TU Wien & Resselpark: Wo Wien das Erfinden lernte
Why is it significant?
Du stehst im Resselpark, und vor dir zieht sich eine lange, helle Fassade mit Säulen und Giebel über die Südseite des Karlsplatzes: das Hauptgebäude der Technischen Universität Wien.
Key Facts
| Place | TU Wien & Resselpark: Wo Wien das Erfinden lernte |
|---|---|
| Address | Karlsplatz 13, 1040 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.19850, 16.36990 |
| Part of Walk | Vom Karlsplatz zu Klimts Kuss: Belvedere, Schwarzenbergplatz und die Kunst der Macht in Wien |
| Generated | Generated |
Du stehst im Resselpark, und vor dir zieht sich eine lange, helle Fassade mit Säulen und Giebel über die Südseite des Karlsplatzes: das Hauptgebäude der Technischen Universität Wien. Vor dem Gebäude wacht ein Herr aus Bronze, Josef Ressel, und er schaut ein bisschen so drein, als hätte er gerade etwas sehr Wichtiges erfunden... und das hat er auch.
Ressel war Förster, Tüftler und ein ewiger Pechvogel. 1827 bekam er ein Privileg, eine Art frühes Patent, auf die Schiffsschraube. Ein Versuchsschiff fuhr 1829 in Triest tatsächlich mit seiner Schraube, bis ein Dampfrohr platzte und die Behörden weitere Fahrten untersagten. Das große Geschäft mit der Schraube machten später andere. Wien hat ihm trotzdem dieses Denkmal gesetzt, geschaffen von Anton Dominik Fernkorn, dem Bildhauer, der auch den sich aufbäumenden Erzherzog Karl auf dem Heldenplatz modelliert hat.
Die Universität selbst wurde 1815 gegründet, als k.k. Polytechnisches Institut, im Jahr des Wiener Kongresses, als Europa nach Napoleon gerade neu sortiert wurde. Der Kaiser wollte Ingenieure, Chemiker und Mechaniker, Leute, die Brücken, Dampfmaschinen und Fabriken bauen konnten. Der Bau, vor dem du stehst, entstand in den Jahren danach, und damit ist er deutlich älter als die gesamte Ringstraße. Ein strenger Tempel des Fortschritts, ganz im klassizistischen Gewand.
Lange war dieser Tempel allerdings eine reine Männerwelt. Erst 1919, nach dem Ende der Monarchie, durften Frauen hier als ordentliche Studentinnen inskribieren. Und noch etwas überrascht viele: Kunst und Technik waren in Wien nie Feinde. Otto Wagner, der später die Stadtbahn und die Postsparkasse baute, hat als junger Mann hier am Polytechnikum studiert, bevor er an die Akademie der bildenden Künste wechselte. Ohne Rechenschieber kein Jugendstil, könnte man sagen.
Schau dich im Park ruhig noch ein wenig um, zwischen den Denkmälern sitzen Studierende mit Laptops dort, wo früher der Wienfluss offen dahinfloss. Dann geh am Rand des Karlsplatzes nach Norden, Richtung Ring, zu dem Palast im Stil der Renaissance gleich neben dem Musikverein. Dort wohnte keine Fürstenfamilie, sondern eine ganze Künstlerschaft.