmelsrichtungen, während klares Wasser über geschwungene Becken kaskadiert. Rings um den Brunnen erheben sich herrschaftliche Stadtpalais mit kunstvollen Zinkdächern und schmiedeeisernen Balkongittern, die ein vollendetes Bild französischer Stadtbaukunst des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts vermitteln. Zwölf Straßen münden sternförmig auf diesen urbanen Platz. Das weiße Marmorwerk hebt sich leuchtend von den ockerfarbenen Palais ab. Rund um den Brunnen laden steinerne Sitzbänke unter Platanen zum Ausruhen ein, von denen aus sich das lebendige Treiben der umliegenden Prachtstraßen entspannt beobachten lässt.

    Bewundern Sie die architektonische Ausgewogenheit des Brunnentempels: Gaspard André stimmte die Höhe der Kuppel exakt auf die umstehenden Bürgerhäuser ab, um die Sichtachse zu den fernen Hügeln freizuhalten.

    Während der Hochphase der Französischen Revolution im Jahr 1794 hieß der Platz Place de la Fraternité, und hier stand eine der Guillotinen, auf der zahlreiche Bürger hingerichtet wurden.

    Betrachten Sie die Statue von Philibert Delorme mit dem Zirkel in der Hand: dieser Meister erfand ein revolutionäres Holzgewölbesystem, das die europäische Dachkonstruktion nachhaltig veränderte.

    Biegen Sie nach Westen in die Rue des Célestins ein, um den eleganten Platz des Théâtre des Célestins zu erreichen.

  8. 8. Théâtre des Célestins und das Periskop des Platzes

    Place des Célestins 4, 69002 Lyon, France

    Blicken Sie auf die vornehme neoklassizistische Schaufassade des Théâtre des Célestins, das sich mit italienischer Theatergrandezza am Ende eines von Magnolienbäumen gesäumten Platzes erhebt. Auf den Gründen eines alten Klosters der Zölestinermönche errichtet, das 1407 von Amadeus VIII. von Savoyen gestiftet worden war, wurde das heutige Theatergebäude 1877 nach einem verheerenden Brand von Stararchitekt Gaspard André neu erbaut. Sein Säulenportikus mit sechs ionischen Kolossalsäulen und Theatermasken führt in einen der prächtigsten italienischen Hufeisensäle Frankreichs mit rotem Samt, vergoldeten Logenbrüstungen und einem Kuppelgemälde von Joanny Domer. Doch die verblüffendste Überraschung birgt das Pflaster des Vorplatzes: ein bronzenes Sehrohr, das 1994 von Konzeptkünstler Daniel Buren geschaffen wurde. Beugt man sich über die Glaslinse dieses Periskops, blickt man in das Innere einer zylindrischen Tiefgarage hinab, wo sich ein riesiger Drehspiegel lautlos dreht und das Tageslicht in faszinierende kinetische Muster zerlegt. Besucher verweilen fasziniert an dieser optischen Schnittstelle, die den unterirdischen Funktionsraum auf spielerische Weise mit der oberirdischen Theaterbühne und dem städtischen Freiraum verknüpft. Zeitgenössische Konzeptkunst begegnet klassischer Bühnentradition. Das Zusammenspiel verzaubert die Sinne. Das historische Theaterfoyer im Inneren glänzt mit Kristallkronleuchtern, venezianischen Spiegeln und vergoldeten Stuckaturen, die das Publikum seit Generationen in festliche Stimmung versetzen. Vor Vorstellungsbeginn versammeln sich die Theatergäste hier zu anregenden Gesprächen.

    Blicken Sie durch die Linse des Periskops: das Kunstwerk Sens Dessus Dessous von Daniel Buren verwandelte eine funktionale Tiefgarage in eine rotierende Lichtskulptur von internationalem Rang.

    Auf den Brettern dieses Theaters standen weltberühmte Bühnenlegenden wie Sarah Bernhardt, Jean Cocteau, Jean Marais und die unvergessene Chansonsängerin Édith Piaf.

    Die Neugestaltung des Platzes wurde im Jahr 2000 mit dem renommierten Europäischen Preis für städtischen öffentlichen Raum ausgezeichnet, was Lyons Vorreiterrolle bei Fußgängerzonen unterstrich.

    Gehen Sie nun nach Norden zur Rue de la Fromagerie, um die beiden Türme der Kirche Saint-Nizier zu erblicken.

  9. 9. Kirche Saint-Nizier und die Frühchristliche Krypta

    Rue de la Fromagerie 1, 69002 Lyon, France

    Blicken Sie hinauf zu den steilen gotischen Turmspitzen der Kirche Saint-Nizier, dem glanzvollen Höhepunkt der Flamboyant-Gotik auf der Presqu'île von Lyon. Zwischen dem vierzehnten und sechzehnten Jahrhundert durch wohlhabende Kaufmannszünfte errichtet, ruht das Gotteshaus auf uralten Fundamenten: bereits im fünften Jahrhundert erbaute Bischof Eucherius hier eine frühchristliche Basilika über der Krypta, die der Überlieferung nach die Asche der ersten gallischen Märtyrer aus dem Jahr 177 nach Christus barg. Die Westfassade fasziniert durch ihre markante Asymmetrie: während der Nordturm eine durchbrochene spätgotische Sandsteinnadel trägt, schließt der Südturm mit einer Ziegelspitze des neunzehnten Jahrhunderts ab. In der Fassadenmitte zieht ein prächtiges Renaissanceportal in Form eines römischen Triumphbogens alle Blicke auf sich, 1579 von dem berühmten Baumeister Philibert Delorme geschaffen. Im lichterfüllten Innenraum streben kühne Kreuzrippengewölbe empor, geschmückt mit farbigen Schlusssteinen und Maßwerkfenstern. Reich geschnitzte Seitenaltäre, feine Statuen der Schutzheiligen und eine bemerkenswerte Kanzel aus poliertem Marmor zeugen von der tiefen Frömmigkeit der Lyoner Handwerksmeister vergangener Epochen. Die Stille des Kirchenraums lädt nach dem Trubel der Einkaufsstraßen zur Einkehr ein. Die jahrhundertealte Spiritualität ist greifbar nah. Die spätgotischen Maßwerkfenster der Seitenschiffe erzählen in leuchtenden Farben biblische Geschichten, die den Gläubigen schon im Mittelalter als anschauliche Armenbibel dienten.

    Beachten Sie den stilistischen Mut des Delorme-Portals: das Einfügen eines klassisch-antiken Rundbogens in eine spätgotische Flamboyant-Fassade galt im sechzehnten Jahrhundert als revolutionärer Kunstgriff.

    Im Juni 1975 besetzten über hundert Lyoner Sexarbeiterinnen diese Kirche acht Tage lang friedlich, um gegen polizeiliche Willkür zu protestieren, was die weltweite Bürgerrechtsbewegung der Branche anstieß.

    In der Krypta unter dem Altarraum ruht der heilige Nicetius, Bischof von Lyon im sechsten Jahrhundert, dem die Legende die wundersame Kraft zuschrieb, Feuersbrünste durch sein Gebet zu löschen.

    Gehen Sie nun ostwärts zur Rue de la Bourse, um den kaiserlichen Prunkbau des Palais de la Bourse zu bewundern.

  10. 10. Palais de la Bourse und die Handelskammer

    Place de la Bourse 1, 69002 Lyon, France

    Stellen Sie sich vor die prachtvolle korinthische Säulenkolonnade des Palais de la Bourse, dem historischen Sitz der ältesten Handelskammer ganz Frankreichs. Erbaut zwischen 1856 und 1860 unter der Leitung des städtischen Chefarchitekten René Dardel, sollte dieser monumentale Palast mit vier symmetrischen Schaufassaden alle wichtigen Wirtschaftsinstitutionen der Seidenmetropole unter einem Dach vereinen: die Wertpapierbörse, das Handelsgericht, das Eichamt und die Seidenproduzentenkammer. Im August 1860 von Kaiser Napoleon III. und Kaiserin Eugénie auf dem Höhepunkt des industriellen Aufschwungs feierlich eingeweiht, besticht der Bau durch seinen überbordenden Bildhauerschmuck aus Allegorien der Industrie, des Handels und der Flussgötter. Im Herzen des Gebäudes öffnet sich die fünfzehn Meter hohe Salle de la Corbeille mit prachtvollen Trompe-l'œil-Deckenfresken von Alexandre Hesse, die den weltweiten Seidentriumph Lyons preisen. Mächtige vergoldete Kandelaber, Wandreliefs aus weißem Stuck und polierte Marmorfußböden spiegeln den Stolz der Lyoner Großkaufleute wider, die ihre Handelsbeziehungen bis nach Ostasien und Amerika knüpften. Elegante Kandelaber aus der Kaiserzeit säumen den Vorplatz und unterstreichen das bürgerliche Selbstbewusstsein. Das Gebäude verkörpert den Glanz des industriellen Zeitalters. Die Werksteinfassade glänzt in noblem Ocker. Die prunkvolle Ausstattung mit Marmorsäulen und Stuckreliefs sollte ausländischen Handelspartnern den unermesslichen Reichtum und die Zuverlässigkeit der Lyoner Banken vor Augen führen. Goldverzierte Kapitelle und Deckenrosetten unterstreichen den kaiserlichen Anspruch des Baus.

    Betrachten Sie das gewaltige Deckengemälde von Hesse: es zeigt den Genius der Lyoner Seide, dem Gesandte aus China, Indien und Venedig huldigen und ihre Schätze zu Füßen legen.

    Am 24. Juni 1894 speiste der französische Staatspräsident Sadi Carnot in diesem Festsaal während der Weltausstellung, unmittelbar bevor er beim Verlassen des Palastes ermordet wurde.

    Die Handelskammer von Lyon wurde bereits 1702 durch König Ludwig XIV. gegründet und gilt als die erste institutionelle Kaufmannskammer in der Geschichte des französischen Königreichs.

    Gehen Sie nun nach Norden entlang der Rue de la République zum monumentalen Place des Terreaux.

  11. 11. Place des Terreaux und der Bartholdi-Brunnen

    Place des Terreaux 1, 69001 Lyon, France

    Treten Sie in das weite Geviert des geschichtsträchtigen Place des Terreaux, dem monumentalen Bürger- und Kunstforum am Fuße der Hänge von Croix-Rousse. An der Westseite des Platzes zieht die spektakuläre Fontaine Bartholdi alle Blicke auf sich: ein einundzwanzig Tonnen schweres Monumentalwerk aus getriebenem Blei und Eisen, geschaffen von Frédéric-Auguste Bartholdi, dem weltberühmten Schöpfer der New Yorker Freiheitsstatue. Unter dem Titel Der Triumphwagen der Dordogne und Garonne stellt die Skulptur die Meeresgöttin Amphitrite dar, die ein Viergespann wild schnaubender Wasserrosse bändigt, aus deren Nüstern feine Wassernebel sprühen, während sie dem Ozean entgegeneilen. Die Südflanke des Platzes nimmt das stattliche Palais Saint-Pierre ein, eine ehemalige Benediktinerinnenabtei des siebzehnten Jahrhunderts, die heute das renommierte Museum der Schönen Künste von Lyon beherbergt, wegen seiner Meisterwerke oft als kleiner Louvre bezeichnet. Rund um den Platz laden sonnige Straßencafés und traditionsreiche Gasthäuser zum Verweilen ein, während Studenten und Passanten das lebendige Flair dieses urbanen Herzstücks zwischen Altstadt und Handwerkerhügel genießen. Das geometrische Bodenpflaster aus weißem und schwarzem Granit birgt neunundsechzig beleuchtete Bodenfontänen von Daniel Buren und Christian Drevet. Das Plätschern des Wassers und die Straßencafés beleben den Platz. Die Weite des Forums beeindruckt ungemein. Am Abend spiegeln sich die Lichter der umliegenden Cafés und der historischen Straßenlaternen im Wasser der Fontänen, was dem Platz eine festliche Atmosphäre verleiht.

    Betrachten Sie die geblähten Nüstern der vier Streitrosse: Bartholdi installierte ein ausgeklügeltes pneumatisches Düsensystem, das Wassertröpfchen vernebelt, um den dampfenden Atem galoppierender Rösser nachzuahmen.

    Ursprünglich 1857 für die Stadt Bordeaux entworfen, lehnte deren Stadtrat den Ankauf aus Geldmangel ab, woraufhin die Stadt Lyon das preisgekrönte Kunstwerk 1890 begeistert erwarb.

    Während der blutigen Revolutionsmonate von 1793 stand auf diesem Platz die Guillotine, unter deren Fallbeil hunderte Lyoner Bürger nach der Belagerung der Stadt ihr Leben verloren.

    Gehen Sie nun durch den Torbogen des Rathauses nach Osten zur benachbarten Place de la Comédie.

  12. 12. Hôtel de Ville und die Opéra National de Lyon

    Place de la Comédie 1, 69001 Lyon, France

    Beschließen Sie Ihren Streifzug über die königliche Halbinsel auf dem geschichtsträchtigen Place de la Comédie, wo zwei Epochen europäischer Spitzenarchitektur in kühnem Dialog aufeinandertreffen. Zur Linken erhebt sich die barocke Ostfassade des Hôtel de Ville, eines der prächtigsten Rathauspaläste Europas, erbaut zwischen 1646 und 1672 von Simon Maupin und nach einem Brand von Sonnenkönigsbaumeister Jules Hardouin-Mansart veredelt. Sein fünfzig Meter hoher Glockenturm birgt ein historisches Glockenspiel aus fünfundsechzig Bronzeglocken, das regelmäßig alte Volksweisen über die Dächer schickt. Direkt gegenüber steht das futuristische Meisterwerk der Opéra National de Lyon: über den klassizistischen Sandsteinmauern von 1831 wölbte Stararchitekt Jean Nouvel 1993 eine halbzylindrische Glaskuppel aus getöntem Glas und Stahl, die nachts wie ein glühender Rubin leuchtet. Im Inneren schwebt ein hochmoderner Opernsaal mit elfhundert Plätzen freitragend im historischen Gehäuse. Zwischen den beiden Monumenten flanieren Theaterbesucher im Abendkleid und Nachtschwärmer, während die Straßenlaternen die Arkadenbögen und Statuen in festlichen Glanz hüllen. Hier vollendet sich unsere Entdeckungsreise durch die Presqu'île von Lyon, wo Bürgerstolz, Baukunst und urbane Eleganz seit Jahrhunderten unvergessliche Harmonien stiften. Das Licht der Gaslaternen taucht die Fassaden in warmen Glanz. Die Stadt verabschiedet ihre Besucher mit festlichem Zauber.

    Blicken Sie zu den Musenstatuen auf dem Gesims der Oper empor: Nouvel bewahrte diese Skulpturen des neunzehnten Jahrhunderts und hüllte sie respektvoll in die neue gläserne Dachwölbung ein.

    Unter der gewölbten Glaskuppel befinden sich die spektakulären Probenräume des renommierten Ballet de l'Opéra de Lyon mit grandiosem Panoramablick über die Hänge der Stadt.

    Die schwerste Glocke des Rathausturms, der sogenannte Bourdon, wurde 1675 gegossen, wiegt über sechs Tonnen und ertönt nur zu den feierlichsten städtischen Festanlässen.

    An dieser Schnittstelle zwischen barocker Ratsherrlichkeit und moderner Bühnenbaukunst vollenden wir unseren Weg über die Presqu'île, das pulsierende Herz der Weltkulturerbestadt Lyon, deren Straßen und Plätze seit zwei Jahrtausenden von bürgerlicher Freiheit, Erfindergeist und lebendiger Gastlichkeit künden.