Brüssel : Grand-Place und Königliches Viertel
Vom barocken Gold des Großen Marktes zu den königlichen Terrassen des Kunstbergs
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1. Der Grand-Place : Das goldene Theater von Brabant
Grand-Place 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Treten Sie in die Mitte des geschichtsträchtigen Kopfsteinpflasters des Grand-Place in Brüssel und lassen Sie Ihren Blick langsam über die goldglänzenden Barockfassaden schweifen. Vor Ihnen ragt an der Südseite das gotische Rathaus von Brüssel empor, dessen filigran durchbrochener Rathausturm stolze sechsundneunzig Meter in den Himmel steigt, gekrönt von einer vergoldeten Statue des Erzengels Michael. Betrachten Sie die auffällige Asymmetrie des Rathauses: Eine alte Stadtlegende behauptet hartnäckig, der Baumeister habe sich wegen dieses Konstruktionsfehlers vom Turm gestürzt, obgleich die beiden Flügel im fünfzehnten Jahrhundert schlicht in zwei verschiedenen Bauphasen errichtet wurden.
Dieser prachtvolle Markt war im elften Jahrhundert lediglich ein feuchter Sumpfboden am Ufer der Senne, der von den Bürgern schlicht als Nedermerct bezeichnet wurde. Im Laufe der Generationen errichteten die einflussreichen Zünfte von Brüssel, von den Brauern über die Schneider bis zu den Bäckern, hier ihre hölzernen Gildehäuser, um ihre bürgerlichen Freiheiten selbstbewusst gegenüber den Herzögen von Brabant zu demonstrieren. Jedes Haus trug stolze Symbole wie den Schwan, den goldenen Baum oder das Taubenhaus.
Im August sechzehnfünfundneunzig brach ein verheerendes Inferno über die Stadt herein: Die französischen Truppen Ludwigs des Vierzehnten unter Marschall Villeroi beschossen Brüssel drei Tage lang pausenlos mit Artillerie. Über viertausend Kanonenkugeln und Brandbomben legten den Grand-Place vollständig in Schutt und Asche, wobei wie durch ein Wunder nur der steinerne Rathausturm den Flammen trotzte.
In einem beispiellosen Kraftakt des bürgerlichen Stolzes bauten die Zünfte und Kaufleute den gesamten Platz in weniger als fünf Jahren wieder auf. Sie schufen ein harmonisches barockes Gesamtkunstwerk mit flämischen Giebeln, üppigen Voluten und echtem Blattgoldüberzug, das die Besucher aus aller Welt bis heute als schönstes Freilichttheater Europas begeistert, von Victor Hugo einst als prächtigster Platz der Welt gefeiert.
Verlassen Sie den Platz an der nordöstlichen Ecke über die Rue de la Colline, überqueren Sie den Grasmarkt und treten Sie unter das gläserne Dach der Galeries Royales Saint-Hubert.
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2. Die Galeries Royales Saint-Hubert : Die Wiege der Praline
Galerie du Roi 5, 1000 Bruxelles, Belgium
Treten Sie unter den monumentalen Rundbogen und blicken Sie hinauf zur geschwungenen Glas- und Gusseisenkonstruktion der Galeries Royales Saint-Hubert in Brüssel. Diese über zweihundert Meter lange Einkaufspassage wurde im Jahre achtzehnhundertsiebenundvierzig von König Leopold dem Ersten feierlich eingeweiht. Entworfen von dem genialen jungen Architekten Jean-Pierre Cluysenaer, übertraf dieser Lichttempel die berühmte Galleria Vittorio Emanuele in Mailand um mehrere Jahrzehnte und setzte neue Maßstäbe für das europäische Geschäftsleben.
Die Passage unterteilt sich in drei Abschnitte: die Galerie des Königs, die Galerie der Königin und die kleinere Galerie der Prinzen. Sie bot dem aufstrebenden Brüsseler Bürgertum einen windgeschützten, sauberen Raum fernab vom Schlamm und Pferdemist der Straßen, um geschützt vor Wind und Wetter luxeriöse Einkäufe zu tätigen und Neuigkeiten auszutauschen. Vornehme Modegeschäfte, Buchhandlungen und Silberschmiede säumten die Marmorarkaden.
Im Jahre achtzehnhundertsiebenundfünfzig eröffnete der Schweizer Apotheker Jean Neuhaus in der Galerie der Königin seine Manufaktur, in der er zunächst bittere Heilkräuter mit flüssiger Schokolade überzog, um sie schmackhafter zu machen. Sein Enkel Jean Neuhaus Junior hatte im Jahre neunzehnhundertzwölf den genialen Einfall, die Arznei durch eine feine geröstete Haselnusscreme zu ersetzen: Damit war die allererste belgische Schokoladenpraline der Weltgeschichte geboren, gefolgt von der Erfindung der berühmten Ballotin-Geschenkschachtel im Jahre neunzehnhundertfünfzehn.
Während des neunzehnten Jahrhunderts diente diese elegante Arkade als beliebter Treffpunkt für französische Intellektuelle im politischen Exil. Victor Hugo spazierte hier täglich während der Niederschrift seines Meisterwerks Les Misérables und debattierte im Café des Vaudevilles stundenlang mit Alexandre Dumas und dem Dichter Charles Baudelaire bei dampfendem Mokka und frischen Waffeln, während draußen der typische Brüsseler Nieselregen auf das schützende Glasdach niederging und die Bürger von Brüssel die verlockenden Schaufenster der Chocolatiers bewunderten.
Verlassen Sie die Galerie am westlichen Ausgang zur Rue des Bouchers, überqueren Sie die Rue au Beurre und bestaunen Sie die monumentale Säulenfront der Brüsseler Börse.
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3. Die Börse von Brüssel : Palast des Handels und des Bieres
Place de la Bourse 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Stellen Sie sich an den Fuß der breiten Freitreppe der Börse von Brüssel und betrachten Sie die mächtigen korinthischen Säulen, die gemeißelten Giebelreliefs und die monumentalen Steinlöwen, die den Eingang dieses bürgerlichen Palastes bewachen. Errichtet zwischen achtzehhundertachtundsechzig und achtzehnhundertdreiundsiebzig nach Entwürfen des Architekten Léon-Pierre Suys, symbolisierte dieses monumentale Bauwerk den enormen wirtschaftlichen Aufstieg Belgiens zu einer führenden Industrienation des Kontinents. Die opulente Fassade verknüpft neoklassizistische Strenge mit barocker Prachtentfaltung.
Schauen Sie genau auf die detailreichen Steinfriese und Allegorien am oberen Kranzgesims der Hauptfassade. Ein damals noch völlig unbekannter junger französischer Bildhauer namens Auguste Rodin lebte und arbeitete von achtzehnhunderteinundsiebzig bis achtzehnhundertsiebenundsiebzig in Brüssel und meißelte hier als Geselle allegorische Figuren des Handels und der Seefahrt in den Kalkstein, lange bevor er mit Meisterwerken wie dem Denker und dem Kuss weltweiten Nachruhm erlangte.
Die Börse von Brüssel wurde direkt über dem unterirdisch überwölbten Flussbett der Senne erbaut. Sie bildete das Prunkstück der städtebaulichen Großprojekte von Bürgermeister Jules Anspach, der das mittelalterliche Häusergewirr der Unterstadt nach Pariser Vorbild durch weite, schnurgerade Prachtboulevards ersetzen ließ, um Seuchen einzudämmen und dem modernen Verkehr Raum zu schaffen. Unter dem Platz schlummern noch Fundamente des alten Franziskanerklosters aus dem dreizehnten Jahrhundert, die heute in einer unterirdischen archäologischen Stätte bestaunt werden können.
Nach einer umfassenden denkmalgerechten Sanierung öffnete die historische Schalterhalle im Jahre zweitausenddreiundzwanzig als interaktives Erlebniszentrum Belgian Beer World ihre Pforten. Besucher erkunden dort das immaterielle UNESCO-Kulturerbe der belgischen Bierkultur, von den jahrhundertealten Klöstern der Trappisten bis zu den spontanvergorenen Lambics des Sennetals, deren komplexe Aromen und jahrhundertealte Brautraditionen auf der ganzen Welt als unnachahmliches Kulturgut gefeiert werden.
Steigen Sie die Stufen hinab, wenden Sie sich nach Südosten in die Rue Henri Maus und folgen Sie der Rue de l'Étuve bis zur berühmtesten Bronzefigur der Stadt.
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4. Manneken Pis : Der respektlose Schutzgeist von Brüssel
Rue de l'Étuve 46, 1000 Bruxelles, Belgium
Blicken Sie an der Straßenecke von Rue de l'Étuve und Rue du Chêne nach oben auf die winzige bronzene Brunnenfigur des Manneken Pis, die hinter einem kunstvoll geschmiedeten Barockgitter munter vor sich hin plätschert. Mit einer Höhe von gerade einmal fünfundfünfzig Zentimetern überrascht diese weltberühmte Figur fast jeden Besucher durch ihre geringe Größe, doch in den Herzen der Bürger von Brüssel nimmt der kleine Junge einen gigantischen Platz ein. Er verkörpert die sprichwörtliche Zwanze, den respektlosen Volkswitz der Stadt.
Die heutige Bronzestatue wurde im Jahre sechzehnhundertneunzehn vom Brüsseler Hofbildhauer Jérôme Duquesnoy dem Älteren gegossen, um einen mittelalterlichen Steinbrunnen zu ersetzen, der bereits im vierzehnten Jahrhundert die Anwohner mit frischem Quellwasser versorgte. Zahlreiche Legenden ranken sich um seinen Ursprung: Eine besagt, das tapfere Kind habe einst eine brennende Zündschnur feindlicher Belagerer kurzerhand durch Urinieren gelöscht und so ganz Brüssel gerettet.
Das Manneken Pis besitzt eine weltberühmte Garderobe von weit über tausend maßgeschneiderten Prachtkostümen, die im nahen Stadtmuseum aufbewahrt werden. Seit König Ludwig der Fünfzehnte von Frankreich dem Knaben im Jahre siebzehnhundertsiebenundvierzig ein kostbares Brokatgewand schenkte, um die Brüsseler nach Plünderungen seiner Soldaten zu besänftigen, kleidet ein städtischer Zeremonienmeister die Figur zu Staatsbesuchen, Festtagen und Ehrenanlässen feierlich ankleidet, wobei die Stadt Brüssel die Tradition mit großer Sorgfalt und feinem Humor pflegt.
Aus Furcht vor Diebstahl steht an dieser Straßenecke seit neunzehnhundertfünfundsechzig eine exakte Replik: Das kostbare Original von Duquesnoy aus dem Jahre sechzehnhundertneunzehn wird im Maison du Roi am Grand-Place streng gesichert aufbewahrt, nachdem die Statue im Laufe der Jahrhunderte mehrfach von Soldaten und Randalierern entführt worden war, um als Beutestück zu dienen, bevor die erbosten Bürger ihre geliebte Identifikationsfigur jedes Mal triumphierend zurückholten.
Gehen Sie die Rue du Chêne hinauf, überqueren Sie die Rue du Midi und wandern Sie südwärts bis zur ehrwürdigen Kirche Notre-Dame de la Chapelle.
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5. Notre-Dame de la Chapelle : Die Ruhestätte Pieter Bruegels
Place de la Chapelle 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Treten Sie vor die mächtige Westfassade und den wuchtigen Barockhelm von Notre-Dame de la Chapelle, der ältesten erhaltenen Pfarrkirche von Brüssel. Gegründet im Jahre elfhundertvierunddreißig von Herzog Gottfried dem Bärtigen als bescheidene Kapelle außerhalb der Stadtmauern, entwickelte sich dieser romanisch-gotische Sakralbau über Jahrhunderte zum religiösen und sozialen Mittelpunkt des traditionsreichen Handwerkerviertels der Marolles. Das wehrhafte Erscheinungsbild zeugt von der bewegten Vergangenheit der Brabanter Handelsstadt.
Die Architektur des Gotteshauses spiegelt die wechselvolle Brüsseler Stadtgeschichte wider: Während das Querschiff noch robuste spätromanische Rundbögen und gedrungene Pfeiler aus dem frühen dreizehnten Jahrhundert zeigt, erstrahlen das Mittelschiff und der Chor im lichten Stil der brabantischen Hochgotik, reich verziert mit geschnitzten Konsolen und Maßwerkfenstern, die den Wandel vom trutzigen Wehbau zur lichten Kathedralgotik veranschaulichen.
In einer Seitenkapelle des rechten Seitenschiffs liegt der größte flämische Malermeister des sechzehnten Jahrhunderts begraben: Pieter Bruegel der Ältere, der im Jahre fünfzehnhundertneunundsechzig in Brüssel verstarb. Bruegel lebte nur wenige Gehminuten von hier entfernt in der Rue Haute und hielt die Hochzeiten, Kirmessen und das derbe Alltagsleben der einfachen Brüsseler Bürger in seinen unsterblichen Gemälden fest, die wie der Blindensturz oder die Bauernhochzeit zu zeitlosen Meisterwerken der flämischen Kunstgeschichte wurden.
Über dem Grabmal Bruegels ließ sein Sohn Jan Bruegel der Ältere ein Epitaph mit einem Gemälde errichten, das den Apostel Petrus bei der Schlüsselübergabe zeigt. Während der französischen Besatzung Ende des achtzehnten Jahrhunderts wurde dieses Werk entwendet, doch die Kirche gedenkt ihres berühmtesten Gemeindemitglieds heute mit einer ausdrucksstarken modernen Bronzestatue vor dem Portal, deren Hände voller Farben und Skizzenblätter die schöpferische Kraft des Brüsseler Meisters für die Nachwelt festhalten und die unsterbliche Verbindung zwischen Bruegel und der Seele der Brüsseler Marolles greifbar machen.
Verlassen Sie die Kirche, steigen Sie die Rue Haute hinauf und biegen Sie links in die Rue Joseph Stevens ein, um die gotischen Fialen von Notre-Dame du Sablon zu erreichen.
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6. Kirche Notre-Dame du Sablon : Das Juwel der Brabanter Gotik
Rue des Sablons 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Treten Sie vor die reich gegliederte, spitzenbesetzte Fassade der Kirche Notre-Dame du Sablon, die wie ein kunstvoll gemeißelter Schrein über dem Platz des Sablon in Brüssel thront. Errichtet im fünfzehnten Jahrhundert anstelle einer kleinen Schützenkapelle, gilt dieses Gotteshaus als einer der vollendetsten Höhepunkte der Brabanter Gotik, berühmt für seine filigranen Strebebögen, zierlichen Fialen und riesigen Maßwerkfenster. Die sandfarbene Kalksteinfassade strahlt im Morgenlicht eine vollendete Harmonie aus, die Baumeister aus ganz Europa inspirierte.
Die Entstehung dieser Wallfahrtskirche verdankt sich einem frommen Diebstahl: Im Jahre dreizehnhundertachtundvierzig hatte eine gottesfürchtige Frau namens Beatrijs Soetkens in Antwerpen eine Marienvision. Sie entwendete eine wundertätige Madonnenstatue aus einer Antwerpener Kirche, brachte sie per Boot über die Senne nach Brüssel und übergab sie der Gilde der Armbrustschützen, die das Heiligtum auf dem Sablon mit großem Pomp aufstellte.
Betreten Sie das lichtdurchflutete fünfschiffige Innere und lassen Sie sich von den vierzehn Meter hohen Buntglasfenstern im Chorraum verzaubern. Das durchbrechende Tageslicht taucht die weißen Kalksteinsäulen in warme Rubin- und Kobaltblautöne, während die reich vergoldeten barocken Grabkapellen der fürstlichen Familie von Thurn und Taxis den Reichtum und das Selbstbewusstsein des Adels im siebzehnten Jahrhundert bezeugen, ergänzt durch kostbare Chorgestühle und flämische Altarbilder von erlesener Qualität, die Kunsthistoriker und Pilger aus ganz Europa seit Jahrhunderten in ehrfürchtiges Staunen versetzen.
Die kaiserlichen Generalpostmeister von Thurn und Taxis begründeten von Brüssel aus das erste funktionierende europaweite Postsystem mit berittenen Boten und Stafettenwechseln. Ihre prunkvolle Familienkapelle in der Kirche birgt spektakuläre weiße Marmorskulpturen von François Duquesnoy und kündet vom Stolz und Einfluss dieser mächtigen europäischen Postdynastie, die über Jahrhunderte hinweg die Kommunikation zwischen den Fürstenhäusern des Kontinents lenkte und Brüssel zu einer unersetzlichen Drehscheibe des diplomatischen Austauschs machte.
Treten Sie durch das Seitenportal hinaus und überqueren Sie die Rue de la Régence in den zauberhaften Park des Petit Sablon.
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7. Der Petit Sablon : Die Huldigung an die historischen Zünfte
Place du Petit Sablon 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Betreten Sie durch das schmiedeeiserne Portal den zauberhaften Ziergarten des Petit Sablon, eine Oase harmonischer Symmetrie und historischer Erinnerung mitten im Herzen von Brüssel. Gestaltet im Jahre achtzehnhundertneunzig von dem Architekten Henri Beyaert, präsentiert sich dieser Neorenaissance-Park als ein begehbares Denkmal für die bürgerlichen Freiheiten, die städtischen Handwerker und den Widerstand gegen die Tyrannei fremder Herrscher. Die kunstvoll beschnittenen Buchsbaumhecken und Eibenkegel bilden einen feierlichen Rahmen für die kunstvollen Plastiken, während bunte Blumenrabatten im Frühling und Sommer ein prächtiges Farbenmeer zaubern und diesen verträumten Platz zu einer der reizvollsten historischen Rückzugsoasen der gesamten Innenstadt machen.
Schauen Sie entlang des kunstvoll geschmiedeten Außengitters: Auf den steinernen Pfeilern thronen exakt achtundvierzig detailgetreue Bronzestatuen, von denen jede eine andere historische Brüsseler Zunft darstellt. Hier sehen Sie den Gerber mit seiner Tierhaut, den Armbrustmacher, den Metzger, den Töpfer und den Bierbrauer, jede Figur mit ihren typischen historischen Werkzeugen und Gewändern meisterhaft ausgearbeitet.
Im Zentrum des Parks erhebt sich über einem plätschernden Brunnenbecken das Doppelstandbild der Grafen Egmont und Hoorn, geschaffen von Charles-Auguste Fraikin. Diese beiden flämischen Adeligen wagten es im sechzehnten Jahrhundert, den grausamen Herzog von Alba und die spanische Inquisition herauszufordern, wofür sie im Juni fünfzehnhundertachtundsechzig auf dem Grand-Place enthauptet wurden, was den Beginn des langen und blutigen Freiheitskampfes der Niederlande gegen die Fremdherrschaft markierte.
Rings um das Brunnenmonument stehen zehn Statuen der bedeutendsten flämischen Gelehrten und Humanisten der Renaissance, darunter der berühmte Kartograf Gerhard Mercator, der Brüsseler Anatom Andreas Vesalius und der Botaniker Dodoens, die den europäischen Geist der Aufklärung und Wissenschaft begründeten und Brüssels Ruf als Gelehrtenmetropole festigten und Generationen europäischer Denker mit ihren revolutionären Erkenntnissen maßgeblich prägten.
Verlassen Sie den Petit Sablon am oberen Ende, folgen Sie der Rue de la Régence nach Nordosten und treten Sie auf den weiten Place Royale.
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8. Place Royale und Coudenberg : Der Thron der Kaiser
Place Royale 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Stellen Sie sich in die Mitte des majestätischen neoklassizistischen Ensembles des Place Royale in Brüssel, umgeben von schneeweißen Kolonnadenfassaden und der tempelartigen Kirche Saint-Jacques-sur-Coudenberg. Inmitten des Platzes reitet Gottfried von Bouillon hoch zu Ross in Bronze, der berühmte Anführer des Ersten Kreuzzuges, der im Jahre zehnhundertneunundneunzig Jerusalem eroberte und hier als belgischer Nationalheld glorifiziert wird. Die monumentale Weite des Platzes spiegelt die städtebauliche Vision der Aufklärung wider.
Was heute wie ein streng geordneter Platz des späten achtzehnten Jahrhunderts erscheint, war über siebenhundert Jahre lang der befestigte Sitz der Herrscher Europas: der Coudenberg-Palast. Hier residierten die mächtigen Herzöge von Burgund und später Kaiser Karl der Fünfte, der von diesem Brüsseler Hügel aus über ein weltumspannendes Weltreich herrschte, in dem die Sonne buchstäblich niemals unterging, gestützt auf die Reichtümer Flanderns und der Neuen Welt, und empfing hier Gesandte, Päpste und Könige in der glanzvollen Aula Magna des Brüsseler Schlosses.
Im Februar siebzehnhunderteinunddreißig brach in den Gemächern der Statthalterin Maria Elisabeth ein verheerender Großbrand aus: Binnen weniger Stunden fraßen sich die Flammen durch die hölzernen Prunkdecken der Aula Magna, und der legendäre Palast stürzte vollständig in sich zusammen. Die kaiserliche Verwaltung ließ die Ruinen jahrzehntelang brachliegen, bevor man das gesamte Gelände einebnete und den heutigen Place Royale darüberbaute.
Heute können Sie über ein unterirdisches Museum direkt unter das Pflaster des Place Royale hinabsteigen: Tief unter Ihren Füßen wandern Sie durch die freigelegten mittelalterlichen Gewölbe, die originale gepflasterte Schlossstraße Rue Isabelle und die monumentalen Säulenhallen des kaiserlichen Palastes Karls des Fünften, wo im Jahre fünfzehnhundertfünfundfünfzig die feierliche Abdankung des Kaisers vor den versammelten Generalstaaten stattfand, ein welthistorischer Moment, der die Übergabe der spanischen und niederländischen Länder an Philipp II. besiegelte.
Gehen Sie zur nordwestlichen Ecke des Platzes und treten Sie hinaus auf die weitläufigen Aussichtsterrassen des Mont des Arts.
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9. Der Mont des Arts : Die Panoramaterrasse der Kultur
Mont des Arts 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Treten Sie an die steinerne Aussichtsbalustrade des Mont des Arts, des Kunstbergs, und lassen Sie sich von dem atemberaubenden Blick über die gesamte Brüsseler Altstadt überwältigen. Zu Ihren Füßen erstreckt sich eine geometrische Gartenanlage mit plätschernden Brunnenkaskaden und akkurat gestutzten Platanen, während in der Fluchtlinie der hoch aufragende gotische Rathausturm des Grand-Place wie eine goldene Nadel in den Himmel sticht. Hier treffen die Machtzentren des oberen Hofes und das pulsierende Leben der Handelsstadt aufeinander, eingebettet in ein städtebauliches Gesamtkonzept, das Weite, Grünanlagen und kulturelle Institutionen von Weltrang meisterhaft verbindet.
Die Idee zu diesem monumentalen Kulturhügel stammte von König Leopold dem Zweiten, dem sogenannten Bauherrnkönig Belgiens. Um die Jahrhundertwende kaufte der Monarch auf eigene Kosten das heruntergekommene, verwinkelte Viertel Saint-Roch auf, ließ Hunderte alter Häuser abreißen und träumte davon, hier eine gigantische Akropolis der Künste und Wissenschaften mit Nationalbibliothek und Museen zu errichten.
Zur Weltausstellung von neunzehnhundertzehn schuf der Pariser Gartenarchitekt Pierre Vacherot zunächst eine temporäre Gartenanlage, die die Bürger von Brüssel jedoch so sehr ins Herz schlossen, dass sie dauerhaft erhalten blieb. In den neunzehnhundertfünfziger Jahren entstand schließlich das heutige Ensemble im monumentalen Stil der Nachkriegsmoderne, umrahmt von der Königlichen Bibliothek Albert der Erste und dem Konferenzzentrum Square.
Schauen Sie an der Fassade des Palais des Congrès nach oben auf das berühmte Glockenspiel Carillon du Mont des Arts: Zu jeder vollen Stunde setzen sich dort zwölf historische Figuren in Bewegung, die abwechselnd das volkstümliche Lied von Peter van Asse und das patriotische Lied Où peut-on être mieux qu'au sein de sa famille intonieren, während Touristen und Einheimische gleichermaßen auf den breiten Steinstufen verweilen, um das Panorama zu genießen.
Steigen Sie die breiten Freitreppen durch die Gärten hinab, queren Sie den Boulevard de l'Impératrice und steigen Sie zur Kathedrale St. Michael hinauf.
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10. Kathedrale St. Michael und St. Gudula : Die Krönungskirche Belgiens
Place Sainte-Gudule 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Blicken Sie ehrfürchtig empor zu den beiden sechsundsechzig Meter hohen Zwillingstürmen der Kathedrale St. Michael und St. Gudula, die majestätisch auf dem Treurenberg über Brüssel thronen. Erbaut über einen Zeitraum von mehr als dreihundert Jahren zwischen zwölfhundertfünfundzwanzig und fünfzehnhundertfünfzig, stellt diese Bischofskirche das strahlendste Monument der brabantischen Gotik dar und erinnert in ihrer monumentalen Fassadengliederung an die Kathedrale Notre-Dame von Paris. Die monumentale Freitreppe verleiht dem Gotteshaus eine erhabene Fernwirkung.
Die Kathedrale ist zwei Stadtheiligen geweiht: dem Erzengel Michael, dem ritterlichen Beschützer Brüssels, und der heiligen Gudula, einer frommen Jungfrau des achten Jahrhunderts. Der Legende nach versuchte der Teufel stets, Gudulas Gebetskerze auszublasen, doch ein Engel entzündete das Licht jedes Mal aufs Neue, weshalb die Heilige stets mit einer Laterne dargestellt wird, die ihr Licht durch das Dunkel der Jahrhunderte trägt und bis heute als treue Patronin der Brüsseler Bürger gegen die dunklen Mächte verehrt wird und deren Reliquien im reich verzierten Silberschrein im Chorumgang der Kathedrale aufbewahrt werden.
Treten Sie in das gewaltige, lichterfüllte Kirchenschiff und bestaunen Sie die überlebensgroßen Statuen der zwölf Apostel, die an den mächtigen Rundpfeilern angebracht sind. Sie wurden von den führenden Brüsseler Barockbildhauern des siebzehnten Jahrhunderts wie Luc Faydherbe und Jérôme Duquesnoy geschaffen, um die nach den Bilderstürmen der Religionskriege zerstörten gotischen Skulpturen prachtvoll zu ersetzen.
Als Nationalkirche des Königreichs Belgien war dieses Gotteshaus Schauplatz historischer Meilensteine: Hier heiratete König Baudouin im Jahre neunzehnhundertsechzig die spanische Adlige Fabiola, hier empfing König Philippe den Segen zu seiner Thronbesteigung, und hier nahmen die Belgier bei feierlichen Staatsakten Abschied von ihren verstorbenen Monarchen, begleitet vom feierlichen Geläut der monumentalen Kathedralglocken, die weit über das Weichbild der Hauptstadt hallen.
Steigen Sie die Kathedralentreppe hinab, folgen Sie der Rue d'Assaut nach Westen und erreichen Sie den Place de la Monnaie vor dem Königlichen Theater.
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11. Königliches Theater La Monnaie : Der Funke der Revolution
Place de la Monnaie 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Beenden Sie Ihren königlichen Spaziergang auf dem weitläufigen Place de la Monnaie vor dem klassizistischen Säulenportikus des Königlichen Theaters La Monnaie. Auf dem Fundament der alten herzoglichen Münzprägestätte errichtet, gehört dieses ehrwürdige Opernhaus nicht nur zu den führenden Musikbühnen Europas, sondern war im Sommer achtzehnhundertdreißig der historische Schauplatz, an dem der revolutionäre Funke zur Unabhängigkeit Belgiens gezündet wurde. Seine ionischen Säulen und das gemeißelte Giebelfeld blicken stolz auf den Platz.
Am Abend des fünfundzwanzigsten August achtzehnhundertdreißig wurde in diesem Opernhaus anlässlich des Geburtstags des niederländischen Königs Wilhelm des Ersten Daniel Aubers Oper Die Stumme von Portici aufgeführt. Als der Tenor das patriotische Duett Amour sacré de la patrie anstimmte, hielt es das Brüsseler Publikum nicht mehr auf den Sitzen: Bürger sprangen auf, stimmten lauthals ein und stürmten voller Zorn und Freiheitsdrang auf den Platz hinaus.
Auf den Straßen vor der Oper formierten sich binnen Minuten Tausende wütende Bürger, Handwerker und Studenten zu einem revolutionären Demonstrationszug. Sie stürmten die Redaktionsräume regierungstreuer Zeitungen, vertrieben die niederländischen Garnisonstruppen aus den Kasernen und hissten auf dem Grand-Place die rot-gelb-schwarze Trikolore der neugeborenen belgischen Nation, was zur völkerrechtlichen Anerkennung des Landes führte.
Heute begeistert La Monnaie als innovatives Opernhaus von internationalem Rang, dessen reich vergoldeter hufeisenförmiger Zuschauersaal nach einem verheerenden Brand im Jahre achtzehnhundertfünfundfünfzig von Joseph Poelaert prachtvoll wiederaufgebaut wurde. Weltberühmte Regisseure und Dirigenten bringen hier bahnbrechende Inszenierungen zur Uraufführung und begründen den Ruf Brüssels als eine der dynamischsten und mutigsten Opernstädte im Herzen Europas, die Tradition und zeitgenössische Kunst meisterhaft zu einem unvergesslichen Erlebnis vereint.
Lassen Sie sich in einem der Cafés am Münzplatz nieder, bestellen Sie eine feine Tasse Kaffee mit traditionellem Spekulatius und lassen Sie die faszinierenden Epochen Brüssels, von der mittelalterlichen Gildeblüte bis zur königlichen Wiedergeburt, noch einmal in Ruhe Revue passieren.